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"Die Hand Gottes" von Paolo Sorrentino

PlayFilmausschnitt: Zwei junge Männer in Kleidung der 80er-Jahre blicken sehnsüchtig in die Ferne
"Die Hand Gottes" von Paolo Sorrentino | Video verfügbar bis 12.09.2022 | Bild: Netflix

Das Leben. Kaum auszuhalten. Wenn man jung ist und alles Leid unendlich.

Neapel in den Achtzigern. Fabietto ist 17. Eine Familienfeier. Wie ein bizarres Gemälde: die dicke Tante, die immer isst und flucht. Die Mamma, die gern Streiche spielt und eigentlich Artistin ist.

Filmszene: Eine Familie an einem Essenstisch im Garten
Eine Familienfeier wie ein bizarres Gemälde | Bild: Netflix

Der Film "È stata la mano di Dio" zeigt eine groteske Welt: schön und laut und überzeichnet. "Das war die Realität. Ganz genau so war es", sagt Regisseur Paolo Sorrentino. "Das war meine Familie, nichts, das ich erfunden habe. Deshalb sage ich: dieser Film, sein Personal, das ist alles realistisch und naturalistisch."

Sorrentino ist zum ersten Mal in Venedig

Fabietto und sein älterer Bruder Marchino sind – wie die gesamte Stadt – elektrisiert von einem Gerücht. Es heißt, Diego Maradona würde vielleicht nach Neapel wechseln. Wie das wäre: Der gedemütigte Süden würde es dem reichen Norden endlich einmal zeigen, den Clubs in Mailand und Turin. Was für ein Traum.

Ein Mann im Smoking winkt in die Kamera
Regisseur Paolo Sorrentino | Bild: BR

Ja, plötzlich sitzt da jemand im Auto. Das könnte tatsächlich er sein. Wie eine Erscheinung. "Maradona ist die wichtigste Verkörperung von Kunst, die ich überhaupt je in meinem Leben gesehen habe", sagt Sorrentino. "Und da ich entschieden hatte etwas über das Künstlerische zu machen, war Maradona meine allerwichtigste Referenz."

Unter der Schönheit lauert die Leere

Paolo Sorrentino ist der bedeutendste lebende Regisseur Italiens. Europäische Filmpreise, Golden Globe- und Oscar-Gewinner. Doch in Venedig ist er zum ersten Mal im Wettbewerb. Dabei ist er der Chronist der italienischen Gegenwart.

In "Il Divo" – der Film, der ihn auch in Deutschland bekannt machte – sezierte er Giulio Andreotti und die mafiotischen Strukturen der italienischen Politik.

Ein junger Mann blickt in die Ferne
Endlich können sie es dem reichen Norden zeigen | Bild: Netflix

Noch absurder, zur Farce verkommen, ist diese Welt in "Loro". Fast immer dabei: Sorrentinos Lieblingsschauspieler Toni Servillo – hier als Silvio Berlusconi. Die Lage ist nicht mehr ernst. Aber definitiv hoffnungslos.

Diego Maradona hat sein Leben gerettet

Sein Meisterwerk "La Grande Bellezza" handelt von Selbstbetrug und Narzissmus der Intellektuellen. Unter der Eleganz und Schönheit lauert tiefe Traurigkeit: die Leere. Von den Träumen von einst ist nichts übrig.

Ein Mann gibt vor einem Filmplakat ein Interview
Paolo Sorrentino | Bild: BR

Nun: "È stata la mano di Dio,", Sorrentinos persönlichster Film. Er erzählt von Neapel und der "Hand Gottes", von sich und seiner Jugend und einer Katastrophe, die sein Leben für immer prägen wird. Paolo Sorrentino erklärt, Diego Maradona habe ihm das Leben gerettet. "Das ist eine sehr, sehr schmerzhafte Geschichte, die Erinnerung daran ist hart. Ja – am Anfang. Da gab es fröhliche Phasen. Leider war das nur ein kurzer Teil meines Lebens."  

"Die Hand Gottes" ist ein großer, bewegender Film: Liebe, Tod und – Aufbruch.

Stand: 12.09.2021 19:06 Uhr

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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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