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"Jung, besorgt, abhängig"

Die junge Generation und die Wahl

PlayRonja Ebeling schaut in die Kamera.
"Jung, besorgt, abhängig" – Die junge Generation und die Wahl | Video verfügbar bis 26.09.2022 | Bild: NDR/Screenshot

Nur gut 6 Millionen Wahlberechtigte sind zwischen 18 und 24. Damit ist diese Generation zahlenmäßig für die Politik uninteressant. Bei CDU und SPD liegt das Durchschnittsalter der Parlamentarier bei 60 Jahren. Bei den Grünen bei 48. Nur 2,3 Prozent der Abgeordneten des deutschen Bundestages sind unter 30. Ronja Ebeling ist Journalistin und 25 Jahre alt. Sie kritisiert: Kaum Investitionen in die Zukunft und immer mehr Schulden für ihre Generation. Darüber hat sie ein Buch geschrieben: "Jung, (un)besorgt, (un)abhängig".

Eine Generation in der Krise

"Ich glaube unsere Gesellschaft ist jetzt an einem Punkt angekommen, in dem die ältere Generation der jüngeren Generation den Staffelstab übergeben muss, und wir alle gemeinsam gucken müssen, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen," so Ebeling. "Und für uns Jüngere ist das ein doofes Gefühl, wenn die ältere Generation uns so ein bisschen vermittelt: 'Nee, wir wollen der jüngeren Generation diesen Staffelstab im Prinzip gar nicht geben'."

In Deutschland sind rund 38% der Wahlberechtigten über 60. Nur 14% sind unter 30. Auch ein Grund, warum zukunftsgerichtete Politik fehlt. Erst recht beim Klima. Am Freitag vor der Bundestagswahl 2021 waren Menschen in 400 Städten auf der Straße. Das Motto "Alles fürs Klima". "Dass wir die Kurve nicht mehr kriegen. Sondern dass die Politik weiter da steht nicht den Dialog sucht, nur Politik macht, um Macht zu erhalten, davor habe ich unglaubliche Sorgen," so Annika Rittmann, Pressesprecherin von Fridays for Future. "Weil dann werden wir die großen Krisen nicht angehen, die Klimakrise nicht und die sozialen Probleme nicht. Und dann wird sich nichts ändern für unsere Generation und wir werden darunter leiden."

Veränderung in der Politik geht nur gemeinsam

Cover des Buches "Wir haben (k)eine Wahl".
Franziska Heinisch fordert ihrem Buch "Wir haben (k)eine Wahl" Veränderung und Gerechtigkeit. | Bild: NDR/Blessing

Eine Generation in der Krise sieht auch Ronja Ebeling: Beispiel Rente. Immer weniger Junge zahlen für immer mehr Alte, für sie selbst bleibt zu wenig. "Wenn wir das Thema Generationsvertrag ansprechen und dann auf die Rente blicken, dann halten wir das nicht ein," sagt Ebeling. "Es ist ja aktuell so, dass absehbar ist, genauso wie die Klimakrise, dass wir in eine Katastrophe hineinschlittern. Wenn wir nicht wollen, dass ab 2045 mehr als die Hälfte des Bundeshaushalts für die Rente draufgeht bzw. für die Stabilisierung sorgt, dann müssen wir was ändern."

Die politische Aktivistin Franziska Heinisch, 21, ist zweifache Buchautorin, studiert Jura und war Sprecherin des Jugendrates der Generationen Stiftung. In ihrem Buch "Wir haben (k)eine Wahl" fordert sie Veränderung und Gerechtigkeit. Sie plädiert für den sozialen Umbruch. "Insofern gilt es entsprechend Druck auf Politiker*Innen aller Generationen auszuüben," sagt sie. "Die poltische Veränderung, die wir benötigen, eben nicht nur auf den Schultern der jungen Generation zu belassen. [...] Krisen lösen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe." Die Veränderung in der Politik geht also nur gemeinsam – nur müssen diejenigen, die demografisch so viel weniger Gewicht haben, mehr gehört werden. Oder an das Ruder gelassen werden

Jung, (un)besorgt, (un)abhängig
Von Ronja Ebeling
Eden Books, 2021
ISBN: 978-3-95910-334-3
Preis: 16 Euro

Wir haben (k)eine Wahl
Von Franziska Heinisch
Penguin Random House, 2021
ISBN: 978-3-89667-711-2
Preis: 14 Euro

Stand: 26.09.2021 20:19 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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