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Die Rettung des Analogen

Dokumentarfilm "An Impossible Project"

PlayFlorian Kaps hält ein Schild hoch, auf dem "Impossible" steht.
Dokumentarfilm "An Impossible Project" | Video verfügbar bis 09.01.2023 | Bild: picture alliance / Everett Collection

Urlaub vor 20 Jahren: Für die Urlaubsfotos nahm man damals seinen klassischen Fotoapparat, guckte durch den Sucher, drückte ab. War der Film voll, ließ man ihn entwickeln und sah dann erst nach einigen Tagen, was man da eigentlich alles für Fotos geschossen hatte. Heutzutage zückt man sein Handy, knipst alles und jeden. Wahllos, beliebig, digital. Unsere Welt ist digital geworden. Und während 2007 die Welt das erste Iphone feiert, geht dieser Mann, Florian Kaps, genannt Doc, in die genau entgegengesetzte Richtung. Das Analoge retten, die letzte Polaroid-Fabrik wieder in Betrieb nehmen.

"Die Hauptschwierigkeiten haben sicher darin bestanden, dass es zugegebenermaßen völlig unmöglich war, dieses Werk wieder in Gang zu bringen. Drum heißt das Ganze ja auch 'Impossible Project'," erzählt Florian Kaps. "Noch dazu hab ich persönlich nicht die geringste Ahnung, wie man Sofortbildfilm produziert und wie komplex das ist, im Nachhinein gesehen war das ein riesen Segen, weil sonst hätten wir das niemals gemacht."

Das Analoge retten

Mitarbeiter von "Impossible" arbeiten an der Neuentwicklung von Polaroids.
Zehn ehemalige Mitarbeiter helfen die Fabrik zum Laufen zu bringen. | Bild: Screenshot

Er riskiert sein komplettes Vermögen, darf den Namen Polaroid nicht nutzen. Sie nennen die Firma "Impossible". Zehn ehemalige Mitarbeiter helfen die Fabrik zum Laufen zu bringen. Aber die aufwändigen Chemikalien können nicht mehr hergestellt werden und mit der eigenen Rezeptur zerfließen die Bilder. Anfangs hat dieses "Impossible Project" ein schier unlösbares Problem. Regisseur Jens Meurer hat es jahrelang begleitet.

"Mich hat vor allen Dingen beeindruckt, dass da jemand war, der auch mit viel Mühe und mit viel Leid sich einfach in eine andere Richtung drehte," so Dokumentarfilmer Jens Meurer. "Er war damals schon jemand, der gesagt hat: 'Mensch, irgendwann werden wir dieses analoge, diese Dinge, die haptisch sind, die authentisch sind, die Werte haben, die werden wir noch einmal brauchen. Und dafür kämpfe ich.'"

Ein unlösbares Problem

Doc findet ein junges Team, schließlich sogar einen Investor und das Start-Up zieht nach Berlin. Die analoge Idee – plötzlich ein Erfolgsmodell: "Der Mensch funktioniert einfach mal mit seinen fünf Sinnen. Das heißt, es braucht das Analoge für die entscheidendsten Sachen im Leben wie sich zu verlieben, wie jemanden zu vertrauen," so Kaps. "Es braucht auch fünf Sinne, um uns vor Sachen zu warnen. Und deswegen kann eine Welt und kann auch jede Diskussion über die Zukunft dieser Welt eigentlich nur in der Realität funktionieren. Und da hat halt das Digitale seine Grenzen."

Impossible Project ist kein Plädoyer für die Ausschließlichkeit des Analogen. Das Beste aus zwei Welten vereinen, darum geht es Florian Kaps. Für die Familie trotzdem nicht immer einfach. "Bei uns ist das so ein bisschen ein nostalgisches Gefühl, wie wir begonnen haben. Das war ein bisschen romantisch. Etwas am Leben erhalten, dass wir aus der Kindheit kannten," sagt Kaps. "Unsere Kunden sind zwischen 18 und 25 Jahre alt und die fragen jetzt noch: 'Wow, wie funktioniert dieses Bild, das sich da entwickelt? Ist das Wireless? Bluetooth gesteuert?' Und dann sage ich: 'Nein, es ist chemikalisch.' Und dann sagen die 'Wow, das ist chemikalisch, das klingt wie Science Fiction!' Dabei ist das eine Technologie aus den 40er und 50er Jahren."

"Natürlich ist es eine Riesenenttäuschung"

Jens Meurer spricht in die Kamera.
Regisseur Jens Meurer hat das Projekt "Impossible" jahrelang begleitet. | Bild: Screenshot

Für die Älteren vielleicht retro, für die Jungen total innovativ. Der vorläufige Höhepunkt: Eine Reunion von Impossible und der Marke Polaroid. Doch es gibt unterschiedliche Ansichten und Interessen, man trennt sich. Am Ende wird Doc nicht einmal zur großen Erfolgs-Party in New York eingeladen, man hat ihn zu Hause in Wien einfach vergessen.

"Natürlich ist es eine Riesenenttäuschung. Wir haben das über viele, viele Jahre mit all unserem Einsatz und auf Kosten meiner Familie und Freunde und mit allem Geld, das wir jemals hatten und auch mit dem Geld, das wir nicht hatten, aufgebaut," erzählt Kaps. "Und dann ist es natürlich schmerzhaft, wenn man dann plötzlich sagt: 'Okay, ab jetzt gehe ich alleine.'"

Ein Film über einen Underdog

Aber Doc hat immer neue Projektideen. Wie die Wiederbelebung eines Grand Hotels, das seit den 70ern leer steht. Für ihn einer der analogesten Orte, den er je gesehen hat. Der Film feiert einen visionären Underdog und seine Liebe zum Analogen. Nicht als Retro-Trend. Sondern als bewusste Entscheidung. Gedreht von Jens Meurer. Natürlich in analog.

Der Film "An Impossible Project" porträtiert den Österreicher Florian "Doc" Kaps, der 2008 sein gesamtes Vermögen riskierte, um die letzte Polaroid-Firma der Welt vor der Schließung zu retten: ein eben unmögliches Projekt. Gedreht auf 35mm feiert der Dokumentarfilm das Analoge und seine Sinnlichkeit in einer Welt, in der das Digitale nur unseren Seh- und Hörsinn anspricht. ttt spricht darüber mit dem Regisseur Jens Meurer und dem Protagonisten des Films, Florian Kaps.

(Beitrag: Gesa Berg)

An Impossible Project
Von Jens Meurer
Kinostart: 20. Januar 2022

Stand: 09.01.2022 19:57 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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