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Kunstmuseum Moritzburg Halle: Schau zum 100. Todestag von Gustav Klimt

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Schau zum hundertsten Todestag von Gustav Klimt in Halle | Video verfügbar bis 08.10.2019 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit 55 Jahren starb Gustav Klimt 1918 nach einem Schlaganfall. Sein Leben währte also nicht lang – doch schön, erfüllt, intensiv – und erfolgreich – darf und muss man es unbedingt nennen. Die Frauen hatten daran ihren Anteil – vielleicht nicht unbedingt mehr Anteil als bei anderen, aber auf jeden Fall dürften es mehr Frauen gewesen sein als bei andern. Glaubt man den Darstellungen in Klimt-Filmen - wie zuletzt dem mit John Malkovich in der Hauptrolle – muss es ein hoch erotisches Künstlerleben gewesen sein, der Meister immer inspiriert von nackten jugendlichen Schönheiten, die durch sein Wiener Atelier tollten ...

Schwüle Legenden um den "Zauberer aus Wien"

Direktor Thomas Bauer-Friedrich in der Klimt-Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle
Direktor Thomas Bauer-Friedrich in der Klimt-Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle | Bild: ttt

Thomas Bauer-Friedrich, Direktor am Kunstmuseum Moritzburg kennt das Klischee: "Das ist natürlich das, was sich für die Nachwelt, für die Legendenbildung wunderbar geeignet hat: Klimt, der nie verheiratet war, der mit den Modellen, den Musen, einen engen persönlichen Kontakt im Atelier hatte, die vielen Kinder von unterschiedlichen Frauen, die dazu kommen ... Das alles steht letztendlich für die 'schwüle Atmosphäre' der Wiener Jahrhundertwende."

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) hat jetzt eine Ausstellung über Klimt, den 'Zauberer aus Wien' vorbereitet. Das Haus besitzt eins von nur vier Klimt-Gemälden in Deutschland: Das Bildnis der Marie Henneberg ist das erklärte Zentrum der Schau.

Kurator Wolfgang Büche erklärt: "Es gehen von diesem Bilde verschiedene Kraftlinien aus. Zum einen ist es im Werk des Künstlers ein wichtiges Bild, denn es steht am Beginn einer Entwicklung, die dann zu seiner goldenen Epoche führt."

Klimts sezierender Blick: Die Damenbildnisse

D'Ora-Benda: Gustav Klimt, 1908
D'Ora-Benda: Gustav Klimt, 1908 | Bild: bpk / D'Ora-Benda

Gustav Klimt, gern in priesterlichem Gewand unterwegs, kam aus einfachen Verhältnissen. Sein Talent wurde früh erkannt und schon in den 1880er-Jahren erhielt er große Aufträge für Wandgemälde in den neuen repräsentativen Bauten an der Wiener Ringstraße. Doch den 'historistisch-kaiserlichen' Stil ließ er bald hinter sich und reüssierte mit delikaten Porträts von – ausschließlich! – Frauen des aufstrebenden Bürgertums, die er in Milieu und Charakter genau getroffen hat.

"Er hat diese Frauen nicht nur einfach dargestellt, sondern psychologisch erfasst, ja seziert kann man vielleicht sagen. Er hat sie in seine ganz eigene, ornamentale Gestaltungsweise eingebunden, und so auf einer Metaebene, auf ganz subversive Art und Weise auch etwas über die Dargestellten ausgesagt", meint Direktor Thomas Bauer-Friedrich.

Künstler und Mäzenaten des Jugendstils: Im Hause Henneberg

Bildnis Marie Henneberg, 1901/1902, Öl auf Leinwand 140x140 cm
Gustav Klimt: "Bildnis Marie Henneberg", 1901/1902, Öl auf Leinwand 140x140 cm | Bild: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) / Punctum / Bertram Kober

Der selbstkritische Klimt saugte auf, was ihm Intensität versprach: die Impression der Franzosen, den dunklen Symbolismus der Belgier. Klimt führte die Avantgarde an, als 1897 die Secession in Wien gegründet und das schöne Haus von Joseph Maria Olbrich dafür gebaut wurde. Fünf Jahre später war Klimts Beethovenfries der große Skandal der Secession. Mit Gold veredelt und jugendstil-weich, aber schonungslos körperlich katapultierte Klimt den Wiener Klüngel in die Moderne.

"In diesem Umfeld der 1897 gegründeten Wiener Secession spielt sich unsere ganze Ausstellung ab. Es geht ja nicht nur um Gustav Klimt, sondern auch um die neue Architektur, die Josef Hoffmann in Wien geschaffen hat; auch die Villa, die er für Hugo Henneberg gebaut hat. Dort im Hause von Marie und Hugo Henneberg hat sich die Wiener Secessionsgesellschaft oft getroffen", sagt Thomas Bauer-Friedrich zum Konzept der Schau in Halle.

Im Jugendstil ging es um die Idee vom Gesamtkunstwerk aus Architektur, Kunst und Design, was die Ausstellung anhand einiger Stücke aus der Villa Henneberg vor Augen führt. – Eine weitere 'Kraftlinie', die vom Hallenser Bildnis der Marie Henneberg ausgeht, führt zur Fotografie dieser Jahre. Hugo Henneberg, war nicht nur Chemiker und Physiker, er war auch Erbe und Mäzen der Wiener Reformer. Die malerisch-romantischen Drucke des Fotografen Hugo Henneberg wurden zuweilen sogar mit Klimts Bildnissen zusammen ausgestellt, sie wurden und werden sehr geschätzt.

Klimts Zeichnungen: Das Faszinierendste der Ausstellung

Gustav Klimt: Liegender Akt, 1914/15, Bleistiftzeichnung
Gustav Klimt: Liegender Akt, 1914/15, Bleistiftzeichnung | Bild: Museum Folkwang Essen / ARTOTHEK

Gustav Klimt selbst, ist heute nicht nur für seine öffentlichen Porträts berühmt, sondern für seine intimen Akt-Zeichnungen berüchtigt. Sie sind das Faszinierendste der Ausstellung – letztlich sind sie auch der Nährstoff für die Legende des Erotikers Gustav Klimt, wie Kurator Wolfgang Büche meint:

"Er wird ja vielfach als jemand bezeichnet, der einen männlichen Blick hat, aber das ist eigentlich zu kurz gedacht, wenn man sein Werk mal genau betrachtet. Er gibt der Erotik der Frau ein Bild. Seine Bilder zeigen nichts Heimliches aus der Schlüssellochperspektive – er lässt die Frauen bei sich sein, zeigt sie in ihrer 'erotischen Selbstverwirklichung'."

Angereist aus Japan, erotisch blühend: "Eugenia Primavesi"

Klimts Gemälde der Eugenia Primavesi wird durchleuchtet
Klimts Gemälde der Eugenia Primavesi wird durchleuchtet | Bild: ttt

Aus dem japanischen Toyota angereist ist das Bildnis der "Eugenia Primavesi". Der Versicherungswert übersteigt den Kulturetat manch kleiner Großstadt und die flirrenden Farben widerstehen jeder Reproduktion. Hier war Klimt angekommen im molto vivace des auch erotischen Knospen und Blühens.

An den Legenden aus dem Atelier dieses Gustav Klimt könnte wohl doch etwas dran sein.

Autor: Meinhard Michael

Ausstellungstipp
Gustav Klimt
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
14.10.2018-06.01.2019

Stand: 08.10.2018 14:15 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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