SENDETERMIN So., 15.08.21 | 23:50 Uhr | Das Erste

Maria Stuart

PlayBirgit Minichmayr spielt Maria Stuart bei den Salzburger Festspielen 2021.
Maria Stuart | Video verfügbar bis 15.08.2022 | Bild: William Minke

Lauf Mädchen, es gibt kein Entkommen! Zwei Königinnen, ein Thron. Beide wollen ihn. Beide werden verlieren. Die eine ihr Leben. Die andere ihre innere Freiheit, ihre Moral, ihr Menschsein.

"Ist das die Mäßigung?", fragt Elisabeth. Und Maria antwortet: "Mäßigung! Ich habe ertragen, was ein Mensch ertragen kann. Mäßigung! Fahr hin mein langverhaltener Groll und leg auf die Zunge mir den gift’gen Pfeil."

Martin Kušej
Martin Kušej | Bild: BR

"Die Figur der Maria ist wahnsinnig effektiv, theatralisch", sagt Regisseur Martin Kušej. "Man hat fast keine Chance als Darstellerin der Elisabeth gegen die Darstellerin der Maria Stuart. Die ist immer die Gewinnerin, weil sie das Opfer ist, weil sie natürlich ein pompöseres Ende hat. Und diese sehr einsame Königin Elisabeth, die dann übrig bleibt, ist auf die längere Strecke ein viel differenzierterer Charakter und es ist auch faszinierend, dass sie sich trotzdem zu einer Art weiblichen Tyrannen entwickelt."

Von der Tugend zum Terror

Schillers Trauerspiel über Moralität und Totalität. Die Inszenierung ist nahe am Originaltext, hinzuerdacht ein stummer Chor aus 30 Männern. Das Patriachat und seine Zwänge, klar. Etwas plakativ. Elisabeth bedrängt vom schwänzelnden Hofstaat. Opportunisten, Chauvinisten, Fanatiker. Das schleichende Abtöten jeglichen Mitgefühls. "Hier ist nicht Zeit zum weiblichen Erbarmen. Des Volkes Wohlfahrt ist die höchste Pflicht." – "Man überlasse mich mir selbst, bei Menschen ist nicht Rat noch Trost in dieser großen Sache. Jetzt tretet ab", fordert Elisabeth. Dann eben so: Volk, hier hast du deine Tyrannin! Von der Tugend zum Terror ist es manchmal nur eine falsche Abzweigung.

Die Idee der Verschwesterung

Birgit Minichmayr
Birgit Minichmayr | Bild: BR

Oft wurde Maria Stuart als Zickenkrieg inszeniert. Hier jedoch scheint sie zumindest für einen Moment möglich: eine Welt, in der aus den beiden Rivalinnen Komplizinnen werden könnten. Die Verschwesterung beinahe greifbar ist. "Elisabeth hat auch lange die Hand über sie gehalten, was die Unfehlbarkeit der Könige betrifft", sagt Birgit Minichmayr, Darstellerin der Maria Stuart. "Und da ich das mit Bibiana Beglau spiele, so spiele, wie wir es spielen, denke ich mir manchmal: Wir verstehen uns doch so super, wieso muss das denn jetzt so ausgehen?"

Wie werden wir zu Menschen? Wie beherrschen uns weder allein Vernunft, Kalkül noch einzig Triebe und Gefühle? Wie ein Ganzes formen? Schiller garniert all diese Fragen natürlich immer mit einer Portion Pathos. "Eine Impfung mit dem Pathetischen, das hat Schiller selber geschrieben", sagt Kušej. "Der angehende Medizinstudent hat Schriften verfasst und war begeistert davon, dass er sagt: Es gibt eine Injektion für den Zuschauer mit dem Pathetischen. Und davon hat er sich so im aristotelischen Sinne eine Art Verbesserung des Zuschauers, des Menschen erwartet."

Bibiana Beglau
Bibiana Beglau | Bild: BR

Schillers große Märtyrerin Maria: Hier ist sie am Ende nicht die geläuterte Heilige – sondern eine Gebrochene.

Autorin: Gabriele Pfaffenberger

Stand: 15.08.2021 20:09 Uhr

Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

So., 15.08.21 | 23:50 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste