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Von wegen Gleichberechtigung!

Frauen im Kunstmarkt

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Von wegen Gleichberechtigung!  | Bild: Städtische Galerie Wolfsburg

Vergangenes Wochenende in Berlin: Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie feiert sich die Kunstwelt feiert selbst – mit Galerie-Rundgängen und Kunstmesse. Verdient haben werden, wie so oft die Männer. Im letzten Jahr waren auf dem Gallery Weekend nur knapp 30 Prozent Künstlerinnen vertreten. Dabei werden auf den Kunstmessen der Welt jedes Jahr Millionen umgesetzt.

Die Künstlerin Angela Bulloch kennt das Geschäft: "Messen machen nun mal dich und dein Werk bekannt. Es kommen viele Museumsleute und Kunstkritiker*innen. Es ist der Ort, um sich zu präsentieren.

Art Cologne 2019: Nur ein Drittel Frauen

Dieses Jahr hat das Gallery Weekend ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis gehabt. Angela Bulloch ist seit Jahren mit ihren Installationen erfolgreich und Professorin an der Hamburger Kunsthochschule. Sie ist auf Messen vertreten. Aber 2019 wurden auf der renommierten Art Cologne zum Beispiel drei Viertel Künstler ausgestellt und nur ein Viertel Künstlerinnen. Die Art Cologne sagt, dass die Galerien entscheiden, wen sie auf der Messe zeigen. 

Angela Bulloch
Angela Bulloch | Bild: NDR

"Ich habe gestern mal nachgezählt", sagt Bulloch. "Meine Galeristin vertritt 43 Künstler*innen. Nur acht davon sind Frauen. Wir haben kürzlich darüber gesprochen. Sie ist mit einer anderen Galerie zusammen gegangen. Dort gab es nur Männer. Seitdem gibt es kein Gleichgewicht mehr."

Mehr als die Hälfte der Kunststudierenden sind Frauen

Die einfachste Erklärung wäre: Es gibt nun mal mehr Künstler, und von denen schaffen es auch mehr an die Spitze des weltweit vernetzten Kunstmarkts. Das stimmt aber für die Bundesrepublik nicht. 1987 studierten an den Kunsthochschulen erstmals 50 Prozent Frauen. Inzwischen sind es 57 Prozent.

Trotz mehr Kunststudentinnen kassieren die Männer mehr. Im Jahr 2018 verdienten zum Beispiel Berliner Künstlerinnen ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen. Wie kommt es dazu?

Formel für den Wert von Kunst

Am Anfang der Wertschöpfungskette stehen Galerist*innen – wie Vera Munro. Sie entdecken neue Künstler*innen und setzen die Preise fest. Und für die gibt es tatsächlich eine Formel: Breite plus Höhe des Kunstwerks mal den Faktor der Künstler*in. Doch wie bestimmt Vera Munro diesen Faktor?

Vera Munro
Vera Munro | Bild: NDR

"Wenn jemand direkt von der Hochschule kommt, fängt er niedrig an", erklärt die Galeristin. "Die Preise steigen ganz langsam mit den Museumsausstellungen, mit den Ausstellungsbeteiligungen wie zum Beispiel der Documenta etcetera. Ich bewerte sie haargenau so wie die Männer. Nur wenn sie natürlich dreimal auf der Documenta waren, in 20 Museen ausgestellt waren, dann sind die Preise hoch. Die machen wir ja nicht. Das ist der Kunstmarkt."

Zeit für eine Quote in der Kunstwelt?

Einzelausstellungen sind dabei besonders wichtig, um den Faktor – und damit die Preise zu steigern. ttt hat die Einzelausstellungen von 16 großen Museen und Kunsthäusern in Deutschland in den letzten 20 Jahren durchforstet. Ergebnis: Knapp 80 Prozent der Einzelausstellungen waren von Künstlern. Nur 20 Prozent von Künstlerinnen. 

"Wenn ich mir die Zahlen dazu genau angucke, ist das sehr entmutigend", sagt Bulloch. "Ich versuche nicht daran zu denken. Das ist natürlich ein Selbstschutz. Ich nehme den Unterschied natürlich wahr. Aber ich zähle nicht ständig: hier die Frauen und dort die Männer. Sonst hätte ich andauernd schlechte Laune." Höchste Zeit für eine Quote in der Kunstwelt? Zumindest für Ausstellungen in staatlichen Museen? Angela Bulloch fände das gut.

TV-Beitrag: Kira Gantner und Simone Horst

Stand: 20.09.2020 19:34 Uhr

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