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Die Zukunft des Bauens

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Die Zukunft des Bauens | Video verfügbar bis 17.06.2019 | Bild: Sumitomo Forestry und Nikken Sekkei

Bäume. Die Tresore für unser Klima. Jeder einzelne absorbiert Tonnen von CO₂ und speichert es im Holz. Kein Baumaterial ist ökologischer und faszinierender. Jetzt können daraus sogar Wolkenkratzer entstehen. Architekten und Forscher der Universität Cambridge haben erstaunliche Pläne für die City von London entwickelt. Auch in Tokio planen Architekten ein Hochhaus ganz aus Holz.

Ein weltweiter Trend. Aber wie hoch kann man mit Holz tatsächlich bauen? "Ich denke, realistisch sind durchaus Bauhöhen von 150, 200 oder sogar 300 Metern, wenn die Gesamttechnologie stimmt", sagt Prof. Stefan Winter. Er lehrt Baukonstruktion an der TU München und liefert die Tragwerksplanung für einige der ersten Holzhochhäuser in Deutschland. Sie entstehen demnächst in Heilbronn und in Nürnberg und werden um die 50 Meter hoch.

Ein nachhaltiger Werkstoff

Holzhochhaus in Bordeaux
Holzhochhaus in Bordeaux | Bild: Jean-Paul Viguier et Associes

Winter beobachtet seit ein paar Jahren die rasante Entwicklung, mit Holz immer höher zu bauen. Angefacht durch neue Technologien bei der Holzverarbeitung. Das höchste Holzhaus der Welt steht momentan in Brumunddal in Norwegen. 81 Meter hoch. "Ein sehr schönes Gebäude, mit dem nachgewiesen wird, dass man mit Holz auch sehr hoch bauen kann", sagt Winter. "Und was uns freut, dass auch so Bauträger und Wohnungsentwickler aus allen möglichen Bereichen anfangen, sich für das Holz zu interessieren und erkennen: Das ist ein nachhaltiger Werkstoff."

Das "HoHo" in Wien

Holzhochhaus in Wien
Holzhochhaus in Wien | Bild: cetus Baudevelopment

Bald wird in Wien das höchste Holzhaus der Welt sein: das "HoHo". 24 Etagen, 84 Meter. Es befindet sich bereits in Bau. Zu 75 Prozent wird es aus Holz bestehen. 25 Prozent – der Gebäudekern mit den Aufzügen – aus Beton. Ganz aus Holz ginge es theoretisch auch. Es wäre aber doppelt so teuer, sagt Architekt Rüdiger Lainer. Um die Beständigkeit des Materials macht er sich keine Sorgen. "Ich sage nur Dauerhaftigkeit. Es gibt diese Barockdachstühle, die wirklich sehr groß und sehr massiv sind. Die sind ein paar hundert Jahre alt und in bestem Zustand. Das Holz selbst kann sicher hunderte Jahre lang überleben, wenn es nicht feucht wird oder nicht anders beschädigt wird."

Kahlschlag in den Wäldern?

Die Holzbauweise spart hier gegenüber einem reinen Stahlbeton-Bau rund 2.800 Tonnen CO₂ ein. Das entspricht 20 Millionen PKW-Kilometer, sagen die Planer des "HoHos". Andererseits: Bedeutet so ein Wolkenkratzer aus Holz nicht auch Kahlschlag in den Wäldern? "Das war das erste, was meine Kinder auch gefragt haben: 'Mama, Mama, Mama müssen jetzt alle Bäume sterben?'", sagt Caroline Palfy, Geschäftsführerin cetus Baudevelopment. "Es ist genügend Waldfläche in Österreich da. Das HoHo wird mit 0,2 Promille Holzüberschuss von Österreichischen Wäldern gebaut."

Holzhochhaus in London
Holzhochhaus in London | Bild: PLP Architecture

Die beim Hochhaus in Wien verwendete Menge Holz wächst in Österreichs Wäldern in einer Stunde und 17 Minuten nach, sagen die Planer. Nach den Berechnungen der Architekten des "Oakwood Timber Towers"  in London reicht die Holzmenge, die jedes Jahr in der EU nachwächst für hunderte solcher Wolkenkratzer. Weltweit liefern sich derzeit Architekturbüros einen Wettkampf um immer höhere Holzhäuser: Bordeaux. Gerade in Bau: 57 Meter hoch. Chicago. In Planung. Der River Beech Tower. 280 Meter hoch. 80 Stockwerke.

 Im Brandfall berechenbarer

Holzhochhaus in Chicago
Holzhochhaus in Chicago | Bild: Perkins und Will

"Aber: Holz brennt!", sagt Stefan Winter. "Das ist natürlich eines der Themen, das wir besonders erforscht haben in den letzten Jahrzehnten." Das Erstaunliche: Massiver Holzbau kann genauso brandsicher sein wie Stahl oder Beton. Holz, so sagen Feuerwehrleute, ist im Brandfall sogar viel berechenbarer. "Ein massiver Holzquerschnitt verkohlt langsam. Der brennt natürlich ein bisschen mit, weil er eine Holzkohleschicht bildet", sagt Winter. "Aber in seinem Inneren bleibt er sehr kalt und das bleibt dann sehr tragfähig. Beton platzt ab beim Brand und legt Bewährung frei, das heißt sie müssen auch da besondere Maßnahmen treffen, um den Stahl im Stahlbeton zu schützen."

Wohlige Atmosphäre

Holzhochhaus in Tokio
Holzhochhaus in Tokio | Bild: Sumitomo Forestry und Nikken Sekkei

Räume aus Holz vermitteln eine eigene, wohlige Atmosphäre. 350 Meter hoch würde der geplante Turm in Tokio werden. 300 Meter der Wolkenkratzer aus Eichenholz in London. Vorausgesetzt sie würden tatsächlich gebaut. Es sind bisher nur Studien. Das HoHo in Wien soll bereits nächstes Jahr fertig sein.

Holz. Ein alter Baustoff, der gerade weltweit neu gedacht wird. Gesucht: Die Grenze da oben.

 Autor: Norbert Haberger

Stand: 17.06.2018 17:45 Uhr

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