SENDETERMIN So., 22.08.21 | 23:05 Uhr | Das Erste

Was Männer nie gefragt werden

Fränzi Kühnes originelles Buch zur Gleichberechtigung

PlayBuchcover von "Was Männer nie gefragt werden".
Was Männer nie gefragt werden  | Video verfügbar bis 22.08.2022 | Bild: NDR

Wie bringen Sie Familie und Karriere unter einen Hut? Was ziehen Sie zur nächsten Sitzung an? Wie setzen Sie sich in den Männerrunden durch? – Mit solchen Fragen wurde Fränzi Kühne als Unternehmerin und Aufsichtsrätin häufig konfrontiert. Lauter Fragen, die man ihren männlichen Kollegen in Interviews so nicht stellen würde.

"Was ist eigentlich ihr Trick, Frau Kühne, wie setzen Sie sich in den Männerrunden durch? Wo ist Ihre Tochter gerade? Wer passt denn auf ihre Kinder gerade auf? All solche Fragen waren’s. Ich finde, die Fragen an sich sind auch nicht das Problem. Ich finde, die Diskriminierung ist die ungleiche Verteilung," erzählt Fränzi Kühne. "Also dass Männer solche Fragen nicht gefragt werden, ist eigentlich das Problem. Und Fragen zu so Äußerlichkeiten, das kann man sich sparen."

Fränzi Kühne dreht den Spieß um

Mit 25 gründet sie gemeinsam mit Freund*innen die erste Social Media Agentur Deutschlands. Mit nur 34 wird sie Aufsichtsrätin bei Freenet - als jüngste Frau überhaupt in einem Aufsichtsrat. Und trotzdem: Immer wieder solche Fragen! In ihrem Buch "Was Männer nie gefragt werden" dreht sie den Spieß um, interviewt (erfolgreiche) Manager, Politiker, Musiker zu Aussehen oder Familie.

Fränzi Kühne schaut in die Kamera.
Kühne dreht in ihrem Buch "Was Männer nie gefragt werden" den Spieß um. | Bild: NDR/Screenshot

"Also die Männer kannten die Fragen vorher nicht. Das war tatsächlich dann in dem Gespräch die Fragen, die kannten aber natürlich alle das Konzept, dass das Fragen sind, die mir gestellt worden sind," so Kühne. "Aber manche Männer haben das im Laufe der Fragen vergessen, dass das nicht Fragen sind, die ich mir ausgedacht habe und sie damit irgendwie provozieren möchte."

Insgesamt hat sie 22 Männer interviewt, darunter Gregor Gysi, Heiko Maas, Bosse oder Helmut Thoma. Die haben in den Interviews durchaus erkannt, wie sehr wir noch feststecken im alten Rollendenken. Doch was ist, wenn es darum geht, eigene Privilegien aufzugeben?

22 Männer hat Kühne interviewt

"Alle sagen, ja klar, Gleichberechtigung muss sein und Chancengleichheit muss sein. Aber wenn es letztendlich dann darum geht, wirklich was zu verändern und im besten Fall natürlich Macht abzugeben und da Platz zu machen und den Weg zu ebnen für Frauen, ist es dann doch sehr einfach in dieser Komfortzone zu bleiben und nicht Frauen an so eine Stelle zu bringen beziehungsweise, da dann den Weg zu ebnen," sagt Kühne.

Einen Anfang hat die Bundesregierung gemacht und kürzlich ein zweites Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft verabschiedet. Aber die Zeit der "reinen Männerclubs" ist trotz Quoten noch lange nicht vorbei.

Es gibt noch viel zu tun

"Wenn wir in dem Tempo weitermachen, wie wir da gerade voranschreiten, sind es noch 100 Jahre bis eine annähernde Gleichberechtigung da ist," so die Unternehmerin. "Und deswegen erhoffe ich mir von der Quote in den Vorständen einfach, dass sich die Geschwindigkeit erhöht, ehe sich was verändert. Und wir wissen 30 Prozent ändern eigentlich erst was, wenn im Team 30 Prozent von irgendetwas da sind, also eine Frau im Vorstand zu haben, ist jetzt noch nicht die große Kunst. Also, das ist leider immer noch zu wenig."

Ihr Buch zeigt uns originell und auch humorvoll: Wir sind noch lange nicht am Ziel in Sachen Gleichberechtigung. Erst wenn neue Strukturen geschaffen werden und das Klischeedenken endlich aufhört, könnte es gelingen.

(Beitrag: Barbara Block)

Was Männer nie gefragt werden
Von Fränzi Kühne
Fischer Verlag, 2021
ISBN: 978-3-596-70582-5
Preis: 14 Euro

Stand: 22.08.2021 18:38 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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