SENDETERMIN So., 17.05.20 | 23:05 Uhr | Das Erste

Von Wellenrauschen bis Subkultur

Umfassende Retrospektive von Rainer Fetting

PlayRainer Fetting steth vor einem seiner großen Gemälde.
Von Wellenrauschen bis Subkultur | Video verfügbar bis 17.05.2021 | Bild: NDR

Bekannt geworden ist er mit Stadtlandschaften von Berlin – zu Mauerzeiten, in leuchtenden Farben gemalt – oder Szenen aus der New Yorker Subkultur: Rainer Fetting. Er war einer der jungen "Neuen Wilden" und zählt zu den wichtigsten deutschen Gegenwartskünstlern. Seine Bilder sind expressiv, monumental, die Skulpturen ähnlich ausdrucksvoll. Seine Statue von Willy Brandt dürfte zum kollektiven Gedächtnis gehören: Sie steht im Atrium der SPD-Zentrale und ist in jeder Pressekonferenz von dort zu sehen. Weniger bekannt sind seine Foto- oder Filmarbeiten. Auch sie sind jetzt in einer umfassenden Retrospektive in Schloss Gottorf zu sehen, wie Gemälde, Bronzen und Druckgrafik. Endlich, möchte man sagen!

Rainer Fetting – ein Fest der Malerei

Rainer Fetting steht neben seiner Skulptur von Willy Brandt.
Vielleicht das bekannteste Werk von Rainer Fetting: die Skulptur von Willy Brandt. | Bild: picture-alliance/Carsten Rehder/dpa

"Here are the lemons" heißt die Ausstellung von Rainer Fetting. Skulpturen, Filme, Bilder, aus 50 Jahrzehnten Kunstschaffen. Und vor allem ein Fest der Malerei. Er malt schnell, hält den Augenblick fest, wie er ihn sieht. Oft porträtiert er sich selbst – kämpfend gegen den Meereswind oder als jungen Menschen im Strandkorb auf seiner Lieblingsinsel Sylt. Er liebt die Natur, doch mit 20 will er mehr erleben. Vor dem Wehrdienst flüchtet er in den West-Berliner Ausnahmezustand der 70er-Jahre. Als er und seine Malerfreunde von der Hochschule der Künste keinen Raum finden, gründen sie die "Künstlerselbsthilfegalerie" und nennen sich "The Moritzboys".

Von Berlin nach New York

Schnell werden sie als "junge Wilde" gefeiert, große Ausstellungen folgen. Doch auch Berlin wird Fetting zu eng – er geht nach New York auf der Suche nach neuen Erfahrungen. "New York war damals wirtschaftlich runtergekommen", erinnert er sich. "Und für mich war das ein Kulturschock. Da lagen die Leute, wie man das in Berlin damals gar nicht kannte, auf den Straßen. Die homeless people, die Alkoholiker. Und genau da war auch dieser Club CBGB."

Die New Yorker Club- und Punkszene malt er gegenständlich – im Großformat. "Mit solchen Bildern wurden wir dann ja bekannt", sagt er. "Gerade mit diesen Musik- und Punkbildern. Und es war in der Zeit völlig ungewöhnlich, so eine Thematik zu malen. Das galt nicht als seriös."

In New York begegnet er Desmond: Tänzer, Model, lebenslanger Freund. Desmond ist auch das Modell für Fettings erste Skulptur. Viele weitere folgen – wie etwa Willy Brandt und Helmut Schmidt.

Rainer Fetting auf Schloss Gottorf

Rainer Fetting ist einer der großen deutschen Gegenwartskünstler – und erstaunlich unbekannt: "Ich bin ja nicht so einer der top favorisierten Künstler, die Ausstellungen bekommen wie Gerhard Richter oder Baselitz. Aber so können die Menschen das mal sehen, was ich mache."

Höchste Zeit! Werke eines vollen Künstlerlebens sind auf Schloss Gottorf ausgestellt. Eine längst überfällige Retrospektive.

(Beitrag: Astrid Reinberger)

Ausstellungstipp

Rainer Fetting - Here are the lemons
Retrospektive

19. Mai bis 18. Oktober 2020
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf
Schlossinsel 1
24837 Schleswig

Stand: 17.05.2020 20:58 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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