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Der Untergang der "Kursk"

PlayDas russische Atom-U-Boot "Kursk" mit 118 toten Matrosen an Bord taucht am 2001 im Dock des Marinehafens Rosljakowo auf.
Der Untergang der "Kursk" | Video verfügbar bis 07.07.2020 | Bild: dpa/Tass

Genau vor 20 Jahren, 1999, besuchte die damals 28-jährige Olga Kolesnikowa bei einem "Tag der Offenen Tür" das russische U-Boot "Kursk". Ihr Mann Dmitrij gehörte zur Besatzung der "Kursk" und hatte seine junge Frau eingeladen, sich das U-Boot mit ihm anzuschauen. Die privaten Videoaufnahmen zeigen ein lächelndes Paar, das durch die Gänge des 150 Meter langen Atom-U-Bootes läuft und in die Kamera winkt. Ein Jahr später, im August 2000, sank die Kursk, alle 118 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben – darunter auch Dmitrij Kolesnikow.

Die "Kursk" war das Neueste und Modernste, was die russische Marine damals aufzubieten hatte – eine Milliarde Dollar teuer und vor wenigen Jahren erst vom Stapel gelaufen. Bei dem Manöver im August 2000 explodierte in der "Kursk" ein Torpedo, riss ein riesiges Loch in die Außenwand des Bugs, und die "Kursk" sank. 118 Männer an Bord kamen ums Leben. Aber 23 von ihnen überlebten die Katastrophe zunächst – sie konnten sich in Sektor 9 des riesigen U-Bootes in Sicherheit bringen. Darunter auch Dmitrij Kolesnikow. Es begann ein Wettlauf mit der Zeit um die Rettung der Männer, aber die russische Regierung und Militärführung wollten sich vor den Augen der Welt keine Blöße geben, nicht allein in der Lage zu sein, ihre Männer zu retten.

Verfilmung der U-Boot-Tragödie

So verzögerte sich die vom Ausland angebotene Hilfe. Nach drei Tagen endlich durfte eine britisch-norwegische Bergungsmission zur "Kursk" hinabtauchen und andocken. Es war zu spät, auch die 23 Männer waren tot. Der renommierte dänische Regisseur Thomas Vinterberg ("Das Fest") hat diese Tragödie jetzt in einer internationalen Koproduktion verfilmt.

Dieser Film erzählt die Tragödie der "Kursk" entlang der Realitäten. Am 12. August 2000 gehen 118 Mann an Bord der "Kursk", unter ihnen auch ein junger Offizier. Seine Geschichte und die seiner Frau stehen im Mittelpunkt des Films. Oleg Kolesnikow hieß dieser junge Offizier. Und dies sind seine privaten Videoaufnahmen, die er 1999 machte, als die "Kursk" gerade in ihrem Heimathafen lag. Seine 28jährige Frau Olga hatte er eingeladen, sich an einem "Tag der Offenen Tür" das U-Boot von innen anzuschauen. Ein Jahr später sank die "Kursk".

19 Jahre nach dem Untergang der "Kursk"

Olga Kolesnikowa
Olga Kolesnikowa, Witwe | Bild: Das Erste

Olga Kolesnikowa lebt heute in St. Petersburg. 19 Jahre liegt die Tragödie zurück – sie findet es gut, dass es diesen Film jetzt gibt. Und zugleich ist die Trauer um ihren Mann zum ständigen Begleiter in ihrem Leben geworden. "Ich weiß nicht, wie ich das überlebt habe. Der Schmerz in mir geht nicht weg. Die Zeit heilt ihn nicht, sie bringt nur eine gewisse Beruhigung. Der Schmerz ist jetzt nicht mehr so grausam, sondern nur noch still", erzählt Olga Kolesnikowa.

