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Ein letzter Thriller – Frederick Forsyth und sein neues Buch

Der britische Schriftsteller Frederick Forsyth
Der britische Schriftsteller Frederick Forsyth | Bild: imago / Horst Galuschka

Eine bestimmte Geschichte aus seinem Doppel-Leben als Bestseller-Autor und Gelegenheits-Agent erzählt Frederick Forsyth immer wieder gern: Wie nämlich der sowjetische KGB regelmäßig die ersten 50 Exemplare Spionage-Thriller kaufe. Es ginge ihnen darum die Tricks und Ideen erst zu studieren und sie dann im Spionage-Einsatz zu kopieren. Mit 80 Jahren will Forsyth, der mit dem "Schakal" 1971 das  Genre definierte und in den sechziger Jahren auch in Ostberlin aktiv war, es noch einmal wissen. "Der Fuchs", sein siebzehnter und – wie er im ttt-Gespräch ankündigt – definitiv letzter Streich handelt vom Cyberkrieg und den Abgründen der Spionage-Welt. Auch in der ist – wir ahnten es – nichts mehr wie früher. "titel thesen temperamente" hat Frederyck Forsyth in London besucht.

Der Meister des Spionage-Thrillers

Das Latimer House bei London
Das Latimer House bei London | Bild: Das Erste

In diesem Landhaus bei London hörte der britische Geheimdienst im Zweiten Weltkrieg die Gespräche gefangener deutscher Offiziere ab. Heute ist das Latimer House ein Luxushotel. Frederick Forsyth, der Meister des Spionage-Thrillers, nimmt hier gern seinen Tee und liest die News vom Brexit-Drama. Sein neuer – und wie er behauptet, nun wirklich letzter – Thriller spielt wieder zwischen London und Moskau – und im herzwärmenden Milieu der englischen Countryside. Ein Haus wie das Latimer ist Schauplatz der Story, in der ein 17-jähriger Computer-Nerd sich in die geheimsten Datenbanken der Amerikaner hackt. Als er auffliegt, reißen sich die Geheimdienste der ganzen Welt um ihn. "Wir hatten vor einigen Jahren in diesem Land tatsächlich so ein Superhirn, einen Cyber-Genius. Er überwand offenbar ganz locker die angeblich total sicheren Firewalls von CIA, Pentagon und NSA. Als ich von seiner Festnahme hörte, dachte ich: Warum stecken wir so einen ins Gefängnis? Er könnte doch für uns Briten mal hinter die Mauern Nordkoreas gucken und horchen, was die sich da so zuflüstern", erzählt Bestseller-Autor Frederick Forsyth.

Im Zentrum eines weltpolitischen Showdowns

Für den Secret Service findet der junge Hacker heraus: Kim Jong Un führt seinen Fan Donald Trump an der Nase herum und testet heimlich weiter Atomraketen. Auch iranische Ingenieure basteln weiter an ihrer Bombe. Forsyth lässt seinen Romanhelden die Geheimnisse der Schurkenstaaten lüften – die hetzen ihm im Gegenzug ihre Agenten an den Hals. Das britische MI6 – wo auch James Bond seine Aufträge abholt – im Zentrum eines weltpolitischen Showdowns, bei dem die Bösen überall sind und die Guten meistens an der Themse. "All meine Romane basieren auf wirklichen Ereignissen und spielen in Echtzeit. Meine Generation, also sagen wir: die ab 1938 Geborenen haben so außergewöhnliche Ereignisse erlebt, dass man als Schriftsteller gar nicht viel dazu erfinden muss. Man nimmt, was man gesehen und erlebt hat und macht es hier und da noch etwas fetter – schon hat man eine wunderbare Geschichte", so Forsyth.

Frederick Forsyths Weg zum Bestseller-Autor

Bestseller-Autor Frederick Forsyth
Bestseller-Autor Frederick Forsyth | Bild: Das Erste

Forsyth, der ehemalige Royal Airforce-Pilot wechselt in den Sechzigern zum Journalismus, berichtet für die BBC aus dem Biafra-Krieg. Seitdem misstraut er den Mächtigen. 1971 ist er zurück aus Afrika und finanziell abgebrannt. Er versucht sich als Romanautor. In "Der Schakal" lässt er einen Killer auf Charles de Gaulle los. Das Buch ist aus dem Stand ein Welterfolg – bald danach auch verfilmt. Danach geht es Schlag auf Schlag. Jeder Roman ist ein Bestseller. Die Welt darf ruhig wissen, dass er Jaguar E fährt, Brite ist und deshalb immer auf der richtigen, der Seite der Sieger. Dabei ist er lange schon Wanderer zwischen den Welten. Schon 1963 arbeitet Forsyth als Reuters-Korrespondent in Ostberlin. Nebenbei schnüffelt er ein bisschen für den britischen Geheimdienst. "Ich hatte ein britisches Auto und deshalb ständig so eine Stasi-Karre hinter mir. Mein Büro, mein Telefon – alles verwanzt. Und in der Schönhauser Allee, wo ich wohnte, war das Fenster gegenüber immer offen, auch im Winter. Da saßen sie und fotografierten", erzählt Forsyth. Es ist die heiße Phase des Kalten Kriegs, doch Forsyth lässt die Welt in Ostberlin ein wenig freundlicher aussehen. Zu Weihnachten schickt er seinen Stasi-Bewachern französischen Brandy und englische Zigaretten auf die Bude.

Das angeblich letzte Buch "Der Fuchs"

Spionage-Genre
Frederick Forsyth prägte das Spionage-Genre. | Bild: Das Erste

Der "Fuchs" im neuen Buch gerät, wie sollte es anders sein, ins Visier des KGB und eines namentlich nicht genannten russischen Präsidenten, der – wie Forsyth en detail ausführt – über einschlägige Berufserfahrung verfügt. "Der Computer hat das Spionagegeschäft technisch revolutioniert, doch die Feinde sind mehr oder weniger dieselben geblieben. In diesem Moment operieren in London mehr russische Spione als jemals im Kalten Krieg", so der Bestseller-Autor. Einmal noch lässt Frederick Forsyth die Good Guys antreten gegen die Bad Guys dieser Welt, nach dem Motto: Lasst die auf der Insel mal machen. Und er selbst? Dürfte sich nun wirklich mal zurücklehnen. Mal sehen, ob dies wirklich der letzte Forsyth-Thriller bleibt. "Meine erste Frau sagte mal: Warum willst du nach Afrika und dich da irgendwo in einem verregneten Dschungelloch umbringen lassen? Du kannst schön zuhause an der Schreibmaschine sitzen und ein wunderbares Auskommen haben. Das hab' ich gemacht. 50 Jahre lang – mit ein paar kleinen Abenteuern zwischendurch", so Forsyth.

Autor: Andreas Lueg

Stand: 04.11.2019 11:15 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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