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Das Elend der Vorstädte! "Les Misérables" – ein fulminantes Debüt!

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Das Elend der Vorstädte! Les Misérables – ein fulminantes Debut! | Video verfügbar bis 26.05.2020 | Bild: BR

"Les Misérables", die Elenden, nannte Victor Hugo seinen berühmten Roman über das Elend der französischen Unterschicht. "Les Misérables" heißt auch ein Film, der in Cannes sehr beeindruckt hat. Er spielt sogar im selben Pariser Vorort wie das Buch, in Montfermeil. Dort sind 2005, die massivsten sozialen Unruhen der Nachkriegsrepublik ausgebrochen.

Der Regisseur Ladj Ly, ein junger Mann, der selbst in dieser Banlieue aufgewachsen ist, hat seine Erfahrungen in den Film eingebracht. Ein Spielfilm, der es sofort geschafft hat in den Wettbewerb um die Goldene Palme. Für den Regisseur also ein fulminantes Debüt, für die Zuschauer aber ein wirklich hartes Filmerlebnis. Laut und bunt und wild, Montfermeil ist roh. Ein Armeleutevorort; viele Migranten, ein hartes Pflaster für Polizisten. Man muss die Gegend kennen, die Regeln der Straße beherrschen, um hier zu bestehen. Ein Spiel, klar. Doch dahinter lauert die Aggression der Getretenen.

"Les Misérables" zeigt das Leben in der Banlieue

Der Regisseur Ladj Ly in Cannes
Der Regisseur Ladj Ly in Cannes | Bild: dpa / Sebastien Botella

Die Kinder der Banlieue haben kaum eine Chance. "Die Eltern tun was sie können, geben ihr Bestes", sagt Regisseur Ladj Ly. "Die Lebensbedingungen in dem Viertel sind schwierig. Die Eltern arbeiten, sie sind nicht wirklich präsent genug, um sich um die Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu kümmern. Meist sind die Kinder sich selbst überlassen. Man trifft sie auf der Straße, beim Training, sie schlagen sich irgendwie durch."

Stephane ist neu in der Crew. Von der Provinz in die Hood. Hier gibt es Drogendealer, Islamisten, vor allem aber sozial Benachteiligte. Das ist der Ausgangspunkt von "Les Misérables". Die Banlieue folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Es gibt hier unausgesprochene Regeln zwischen Polizei und Bewohnern, ein äußerst fragiles Übereinkommen.

Warum "Les Misérables" so authentisch ist

Regisseur Ladj Ly hat "Les Misérables" vor allem mit Menschen aus Montfermeil gedreht. Das und die Tatsache, dass er selbst in der Banlieue aufgewachsen ist, diese Welt sehr genau kennt, machen diesen Debütfilm so authentisch. "Mein erstes Erlebnis mit der Polizei hatte ich mit zehn. Ich habe mit meinen Freunden Fußball gespielt und wir wurden von der Polizei kontrolliert. Das hat mich geprägt. Es war meine erste Personenkontrolle, wir waren Kinder. Sie haben uns ohne Grund angehalten, gefilzt und uns als Affen bezeichnet. Das war die erste Erfahrung und es kamen viele mehr. Jahrelang ging es so."

Als die Polizisten bedrängt werden, verletzen sie einen Jungen mit einem Gummigeschoss. Die Situation eskaliert – eine Spirale aus Gewalt und Gegengewalt. Keine Lösung, keine moralische Wertung. Der Film zeigt die Realität. Alle Beteiligten sind – Gefangene.

Stand: 27.05.2019 08:53 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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