Thomas Vinterberg führt Regie

Nun erzählt Thomas Vinterberg diese Geschichte detailgenau: Im Sommer 2000 hält die russische Marine zum ersten Mal nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein großes Manöver ab. "Die Kursk" ist das modernste und teuerste Atom-U-Boot, über das Russland verfügt. Es gibt nicht viel zu dieser Zeit, worauf Russland stolz ist – die "Kursk" gehört dazu. Kurz nach Manöverbeginn explodiert an Bord der "Kursk" ein Torpedo und reißt ein riesiges Loch in das U-Boot. Die "Kursk" sinkt. Der Regisseur Thomas Vinterberg kannte die "Kursk"-Tragödie nur sehr oberflächlich. Aber eine Sache, die ihn nicht losgelassen hat, war das Klopfen der Überlebenden an die Bordwand des U-Bootes. Dieser Schrei nach Hilfe.

Thomas Vinterberg
Thomas Vinterberg, Regisseur | Bild: Das Erste

Der Film folgt auch dem Schicksal von Olga Kolesnikowa, die drei ewige Tage hofft, ihren Mann lebend wiederzubekommen und die wissen will, was los ist. "Es wurde unglaublich viel gelogen! Sie erzählten uns, dass die Retter auf russischer Seite bestens ausgerüstet und bereit sind, die Rettungsarbeiten durchzuführen. Lauter solche Sachen...", erzählt Olga Kolesnikowa.

Rettungsversuche der russischen Marine

Tatsächlich aber verfügte die russische Marine über ein einziges Rettungs-U-Boot – es war schrottreif. Der Untergang der "Kursk" war nur ein Teil des Dramas. Dass es der russischen Marine dann aber nicht gelang, ihre eigenen Leute aus einer Tiefe von nur 108 Metern zu holen, war der andere und noch viel tragischere Teil der Geschichte. Das Rettungs-U-Boot konnte nicht an die "Kursk" andocken.  Die russische Führung versucht vergeblich, ihre Leute ohne fremde Hilfe rauszuholen. Erst nach Tagen erlaubt man eine westliche Rettungsmission. Aber es ist zu spät. Die "Kursk"-Tragödie wurde zum traurigen Symbol für den damaligen Zustand Russlands: Ein riesiges Land, das vor der Weltgemeinschaft mit leeren Händen dastand und um sein Ansehen kämpfte. Vinterbergs Verdienst ist es, dass er diese Geschichte nicht denunziatorisch erzählt, sondern er versucht, die Verhältnisse zu verstehen. "Welche Figuren es auch immer in diesem Film gibt: Ich möchte sie verteidigen. Auch wenn sie falsche Entscheidungen treffen. Wie zum Beispiel dieser Admiral Petrenko, der die westliche Hilfe zuerst ablehnt. Aber ich gestehe auch ihm zu, in meinem Film eine Figur zu sein, für die ich einstehe", so der Regisseur Vinterbeg.

Die Tragödie erzählt als Drama

Dmitria und Olga Kolesnikowa
Dmitria und Olga Kolesnikowa | Bild: Das Erste

Vinterberg erliegt nicht der naheliegenden Versuchung, diese Geschichte als Action-Film zu erzählen. Sondern er erzählt sie als Drama – in all der Härte und Trostlosigkeit, wie sie sich ereignete. "Dmitrijs Körper ist verbrannt gewesen. Nur seine Beine nicht – weil sie im Wasser lagen. Dass der Brief, den er kurz vor seinem Tod an mich schrieb, nicht verbrannt ist, ist für mich ein Wunder“, erzählt Olga Kolesnikowa. Olga Kolesnikowa hat später wieder geheiratet. Sie brachte ein Mädchen zur Welt, das heute 15 Jahre alt ist. Sie hat sie Dmitria genannt – nach ihrem verstorbenen Mann. Dmitria macht beim Sommerkurs einer Kunstschule mit: Dort hat sie gerade ein Bild gemalt: Das U-Boot K-141. Die "Kursk".

Autor: Ulf Kalkreuth

Stand: 08.07.2019 15:15 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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