SENDETERMIN So, 04.11.18 | 23:05 Uhr | Das Erste

Female Pleasure – ein Dokumentarfilm fragt nach den Frauenbildern

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Female Pleasure – ein Dokumentarfilm fragt nach den Frauenbildern | Video verfügbar bis 04.11.2019 | Bild: Das Erste

Ob nackt, den Männern als Sexobjekt zu Füßen geworfen, oder vollverschleiert – die Filmemacherin Barbara Miller hat überall auf der Welt Frauenbilder angetroffen, die komplett von der Männerwelt bestimmt werden. In ihrem Dokumentarfilm lässt sie starke Frauen zu Wort kommen, die sich gegen dieses Bild auf ebenso radikale wie lustvolle Weise auflehnen. Unter ihnen: die Somalierin Leyla Hussein, die gegen Genitalverstümmelung kämpft und dabei zu ungewöhnlichen Methoden greift.

Ein Film über die sexuelle Selbstbestimmung der Frau

Wie ist das mit unserem Frauenbild? Wie werden Frauen gesehen? Wie sehen sie sich? In dem Dokumentarfilm Female Pleasure kommen starke Stimmen zu Wort – Frauen, die selbst unterdrückt wurden und es geschafft haben, sich zu befreien.

Aktivistin Leyla Hussein
Aktivistin Leyla Hussein | Bild: X Verleih AG

Der Dokumentarfilm zeigt, wie überholte religiöse Riten und Traditionen Frauen bis heute zu Opfern machen. Die Londonerin Leyla Hussein kämpft gegen Geschlechtsverstümmelung, die auch ihr im Alter von sieben Jahren angetan wurde, sowie Millionen anderen Frauen auf der Welt. "Ich wurde heruntergedrückt und meine Beine auseinandergespreizt. Bevor ich es begriff, wurde ein scharfes Messer an meinen Körper angesetzt. Ich habe alles mit angehört, unglaublich.", erzählt Hussein. Für Barbara Miller liegt genau hier der Ansatz ihres Films: "Was bedeutet es für eine Frau oder ein Mädchen, wenn sie nicht darüber bestimmen kann, was in der Sexualität mit ihrem Körper passiert."

Autorin Deborah Feldman
Autorin Deborah Feldman | Bild: X Verleih AG

Deborah Feldman wächst in einer jüdisch-ultraorthodoxen Gemeinde in Brooklyn auf. Kaum erwachsen wird sie, wie sie sagt, als Gebärmaschine benutzt. "Ich wurde zum Geschlechtsverkehr mit jemandem gezwungen, den ich nicht kannte, ob ich wollte oder nicht. Also hatte ich Sex. Es war extrem schmerzhaft, ich weinte. Eine Woche später war ich schwanger.", so Deborah Feldman. Nach langem inneren Kampf bricht sie aus und geht mit einem Buch an die Öffentlichkeit. Genau wie eine junge deutsche Katholikin, die im Vatikan als Nonne mehrfach von einem Ordensbruder vergewaltigt wird. "Er hat mir wehgetan, aber ich habe gewusst, dass ich es niemals irgendwem sagen kann. Und am Ende ist von einem selber nichts mehr übrig.", berichtet Doris Wagner.

Filmemacherin Barbara Miller
Filmemacherin Barbara Miller | Bild: Das Erste

Aber – sind das nicht nur Extrembeispiele aus religiösen Gemeinschaften? Barbara Miller ging es nicht um Religion an sich und auch nicht um Glaube. Ihr ging es vielmehr darum: "Wie werden Frauen, wie wird weibliche Sexualität, wie wird der weibliche Körper heute auf der ganzen Welt angeschaut? Wo stehen wir eigentlich? Wo gibt es Sachen, die wir verändern können und müssen?"

Die Botschaft: Rollenmuster über Bord werfen

Der Film liefert dafür plastische Beispiele. Während der Phallus in Japan öffentlich gefeiert wird, ist die Darstellung von Vaginas verboten. Künstlerin Rokudenashiko formt ihre zum Protest ab. Nun drohen ihr zwei Jahre Gefängnis. Aber sie nutzt das lustvoll für die Gegenoffensive: "Ich habe die 3-D-Daten ins Internet gestellt. Jeder kann jetzt digitale Vagina-Kunst machen. Und ich wollte ein Vagina-Boot herstellen und das Meer überqueren."

Leyla Hussein erklärt die Beschneidung der weiblichen Sexualität
Leyla Hussein erklärt die Beschneidung der weiblichen Sexualität | Bild: X Verleih AG

Die Beschneidung der weiblichen Sexualität, so sagt dieser Film, müssen wir gemeinsam bekämpfen, Frauen und Männer. Leyla Hussein führt jungen Muslimen an einer Plastellin-Vagina vor, wie eine Genitalverstümmelung durchgeführt wird. Die Botschaft kommt bei ihnen an. "Ich hasse diese Euphimismen wie Ehegewalt. Da ist nichts Häusliches daran – das ist schlicht und einfach Vergewaltigung. Kinderehe? Legalisierte Pädophilie! Und Vaginalbeschneidung ist Kindesmissbrauch, Punkt! Lasst uns die Dinge beim verdammten Namen nennen!", so Hussein weiter.

Bei allen schrecklichen Beispielen sendet Female Pleasure eine positive, ja befreiende Botschaft. Das ist es, was den Film so stark macht.

Autor: Norbert Kron

Stand: 04.11.2018 19:00 Uhr

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So, 04.11.18 | 23:05 Uhr
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Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
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