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Fragile Meisterwerke für die Ewigkeit

Leonardo da Vinci in der Hamburger Kunsthalle

PlayEine Zeichnung von Leonardo da Vinci in der Hamburger Kunsthalle
Fragile Meisterwerke – Leonardo da Vinci in Hamburg | Video verfügbar bis 02.06.2020 | Bild: NDR

In einem unscheinbaren Schrank in der Kunsthalle in Hamburger liegt ein Schatz: vier von neun Zeichnungen Leonardo da Vincis, die es in Deutschland gibt. Sie sind zärtlich und von unnachahmlicher Eleganz. Zum 500. Todestag des Genies werden diese für zwei Wochen gezeigt – länger sollen sie dem Licht nicht ausgesetzt werden. Zu viel Licht lässt das ungeschützte Papier zerfallen.

Variationen des Jesuskindes

Auf einer Zeichnung beten Hirten das Jesuskind an, beziehungsweise die drei Jesuskinder. 540 Jahre alt. Wir schauen einem Genie beim Ausprobieren zu. David Klemm, der Kurator, erklärt: "Leonardo da Vinci war ein Künstler der so viele Ideen hatte, dass er mit dem Zeichnen nicht hinterher kam. Das kann man an diesem Blatt schön sehen, dass die Linien ganz schnell ausgeführt werden, ineinander überfließen, und gerade bei den Kindern sind die übereinander gelagert, die Figuren." An den Jesuleins hat er mit weichem Brot herumradiert. Und die beiden Hirten sind sich ganz nah. Leonardo war soweit wir heute wissen schwul.

Woher was man, dass die Zeichnungen echt sind?

Eine Frau betrachtet eine Zeichnung von Leonardo da Vinci durch ein Mikroskop.
Alle Zeichnungen von Leonardo da Vinci wurden auf ihre Echtheit geprüft. | Bild: NDR

Vor kurzem untersuchte man die Farben, mit denen die Anbetung der Hirten gezeichnet wurde. Eine Frage dabei ist, ob die Farben zeittypisch seien, erläutert Restauratorin Sabine Zorn. In einer starken Vergrößerung der Grundierung der Hirten-Zeichnung zeigt sich: "Wir haben rote Pigmente, da hat die Analyse ergeben, dass es sich um Kermes handelt, ein Farbstoff der aus Insekten gewonnen wird. Das Blau ist Indigo, also ein Pflanzenfarbstoff, und die weißen Partikel sind pulverisierte Knochen." Das sind die zeittypischen Materialien. Die Experten sind sicher, dass es Leonardos Zeichnungen sind.

Spontanität des Genies

Die Zeichnungen wurden später nicht zu Gemälden. Sie stehen für sich, zeigen die Spontaneität des Genies:

Zum Beispiel bei der Darstellung des Heiligen Sebastian. Drei Möglichkeiten sind zu sehen, wie er den Kopf halten könnte, während der gefesselte Körper versucht, den Pfeilen auszuweichen. Mit Anfang 20 zeichnet Leonardo Aristoteles, auf dem Rücken seine Geliebte. Der Intellektuelle als Sklave der Lust, das war damals sehr en vogue. Aber die androgyne Frau könnte genauso gut ein junger Mann sein. Als gereifter Künstler schließlich erforscht Leonardo die Vielfalt des menschlichen Gesichts. Entlang des Gesichts winzige Einstiche, vielleicht von einem Schüler Leonardos. Mit Pulver wurde das Profil auf ein darunter liegendes Blatt durchgepaust und dann vervielfältigt.  

David Klemm weiß, dass der frühe Biograf Vasari berichtete, "dass Leonardo bewusst durch die Straßen von Mailand ging, und wenn er einen Menschen mit einem deformierten Gesicht sah, dann hat er sich das lange angeschaut, hat sich eingeprägt, ging dann in sein Atelier und brachte es zu Papier."

Die vier Zeichnungen sind vom 5. bis zum 19. Juni in der Kunsthalle Hamburg zu sehen. 

(Bericht: Lennart Herberhold)

Ausstellung
Leonardo da Vinci - Die Zeichnungen im Kupferstichkabinett
Kunsthalle Hamburg
Vom 5. bis zum 19. Juni 2019

Stand: 02.06.2019 22:19 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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