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Change the World – Junge Weltretter

PlayJunge Menschen demonstrieren für besseres Klima
Change the World – Junge Weltretter | Video verfügbar bis 04.10.2021 | Bild: BR

Es ist die größte Herausforderung der Gegenwart. Während Covid-19 unsere Aufmerksamkeit fesselt, schmilzt das Eis in Grönland immer schneller. Eine Million Tonnen pro Minute. Zigtausende Demonstranten sind deshalb in den letzten Jahren immer wieder auf die Straße gegangen. Aber: auf der ganzen Welt gibt es junge Menschen, denen das nicht mehr genug ist. Sie verwandeln Regenwasser in Trinkwasser, bauen Autos, die sich selbst laden und bekämpfen die steigende Plastikflut.

Zwei Mädchen sammeln am Strand Plstikmüll ein
Melati und Isabel sammeln Plastikmüll | Bild: BR

"Während wir aufwuchsen, wuchsen um uns herum die Plastikberge", sagt Melati Wijsen von Youthtopia in Indonesien. "Meine Schwester und ich haben gesagt: Wir müssen etwas dagegen tun." 2018 filmt der Brite Rich Horner seinen Tauchgang vor Bali. Ein Meer aus Plastik. Auf der Nachbarinsel Sulawesi fluteten Plastikflaschen einmal einen ganzen Fluss. Dreizehn Millionen Tonnen Kunststoff gelangen ins Meer – jedes Jahr. Mit zehn und zwölf Jahren treten Melati und Isabel Wijsen eine Jugendbewegung los, um ihre Insel zu retten. Jetzt arbeiten sie an einer Plattform, um junge Aktivisten global zu vernetzen.

"Covid-19 hat uns zurückgeworfen"

"Angefangen hat es als eine soziale Initiative von meiner Schwester und mir zu Hause auf der Couch", sagt Melati Wijsen. "Heute ist ‚Bye Bye Plastic Bags’ Indonesiens größte jugendgeleitete NGO und weltweit gibt es 50 Teams in 29 Ländern, alle geführt von jungen Menschen, die gesehen haben, was wir auf Bali geschafft haben und die gesagt haben: wir wollen dasselbe tun."

Ein etwa vierzehnjähriges Mädchen in einer Remote-Konferent
Von wegen unpolitisch | Bild: BR

Die Schwestern sind gefragte Rednerinnen auf den großen Podien dieser Welt. Letztes Jahr hat Bali Einwegplastik, Strohhalme und Styropor verboten. Aber wie nachhaltig ist ihr Erfolg? "Covid-19 hat wirklich alles überschattet und unsere Arbeit und die anderer Organisationen weit zurückgeworfen", sagt Wijsen. "Einwegplastik ist plötzlich wieder im Bewusstsein der Menschen, weil du es benutzt und wegwirfst und dich nicht mit dem Virus infizieren kannst."

Bei der Gründerberaterung schüttelten sie nur den Kopf

Lieferessen. Einwegbecher. Das geht durch die Decke seit Corona. Die Leute fahren wieder vermehrt Auto statt U-Bahn. Obwohl die Autos sparsamer werden, versursacht der Verkehr in Deutschland immer mehr CO2. Es werden nämlich immer mehr Fahrzeuge. Zwei junge Unternehmer aus München wagen das Unmögliche. Sie bauen ein Auto, das mit der Sonne fährt. "Wenn dieser Tag erreicht ist, der Tag, an dem die Zeitungen berichten, dass keine fossilen Energien mehr auf der Welt verbraucht werden, dann habe ich mein Ziel erreicht", sagt Laurin Hahn von Sono Motors.  

Ein blonder und ein dunkelhaariger Mittzwanziger spricht in die Kamera
Gründer Laurin Hahn und Jona Christians | Bild: BR

Ein Elektroauto, das sich selbstständig mit Solarenergie auflädt. In dem eine spezielle Flechtenart Feinstaub aus der Luft im Innenraum filtert. Als Laurin Hahn und Jona Christians das bei der Gründerberatung erzählen, schütteln die nur den Kopf. Zu groß. Zu gewagt. Und jetzt? Steht er im Showroom im Norden Münchens: der Prototyp des Sion. "Ich weiß noch, 2006, war ich in der sechsten Klasse", erinnert sich Jona Christians von Sono Motors. "BMW hatte damals ein Wasserstoff-Auto vorgestellt. Großartige Sache, mit Wasser! Und wo stehen wir heute? Die haben immer noch kein Wasserstoffauto raus gebracht. Klar haben wir uns überlegt, ob wir in das System reinkönnen und das von innen ändern. Wir haben das Mindset: Wir fangen heute an und nicht irgendwann in der Zukunft, wenn unsere Abschreibungen und Boni sowieso schon irgendwie alle gezogen sind. Nein, wir müssen heute handeln. Das war der Grund warum wir gesagt haben: okay, dann halt ganz eigen." Und Laurin Hahn ergänzt: "Wir hatten eine Mission und wir hatten eine Vision."

Uns gegenseitig zu beschuldigen, ist Zeitverschwendung

China, die USA und Europa sind für über die Hälfte der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Betroffen sind vom Klimawandel aber zuerst die Länder im globalen Süden. In Simbabwe herrschte Anfang des Jahres die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Mehr als die Hälfte der 14 Millionen Einwohner des Landes leidet Hunger. Es ist die Heimat von Macdonald Chirara.

Eine dunkelhäuige Frau holt an einem improvisierten Wasserhahn Trinkwasser
Sauberes Trinkwasser | Bild: BR

"Wir können weiter Zeit verschwenden indem wir uns gegenseitig beschuldigen", sagt Macdonald Chirara von Everlasting Technology. "Auch wenn ich nur einen kleinen  CO2-Fußabdruck habe, am Ende werden alle zukünftigen Generationen, wird die ganze Welt vom Klimawandel betroffen sein. Wenn wir hier in Afrika anfangen zu handeln, vielleicht motiviert das andere Menschen." Viele Menschen in den ländlichen Gegenden Simbabwes kochen mit Feuerholz. Um die zunehmende Waldrodung zu stoppen, hat Chirara eine kleine Heim-Biogasanlage entwickelt, die mit Biomüll Kochgas und Elektrizität erzeugt.

Vor ihrer Haustür brennt der Regenwald

In Brasilien hat Anna Luísa Beserra "Aqualuz" erfunden. Ein System, das Regenwasser in wenigen Stunden zu Trinkwasser verwandelt – nur mit der Kraft von UV-Strahlung. Keine Chemie, alle Materialien sind recycelt. "In ein paar Jahren, vielleicht schon zwei oder drei, werden die wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels viel schlimmer sein als die Einschnitte jetzt", sagt Anna Luísa Beserra von Safe Drinking Water For All (Brasilien). "Wir haben wirklich keine Zeit zu verlieren."

Junge Menschen demonstrieren mit Pappschildern
Die Welt soll besser werden | Bild: BR

Anna Beserra erfährt das ganz konkret. Vor ihrer Haustür brennt der Amazonas-Regenwald, die grüne Lunge der Erde. Während die, die an den Hebeln der Macht sitzen, weiter den Klimawandel leugnen, formiert sich eine Jugendbewegung mit dem Willen, alles zu verändern.

Autorin: Laura Beck

Stand: 16.10.2020 13:34 Uhr

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