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Ist unsere Freiheit gefährdet?

Buch über die Abschaffung des Bargelds

PlayDas Cover des Buches "Cloud Money" von Brett Scott.
Buch über die Abschaffung des Bargelds | Video verfügbar bis 25.09.2023 | Bild: Penguin Verlag

Es wird immer weniger: Ein- und Zweicentmünzen sollen in der EU abgeschafft werden, in Schweden zum Beispiel wird bereits zu 95 Prozent mit der Karte oder digital bezahlt. Das Bargeld – wird es schleichend abgeschafft? Das ist die Befürchtung des Journalisten und ehemaligen Brokers Brett Scott, der in seinem Buch "Cloud Money. Cash, Karte oder Krypto: Warum die Abschaffung des Bargelds unsere Freiheit gefährdet" davor warnt. Er befürchtet ein "unvorstellbares Ausmaß an Überwachung und Datengewinnung". Denn jede Kartenzahlung hinterlässt Spuren.

"Es wird oft so getan, als handele es sich bei der Digitalisierung des Geldes um einen 'Bottom-up-Prozess', bei dem gewöhnliche Menschen den Wandel 'Weg vom Bargeld' vorantreiben," sagt Scott. "In Wirklichkeit hat es aber überall auf der Welt einen Druck von obennach unten gegeben, einen richtigen 'Krieg gegen das Bargeld'. Es sind mächtige Akteure, die die Gesellschaft beeinflussen und massiv gegen das Bargeldsystem vorgehen."

Jede Kartenzahlung hinterlässt Spuren

Brett Scott schaut in die Kamera. Hinter ihm sieht man die Stadt Berlin.
Vor einiger Zeit zog Brett Scott nach Berlin. Hier kann er fast noch überall mit Bargeld zahlen. | Bild: NDR/Screenshot

Große Banken, Finanzkonzerne und Regierungen arbeiten weltweit daran, das Bargeld abzuschaffen, warnt Scott. Für Banken seien einzelne Kunden oft lästig und viel zu arbeitsaufwändig, "Automatisierung" bringt Profit. In "Cloud Money" schreibt Brett Scott eindrücklich mit welchen Mitteln dies geschieht. Und was das für Folgen hat: "Unternehmen wie Visa führen Propagandakampagnen gegen Bargeld. Banken schließen einfach Filialen, was es für Geschäfte schwieriger macht, Bargeld einzuzahlen. Wenn man diese Infrastruktur schließt, drängt man die Menschen mehr und mehr vom Bargeld weg."

Im Alltag zahlt Scott am liebsten bar. Vorausgesetzt es geht. "Der Apparat zwingt mich jetzt, meine Kreditkarte zu benutzen. Und jetzt werden Informationen zu meiner Bank nach England geschickt." Der Journalist ist kein Verschwörungstheoretiker, er benutzt auch Karten und Apps. Aber er will die Wahl behalten, denn digitale Zahlungssysteme gehören privaten Konzernen und die wollen den gläsernen Menschen.

Private Konzerne wollen den gläsernen Menschen

"Wenn man vom Bargeld weg geht und hin zu digitalen Systemen, hinterlässt man natürlich eine riesige Datenspur," erklärt Scott. "Plötzlich sehen diese Institutionen was Sie kaufen, wann, wo und bei wem. Diese Daten sind sehr aussagekräftig. Viele dieser Organisationen tauschen sogar untereinander aus. PayPal zum Beispiel teilt Daten mit bis zu 600 verschiedenen Organisationen."

Nicht nur für private Unternehmen sind Daten hochinteressant, auch Staaten können mit ihnen sehr viel anfangen. So schreibt Scott, dass wir uns auf eine Welt zu bewegen, in der die technischen Vorrausetzungen für eine gigantische ökonomische Überwachung gegeben sind. Und die bargeldlose Gesellschaft macht das noch viel einfacher und effektiver. Big Brother is watching you.

Gigantische ökonomische Überwachung

Schilder hängen in einem Fenster, die darauf hinweisen, dass man bargeldlos zaheln soll.
Wird das Bargeld schleichend abgeschafft? | Bild: NDR/Screenshot

"Das Hauptrisiko der bargeldlosen Gesellschaft besteht darin, dass man die Kontrolle über das Geldsystem an die großen Finanz- und Internetgiganten abgibt, die diese Systeme kontrollieren," so Scott. "Dadurch entsteht ein enormes Überwachungspotenzial, für Unternehmen und für den Staat. Und das wird zu einem großen Problem, besonders in autoritären Ländern. Plötzlich kann man die Menschen auch so beobachten. Außerdem kann man diese Zahlungssysteme dafür nutzen, um Menschen auszugrenzen und ihr Verhalten zu kontrollieren."

Welche Auswirkungen das haben kann, zeigt bereits China. Der chinesische Staat baut gerade sein System der digitalen Überwachung weiter aus – auch mit Hilfe von persönlichen Einkaufsdaten. Wer regimetreu ist, bekommt Vorteile, wer nicht funktioniert wird bestraft. Die Abschaffung des Bargeldes trifft vor allem die Armen hart. In Indien wurden 2016 über Nacht wichtige Geldnoten abgeschafft, angeblich um Korruption und Schwarzgeldhandel einzudämmen. Die Folge: Verunsicherung und Existenzangst bei den kleinen Händlern, die bis dato nur mit Bargeld arbeiteten.

"Für Banken sind ärmere Menschen nicht profitabel"

"Für die Banken sind ärmere Menschen nicht sehr profitabel. Und arme Menschen haben oft kein Vertrauen in den Bankensektor. Sie sind der Meinung, dass er von den Eliten der Gesellschaft geführt wird. Wenn man eine Person ist, die die Banken nicht mag, oder eine Person, die von Banken nicht gemocht wird, und man plötzlich gezwungen ist, nur noch digital zu zahlen – dann können diese Personen nicht mehr teilhaben, sind ausgeschlossen."

Vor einiger Zeit zog Brett Scott nach Berlin. Hier kann er fast noch überall mit Bargeld zahlen. Für ihn ist die Lösung einfach: Das Bargeldsystem erhalten. Seitens Politik und von uns allen. Denn: Bargeld ist Inklusiv, sicher und die Privatsphäre schützend.

"Cloud Money. Cash, Karte oder Krypto: Warum die Abschaffung des Bargelds unsere Freiheit gefährdet"
von Brett Scott
ISBN: 978-3-328-60127-2
Preis: 24,70 Euro

(Beitrag: Gesa Berg)

Stand: 25.09.2022 18:26 Uhr

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