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Der Erfinder, der keiner war: Leonardo Da Vinci

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Der Erfinder, der keiner war: Leonardo Da Vinci | Video verfügbar bis 17.03.2020 | Bild: Das Erste

2019 feiert Europa den 500. Todestag von Leonardo Da Vinci. Wer wird da eigentlich gefeiert? Ein Maler, Bildhauer, Architekt, Ingenieur, Philosoph, Naturwissenschaftler, Erfinder. Kurzum: ein Meister aller Klassen, ein Superman, ein Universalgenie. War er das wirklich? Der Wissenschafts-Bestsellerautor Matthias Eckoldt geht in seinem gerade erschienen Buch "Leonardos Erbe" den vermeintlichen Erfindungen von Da Vinci nicht auf dem Leim, sondern auf den Grund. Fast könnte man meinen, er stürzt einen Heiligen vom Sockel, aber er klärt nur ein paar Trugbilder und Missverständnisse auf. Da Vinci nicht als Ikone, sondern so wie er war.

Da Vinci – ein Alleskönner?

Buchautor Matthias Eckoldt
Buchautor Matthias Eckoldt | Bild: Das Erste

Vinci in der Toskana – der Geburtsort eines Genies, eines Universal-Genies. Leonardo da Vinci war nicht nur Maler, Bildhauer, Architekt, sondern auch Philosoph, Wissenschaftler, Ingenieur – kurzum ein Alleskönner. Etwa 80 Erfindungen werden ihm zugeschrieben – vom U-Boot bis zu diversen Fluggeräten. Hat er das wirklich erfunden? Nein, behauptet Buchautor Matthias Eckoldt: "Es gibt hartnäckig die Legende, dass Leonardo tatsächlich ein Fluggerät selbst gebaut hat und dass ein Mitarbeiter von ihm dieses Gerät ausprobiert hat. Im deutschen Wikipedia steht, dass er sich dabei Rippen und Bein brach. Im englischen Wikipedia steht, dass er erst 1000 Kilometer geflogen ist und sich erst dann Rippen und Bein brach. Und dass Leonardo das in seinem Kodex 'Vogelflug' aufgezeichnet hat. Ich habe den Kodex gelesen. Da steht überhaupt nichts davon drin, weder von einem Fluginstrument, dass er gebaut, noch von einem Flugversuch, noch von Rippen- oder Beinbrüchen."

Da Vinci bewirbt sich am Hof von Ludovico Sforza

In Florenz wird die Werkstatt von Verrocchio, dem Hofmaler der Medici, zu Leonardos Meisterschule. Wie kein anderer beherrscht er das perspektivische Zeichnen. Alles, was er sieht, in seiner Umwelt oder in Büchern, skizziert er in seine Notizhefte. Als freischaffender Künstler findet er kein Auskommen und bewirbt sich mit 25 Jahren in Mailand am Hof von Ludovico Sforza als Spezialist für Kriegsgeräte. "Alle Geräte die er versprochen hat, sind entweder nicht durchführbar, komplett unpraktisch oder taugen tatsächlich nichts. Wenn man sich zum Beispiel den Panzer anschaut von ihm, dann ist der so konstruiert, dass er durch eine Handkurbel angetrieben wird. Und diese Handkurbel ist mit einem Getriebe verbunden, einem sogenannten Laternengetriebe, dass das vordere Rad nach vorne fährt und das hintere Rad nach vorn fährt. Also wenn man viel Kraft aufbringt an der Handkurbel, könnte man eventuell einen kompletten Getriebeschaden erreichen, aber bewegen wird sich dieses Teil nicht", erzählt Matthias Eckoldt.

"Das Abendmahl"
"Das Abendmahl" von Da Vinci ist eins der berühmtesten Wandgemälde der Welt. | Bild: Das Erste

Leonardo erhält keinen einzigen Auftrag. Statt Kriegsgeräte zu entwickeln, richtet er Hoffeste aus, kümmert sich um das wohl temperierte Badewasser der Herzogin und malt das Abendmahl. Er zeichnet, kopiert, entwirft technische Geräte, aber er erfindet und baut nichts. Matthias Eckoldt geht dem Kult um Leonardo nicht auf den Leim, sondern auf den Grund – in Da Vincis eigenen Notizbüchern.

Mussolini macht Da Vinci zum Erfinder

Erst das 20. Jahrhundert macht aus Leonardo den Erfinder, der er selbst niemals zu sein behauptete. Urheber des Geniekults ist Mussolini, der Da Vinci als Feigenblatt seiner faschistischen Diktatur braucht und ihn zur Leitfigur italienischer Schöpferkraft ausruft. Zum Universalgenie. "Mussolini hat dann eine Weltausstellung initiiert, er hat die Weltausstellung befohlen, und die wurde gemacht. Und für diese Weltausstellung wurden erstmals überhaupt aus den Skizzen Modelle gemacht. Und bei diesen Modellen wurde ein bisschen geschummelt, so dass die gröbsten Fehler weg eskamotiert wurden, damit es nicht aufgefallen ist", so der Buchautor.

Von Mailand geht die Ausstellung in die USA und nach Japan, wo sie bei einem Luftangriff zerstört wird. "Erstaunlicherweise, die Ausstellung ist weg, Mussolini ist weg, der Faschismus ist weg, aber der Leonardo-Kult, der Kult des Erfinders Leonardo ist geblieben. Es gibt viele Bücher, wo die Erfindungen beschrieben sind, und die werden Generation zu Generation weiterverbreitet", erklärt Matthias Eckoldt.

Da Vinci, kein Übermensch, einfach nur Mensch

Matthias Eckoldt
Matthias Eckoldt geht im Buch "Leonardos Erbe" den vermeintlichen Erfindungen des Genies nach. | Bild: Das Erste

Leonardo war ein Suchender, Forschender, auch ein Visionär, aber kein Alleskönner. Eckoldts Buch widerspricht nicht der Kühnheit von Da Vincis Ideen, sondern einem Kult, der den Blick auf dessen Wesen verstellt: einen von Neugier getriebenen Menschen. "Leonardo war jemand, der nicht an den Leonardo Kult geglaubt hätte, er hat auch nicht an Gott geglaubt. Er war genial auf jeden Fall, ein genialer Maler, aber er war kein übermäßiges Universalgenie, er war letztendlich ein Mensch." Leonardo Da Vinci, kein Übermensch, einfach nur Mensch – was für eine sympathische Erkenntnis 500 Jahre nach seinem Tod.

Autor: Lutz Pehnert

Stand: 18.03.2019 15:40 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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