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"Beute"

Bedroht muslimische Einwanderung die Rechte europäischer Frauen?

PlayAyaan Hirsi Ali hält eine Rede.
"Beute": Das neue Buch von Ayaan Hirsi Ali | Video verfügbar bis 02.05.2022 | Bild: picture alliance / dpa | Ennio Leanza

"Massenmigration" von Muslimen - eine Gefahr für unsere westlichen Werte. Für unseren liberalen Lebensstil, aber vor allem für die Freiheit und die Gleichberechtigung europäischer Frauen. Und wir schauen tatenlos zu. Das behauptet Ayaan Hirsi Ali in ihrem neuem Buch: "Beute – Warum muslimische Einwanderung westliche Frauenrechte bedroht".

"Ich habe den Titel gewählt, weil die Männer, über die ich in dem Buch spreche, Frauen verachten," so Hirsi Ali. "Sie üben sexuelle Gewalt aus, indem sie Frauen obszön hinterherrufen, zischen und unzüchtige Geräusche machen - bis hin zu Gruppenvergewaltigungen und dem 'Vergewaltigungsspiel', dem 'Taharrush'. All diese Männer sehen Frauen als Beute."

Hirsi Ali: "All diese Männer sehen Frauen als Beute"

Ayaan Hirsi Ali ist selbst eine Geflüchtete: Als Kind wurde sie genital verstümmelt, floh aus Somalia vor einer Zwangsehe in die Niederlande. Sie studierte Politik und schrieb das Drehbuch zum Film "Unterwerfung". In dem Film werden Koranverse auf nackte, misshandelte Frauen projiziert - eine radikale Islamkritik. Regisseur Theo van Gogh wurde dafür 2004 ermordet und über Hirsi Ali eine Fatwa verhängt. Seitdem steht sie unter Polizeischutz.

In den Niederlanden machte sie Karriere als rechtsliberale Politikerin. Seit sechzehn Jahren lebt sie in den USA und publiziert gegen den Islam. Sie sei für Einwanderung, sagt sie. Aber sie warnt vor muslimischen Männern, die in der Mehrheit ein radikal anderes Frauenbild hätten. "Diese Männer halten Frauen für Vieh. Sie denken, eine Frau gehört ihnen, man kann sie kaufen und verkaufen, sie hat einen Preis," sagt Hirsi Ali. "Sie selbst aber hat keinen Besitzanspruch auf ihren eigenen Körper, ihr eigenes Leben, ihr eigenes Schicksal."

Hirsi Ali fürchtet: Frauenrechte würden ausgehöhlt

Das Wesen des Islam, des Koran, sei darauf angelegt, Frauen zu unterdrücken. Muslimische Männer lernen Frauenfeindlichkeit von klein auf, schreibt sie. Und die legten sie in Europa nicht ab. Kapitel in ihrem Buch heißen: "Kulturschock", "Die unsicheren Straßen" oder "Das Vergewaltigungsspiel".

Das Buch von Ayaan Hirsi Ali "Beute".
Das neue Buch von Ayaan Hirsi Ali "Beute – Warum muslimische Einwanderung westliche Frauenrechte bedroht". | Bild: Screenshot

Ihr Szenario macht Angst: Schon bald würden überall Parallelgesellschaften entstehen, wie im Brüsseler Stadtteil Molenbeek, wo sich Frauen angeblich nicht mehr – oder nur voll verschleiert auf die Straßen trauen. Frauenrechte würden ausgehöhlt, fürchtet Hirsi Ali. Ihre Thesen untermauert sie mit vielen Statistiken, Fällen sexueller Gewalt und Interviews. Es gehe ihr nicht darum, muslimische Migranten zu dämonisieren, schreibt sie. Es liest sich allerdings so. Sie wolle nur eine Debatte über ein Tabuthema anstoßen.

Eine naive "Willkommenskultur"

"Was die Integration besonders behindert, ist, dass Frauen negativ abgewertet werden, aber nicht nur Frauen, auch Homosexuelle, jüdische Minderheiten und Menschen, die wie ich dem Islam den Rücken kehren," sagt Hirsi Ali. "Ich denke, es ist sehr wichtig für uns, darüber zu sprechen und die Unterschiede in unseren Wertesystemen deutlich zu machen."

In der Flüchtlingsdebatte wirft Ali Politik und Medien falsch verstandene Toleranz vor. Und eine naive "Willkommenskultur". Angela Merkels steht frei: "Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das" führt bei Hirsi Ali direkt zur Silvesternacht 2015 in Köln. Das klingt nach populistischen rechten Tönen. Doch den Vorwurf will sie nicht gelten lassen:

"Als Immigrantin würde ich schon gerne sehen, dass Einwanderer sich etablieren, erfolgreich sind, und sich integrieren. Aber genau deshalb denke ich, dass die bürgerlichen Parteien endlich und ohne Tabus anfangen sollten, Diskussionen zu führen über ernstzunehmende Strategien der Integration, der Einwanderung – und auch über ihre Außenpolitik."

Hirsi Ali schießt über das Ziel hinaus

Heißt für sie: Wer kommt, soll sich westlichen Werten verpflichten. Dass sich viele Geflüchtete anpassen, wie in Brüssel-Molenbeek, erwähnt sie nicht. Sie schreibt: Integrationsprogramme sollen auch Werte und Regeln vermitteln. Allerdings ist das in Deutschland längst Standard. Ihre Lösungsvorschläge grenzen an Menschenrechtsverletzung: das Asylrecht verschärfen. Sofortige Abschiebung für Straftäter, sogar Militäreinsätze in Herkunftsländern. Grenzen dichtmachen.

"Es muss Strafen geben. Unsere westlichen Werte werden durch strengere Strafen nicht verletzt, sondern besser geschützt und sogar gestärkt. Es ist nur eine Frage der Perspektive. Es geht darum, die Richtlinien so zu ändern, dass sie zur heutigen Realität passen." so Hirsi Ali. Mag ja sein, dass der Liberalismus uns manchmal blind macht: Aber Ayaan Hirsi Ali schießt eindeutig über das Ziel hinaus. Ihre Vorschläge torpedieren das westliche Wertesystem, das sie selber so feiert.

(Beitrag: Natascha Geier)

Beute - Warum muslimische Einwanderung westliche Frauenrechte bedroht
Von Ayaan Hirsi Ali
C. Bertelsmann, 2021
ISBN: 978-3-570-10428-6
Preis: 22 Euro

Stand: 02.05.2021 20:43 Uhr

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