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"Ich habe geliefert"

Iris Berben zum 70. Geburtstag

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"Ich habe geliefert" - Iris Berben zum 70. Geburtstag | Video verfügbar bis 09.08.2021 | Bild: NDR

Attraktiv, engagiert, vielfach geehrt: Iris Berben ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Frauen in der deutschen Film- und Fernsehbranche. Sie spielte in legendären Serien wie "Die himmlischen Schwestern", "Sketch-Up", "Rosa Roth" sowie zahlreiche Kino- und Fernsehfilme. Sie ist eine öffentliche Figur, engagiert sich politisch, mischt sich ein, war Präsidentin der deutschen Filmakademie. Und sie gilt noch immer als eine der attraktivsten Frauen, auch wenn sie manchmal bewusst gegen dieses Image angespielt hat.

Iris Berben in "Mein Altweibersommer"

Am 12. August wird Iris Berben 70 Jahre alt. Im Ersten gibt es aus diesem Anlass den Fernsehfilm "Mein Altweibersommer" (12. August um 20.15 Uhr). Iris Berben spielt eine Frau, der es im Leben an nichts mangelt. Doch etwas brennt in ihr, sie will mehr, will nochmal staunen über sich selbst, schließt sich einem Wanderzirkus an. Ein Stoff wie geschaffen für Iris Berben. "Es gibt Momente, da kennt man sich selbst nicht mehr. Da zieht etwas Neues, etwas Wildes, das dir zuruft: Du lebst!", sagt sie in "Mein Altweibersommer".

"Ich seh‘ natürlich eine Menge Parallelen und ein Satz wie, dass man das Gefühl hat, man ist immer auf dem Sprung – den würde ich gern auch für mich nehmen", sagt die Privatperson Berben. "Ich denke schon, dass ich das Leben so wahrnehme oder wahrnehmen möchte und vor allen Dingen: Ich will das alles mitnehmen!"

Wollte nie in eine Schublade: Iris Berben

Die Schöne und Starke – ihr Image bedient sie schon auch gern. Sie ist bekannt als Expertin für ewige Jugend. Und als politisch denkende Diva. Und doch: Das "Supergirl" der Sechziger wird siebzig. "Ich glaube, ich hab mich ganz gut aus der Gefahrenzone gebracht, in einer Schublade zu landen, die nur die Etikettierung Attraktivität hätte. Ich hab' wirklich von Anfang an versucht dagegen zu spielen", sagt sie.

In "Brandstifter" verteilt sie - frisch vom katholischen Internat geflogen - 1967 noch Blumen in Hamburg. Es ist einer ihrer ersten Filme, der den Zeitgeist der Revolte, des Aufbruchs spiegelt. Iris Berben spielt eine junge Frau, die auf ihre zupackende Art das verquasselte APO-Milieu aufmischt.

In der ARD-Serie "Sketch-Up" beweist Berben Mitte der Achtziger ihr Talent fürs Komische. Grandioser Klamauk – für ihre Karriere nicht ohne Tücken. "Es war natürlich auch nach Sketchup diese Gefahr wieder da: Ist nur komisch. Und dann habe ich ziemlich viel Gas gegeben, beweisen zu wollen, dass das Andere auch möglich sein könnte", sagt sie. Das Andere: unabhängige, starke Frauenfiguren. Wie die Industriellengattin Bertha Krupp in "Krupp – Eine deutsche Familie" von 2009.

Iris Berben mischt sich öffentlich ein

Vergangenheit und Gegenwart treiben sie um. Iris Berben engagiert sich, "zeigt Gesicht" gegen das Vergessen, für ein weltoffenes Land. Dafür gibt’s ein weiteres Etikett von den Medien: "Deutschlands schönes Gewissen". Sie liest aus Hitlers Tischreden, auch weil sie ahnt, dass viele davon heute nichts mehr hören wollen. Die vielen Ehrungen – wie zum Beispiel der Leo-Baeck-Preis – gelten einer Frau, die sich öffentlich einmischt.

Auch sie hat es kalt erwischt, dass das weltoffene Land so unter Druck geraten ist: von Rechtspopulisten, altem und neuem Ungeist: "Wir haben uns viele Jahre lang in Sicherheit gewogen. Ich nehme mich da nicht aus. Ich hätte nie gedacht, dass man Demokratie nochmal so verteidigen müsste. Dass Demokratie auch bedeutet, sich einzubringen, jeder einzelne. Dass das die Arbeit ist, die wir leisten müssen. Und man wird vielleicht auch ein bisschen faul und nachlässig. Und bequem. Da haben wir alle gerade einen fetten Dämpfer gekriegt."

Von Wehmut und Aufbruch

Rückzugsort und zweites Zuhause ist seit langem Portugal. Ja, sie wird siebzig. Die Zahl: Egal, sagt sie. Und sucht ein Wort für das, was ist und was kommen mag: "Wehmut, manchmal. Sehnsucht ist ein schönes Wort. Die Portugiesen nennen es Saudade. Im Deutschen muss man Sehnsucht immer benennen können, die Portugiesen tun das nicht. Es ist eher diese portugiesische Sehnsucht: Sie nicht benennen können, aber, ja: Sehnsucht, dieses Leben in irgendeiner Weise nochmal anders zu spüren."

Der Aufbruch ins Ungewisse, immer wieder: auch im ARD-Film zum 70, in dem sie sagt: "Es bleibt die Zeit sich zu fragen, was man will und braucht. Bis zur letzten Minute, die jeden Tag gerade begonnen haben könnte."

(Beitrag: Andreas Lueg)

Stand: 12.08.2020 09:15 Uhr

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