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Beeindruckende Emanzipationsgeschichte

Der Spielfilm "HIVE"

PlayEine Gruppe an Frauen sitzen um einen Küchentisch.
Beeindruckende Emanzipationsgeschichte | Video verfügbar bis 28.08.2023 | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alexander Bloom

Während des Kosovo-Krieges wurden 1999 beim Massaker in Krusha die Männer des Ortes ermordet oder verschleppt. Die Frauen mussten in der Familie ihrer toten oder vermissten Männer bleiben, hatten dort oft wenig Rückhalt und durften in der streng patriarchalen Gesellschaft nicht arbeiten. Fahrije ist eine von ihnen, doch sie will sich eine eigene Existenz aufbauen.

Die Regisseurin des Films "Hive", Blerta Basholli, war erst 15, als der Krieg im Kosovo begann. Eine traumatische Erfahrung. "Während des Krieges gab es viele Massaker und ich hatte auch von Krusha gehört, weil es eines der größten war. Das war für mich, für uns alle, sehr schockierend," erzählt Basholli. "Krusha war immer ein Ort, der genannt wird, in dem fast nur Frauen übrig blieben. Viele Männer und Jungen wurden getötet oder waren verschollen - und sie werden heute immer noch vermisst."

Gegen viele Widerstände

Eine Gruppe an Menschen sitzen in einem Klassenzimmer und schreiben einen Test.
Fahrije macht einen Führerschein, für Frauen im Kosovo auch Ende der 90er ein Tabu.  | Bild: Screenshot

Die Witwen unterstützen sich gegenseitig. Doch sie sind sich nicht einig, ob sie Jobs annehmen dürfen, zum Beispiel als Fahrerin. Nur eine Frau traut sich: Fahrije macht einen Führerschein – sie will sich ein eigenständiges Leben aufbauen, Geld verdienen – für Frauen im Kosovo auch Ende der 90er ein Tabu. "Fahrije und den anderen Frauen haben sie gesagt, dass sie als Witwe, ohne Ehemann, zu Hause bleiben und die Schwiegereltern respektieren sollten und sich um die Kinder kümmern. Fahrije hat sich um die Familie gekümmert. Aber sie beschloss, nicht zu Hause zu bleiben, weil sie sonst verrückt geworden wäre," erklärt die Regisseurin.

Gegen viele Widerstände gründet sie eine Genossenschaft, in der Frauen Ajvar, eine Gemüse-Paste, herstellen und verkaufen. Ihr Ehrgeiz und ihre Stärke – für die wenigen verbliebenen Männer im Dorf eine Provokation. Inzwischen ist sie eine erfolgreiche Unternehmerin und hofft noch immer, dass ihr Mann wieder auftaucht.

Keine Geschichte mit Happy End

Die Regisseurin Blerta Basholli spricht in die Kamera.
Die Regisseurin des Films, Blerta Basholli, war erst 15, als der Krieg im Kosovo begann. | Bild: Screenshot

Der Film schildert eindrucksvoll, was auch im richtigen Leben der Fahrije Hoti passiert ist. Allein macht sie sich an die Arbeit. Immer wieder muss sie Gewalt erleiden – auch von Menschen, denen sie vertraut. "Wir haben versucht, im Film zu zeigen, was ihr alles passiert ist. Ganz sicher eine Menge Vorurteile, viel Klatsch, viel Druck von allen Seiten. Man hat ihr sogar den Kiefer gebrochen," sagt Basholli.

Am Ende helfen alle mit. Die echte Fahrije hat inzwischen einhundert Angestellte, aber eine Geschichte mit Happy End ist es trotzdem nicht – zu groß sind die Wunden des Krieges. "Als wir die Szenen gedreht haben, hat die ganze Crew geweint, weil jeder sich an das erinnert hat, was er im Krieg durchgemacht hat," so Basholli. "Es hat uns geholfen, an diese schmerzhaften Erinnerungen heranzukommen, zu verstehen, wie wir uns damals gefühlt haben – ein bisschen Heilung für uns alle. Vollständig geheilt, sind wir sicher nicht. Jahrelang wurde nicht genug darüber gesprochen, was während und vor dem Krieg passiert ist."

Schmerz und Ungewissheit

"Hive" ist ein Film, der betroffen macht, gerade jetzt, wo wieder ein Krieg in Europa stattfindet. Für Fahrije bleiben der Schmerz und die Ungewissheit ein Leben lang – aber sie hat das Beste aus ihrem Schicksal gemacht. Der beeindruckende Film wurde u. a. mit dem Großen Preis der Jury beim Sundance Filmfestival ausgezeichnet und kommt am 8. September in die Kinos.

"HIVE"
von Blerta Basholli
Ab 8. September in den Kinos

(Beitrag: Barbara Block)

Stand: 29.08.2022 10:25 Uhr

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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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