SENDETERMIN So., 16.08.20 | 23:35 Uhr | Das Erste

Bestandsaufnahme und Bilanz

PlaySalzburg lässst es sich auch 2020 nicht nehmen, die Salzburger Festspiele auszurichten. Durch die Sendung führt Max Moor.
Bestandsaufnahme und Bilanz | Video verfügbar bis 16.08.2021 | Bild: BR / Herbert Ebner

Spektakel, Experiment, Bühnenzauber. Eine sehr kleine Stadt mit einer riesigen Weltbühne, auf der alles passierte: große Kunst, große Aufregung, Ohrfeigen, Buhrufe, Eitelkeiten. Und zum hundertsten Geburtstag ist alles besonders. Intimer.

Ein mittelalter weißer Mann in weißem Hemd blickt in die Kamera
Intendant Markus Hinterhäuser | Bild: BR

"Es ist eine starke Hinwendung spürbar zu dem, was wir machen", sagt Intendant Markus Hinterhäuser. "Zu der Musik, die wir hier entstehen lassen, die Opern, die wir hier machen, die Konzerte. Es ist eine große Stille, eine deutlich merkbarere Konzentration und schlussendlich wirklich auch eine große Freude, dass es stattfindet. Wir hätten das alle nicht gedacht, dass es in dieser Form möglich ist Festspiele zu machen. Und jetzt sind sie da."

Ein Bekenntnis zur Kunst

Festspiele 2020. Das Spektakel fällt aus. Keine großen Chöre. Keine Menschenmassen. Dieses Jahr wird finanziell ein großes Verlustgeschäft. Aber pathetisch gesprochen: ein Bekenntnis zur Kunst. Ein Zeichen. Salzburg ohne Festspiele wäre – nun ja: eine Provinzstadt mit Nieselregen. Die Festspiele haben eine enorme ökonomische Kraft. Arbeitsplätze. Tourismus. Viele leben davon.

Eine Frau um die Dreißig mit kurzen dunklen Haaren gibt ein Fernseh-Interview
Star-Sopranistin Anna Netrebko 2002 | Bild: BR

Der erste "Jedermann" hatte noch eine andere Nähe zum Tod. 1920. Der Krieg gerade vorbei. Das Großreich zerschlagen. Da beschließen die drei Künstler Reinhardt, von Hofmannsthal und Strauss nur die Kunst könne die Menschen retten. Festspiele aus dem Geist Europas. Die Stadt selbst als Bühne. Auch ein Gegenentwurf zu Bayreuth und dessen Personenkult. Der "Jedermann" wurde anfangs für Kost und Logis gespielt. Später übernahmen die Stars. "Gemma sterm" gilt bis heute.

Die Festspiele als Weltgegenentwurf

"Diese Reinhardts und Hofmannsthals und Strauss‘ sind gekommen und haben gesagt: Wir haben einen Entwurf für die Welt", sagt Markus Hinterhäuser. "Es gibt einen Weltgegenentwurf. Und das finde ich fantastisch in der utopischen Kraft. Es wäre heute unmöglich so eine Art von Festspiel neu zu gründen."

Salzburg von oben
Salzburg von oben | Bild: BR

Arturo Toscanini, der Weltstar, kehrt Salzburg den Rücken, als der Anschluss durch die Nazis erfolgt. Viele gehen, müssen fliehen. Eine Zäsur. Der Jedermann und der europäische Geist: abgesetzt.

Herbert von Karajan macht Salzburg zum Kulturkreml

Herbert von Karajan holte die Stars, die Plattenfirmen. Keine Experimente. Ein Kulturkreml. Salzburg heißt auch: Die Welt schaut hin. Anne"Sophie Mutter wurde hier entdeckt. Anna Netrebko. Oder: Asmik Grigorian, die sensationelle Salome von 2018. Salzburg macht Weltstars.

Archivaufnahme eines grauen Mercedes in der Salzburger Innenstadt
Salzburg in den 1970ern | Bild: BR

"Dieser unbedingte Glaube auch an die Kraft der Kunst", so beschreibt Markus Hinterhäuser die Salzburger Festspiele. "Was ist Kunst? Was kann sie für uns bedeuten, welcher Motor wird da in Gang gesetzt? Klarmachen, dass Kunst das Humanste ist, das man sich vorstellen kann, dass Kunst uns vielleicht erst zum Menschen macht."

Mehr Humanität als in der Kunst geht nicht

Das Humanste, das man sich vorstellen kann. Es ist eine gute Nachricht, die viel kostet, abverlangt: bei den Festspielen ist sie stets da. Uns zu berühren. Trotz aller Einflussnahmen, Geldinteressen, Machtspielchen in ihrer Geschichte – und auch jetzt, trotz allem. Es ist Festspielzeit.

Eine Frau im weißen Kleid auf der Opernbühne
Sopranistin Asmik Grigorian 2018 | Bild: BR

Stand: 16.08.2020 20:50 Uhr

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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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