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Daniel Richter

Ein Dokumentarfilm über den Maler-Star

PlayDaniel Richter schaut in die Kamera.
Daniel Richter: Ein Dokumentarfilm über den Maler-Star | Video verfügbar bis 22.01.2024 | Bild: picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Daniel Richter, einer der wichtigsten Maler der Gegenwart – portraitiert von Pepe Danquart, dem Regisseur, der für seinen Kurzfilm "Schwarzfahrer" 1994 mit dem Oscar prämiert wurde. Da sind die Erwartungen an ein Künstlerportrait hoch. Drei Jahre lang hat Pepe Danquart den Ex-Punk Daniel Richter, dessen Werke heute am Kunstmarkt für Millionen gehandelt werden, für seinen Dokumentarfilm begleitet. "Besser geht's nicht. Natürlich ist es peinlich, sich selber zu sehen. Andererseits bin ich natürlich eitel genug und kritisch genug, um einfach voll hinter dem Film zu stehen. Ist ein Spitzenprodukt," meint Daniel Richter selbst über den Film.

"Die paar Mal, wo der Film auf Festivals lief oder so sagten die meisten oder auch schreiben, dass man selten so nahe bei einem Künstler im Atelier war wie in diesem Film," so der Filmemacher Pepe Danquart. Star-Maler und Star-Regisseur sind also beide äußerst überzeugt von ihrem Film: "Daniel Richter" von Pepe Danquart. Zu Recht? Klaffen da Eigen- und Fremdwahrnehmung etwas auseinander?

Wirklich ein "Spitzenprodukt"?

Zwei Papageien spielen auf einem Tisch mit einem Bleistift.
Wirklich nahe kommt man dem Künstler Daniel Richter trotz interessanter Einblicke in dem Portrait nicht. | Bild: NDR

"Hier ging es mir darum, und das ist in der Offenheit, wie er mir gegenübergetreten ist, was in der bildenden Kunst ganz selten ist. Künstler sind der größte intime Raum, den wir, in dem wir jetzt gerade sitzen, davor schafft, Fehler macht, aber kreativ ist," sagt Danquart. "Das habe ich so auch noch nie irgendwo anders gesehen. Und dadurch hatte ich die Möglichkeit, einen Film über die Entstehung von Kunst und gleichzeitig die Reflexion über den Markt und die politischen Verhältnisse zu machen."

Kleine Anmerkung: dieser Film ist natürlich nicht der erste, der einen Künstler bei der Arbeit in seinem Atelier beobachtet. Aber die Szenen in Richters Berliner Studio sind wirklich gelungen. Wir erleben, wie der Maler Leinwände vorbereitet, wie Bilder entstehen, sich verändern. Drei Jahre hat Danquart Daniel Richter begleitet. Und es gibt überraschende Einblicke: Richter macht Yoga, Richter hat Papageien, Richter pfeift. Richter ist ironisch und klug. Er baut damit aber auch eine Distanz auf, die der Filmemacher Danquart nicht überwindet. All die Fragen, die man hat, wenn man einen "besonders nahes" Porträt erwartet: Woher kommt Richters Inspiration, was treibt ihn? Diese Fragen wurden vielleicht nicht gestellt – auf jeden Fall nicht beantwortet. Schade.

"Daniel lebt den Widerspruch"

Pepe Danquart spricht in die Kamera.
Drei Jahre lang hat Pepe Danquart den Künstler Daniel Richter bei seiner Arbeit bearbeitet. | Bild: NDR

"Also da bin ich der Meinung, dass die Menschen, die das sehen, sich auch selber Gedanken drüber machen können und dass die Frage danach, was man als Künstler, was der Künstler, die Künstlerin als Inspiration benutzt, alles ein bisschen unerheblich ist," so der Künstler. Sammler, Galeristen und Freunde tauchen in dem länglichen Epos auf, reden über Daniel Richter und seine Kunst. Richters Bilder werden für siebenstellige Summen gehandelt. Luxusware für reiche Sammler, Scheichs und Oligarchen. Man feiert Vernissagen mit Galadiners. Ein Konflikt für den Ex-Punk, der eigentlich kapitalismuskritische Positionen vertritt?

"Natürlich ist mir das lieber, die Leute investieren in Kunst als dass sie in Kinderpornographie investieren oder in den Waffenhandel. Was sich natürlich nicht ausschließt. Aber jetzt so für mich, ich habe ja gar nicht damit gerechnet, dass ich mal ein gutes Leben damit führen könnte, dass es Menschen was bedeutet," meint Richter im Film. Danquart sagt dazu: "Daniel lebt den Widerspruch. Das muss der als Künstler in dieser Position auch, diesen Widerspruch mit dieser Haltung auch leben."

Viele Fragen bleiben offen

Daniel Richter zeigt sich, wie er gesehen werden will. Wie er diese Widersprüche ins eigene Werk integriert, dazu hätte man gerne mehr erfahren. Auch schade. "Ja, also es kommen bestimmte Sachen nicht vor. Also Familie und Privatleben, Akademie, Vergangenheit, weil ich schon wollte, dass der Film sich um Kunst und meine Tätigkeit als Künstler dreht," sagt Richter. Vielleicht die falsche Entscheidung. Denn wirklich nah kommt man Richter dadurch nicht, viele Fragen bleiben offen. Das macht den ambitionierten Film am Ende nicht wirklich zu einem "Spitzenprodukt". Schade.

"Daniel Richter"
von Pepe Danquart
Kinostart: 2. Februar 2023

(Beitrag: Natascha Geier)

Stand: 22.01.2023 18:41 Uhr

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So., 22.01.23 | 23:05 Uhr
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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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