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50 Jahre Woodstock-Festival

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50 Jahre Woodstock-Festival | Video verfügbar bis 28.07.2020 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es sieht nach Regen aus. Wir decken besser alles ab", so lautete eine Lautsprecherdurchsage auf dem Woodstock-Festival 1969 im US-Bundesstaat New York. "Ihr da ganz hinten, bitte geht weiter zurück. Weiter nach hinten. Wir müssen uns von den Masten entfernen. Legt die Mikroständer hin und deckt alles ab." "Alles, was schief gehen konnte, ging schief", erinnert sich Produktionskoordinator John Morris. "Plötzlich war die Hölle los." "Haltet einander fest. Und lasst uns den Regen vertreiben", hieß es weiter aus den Lautsprechern. Und die Menschenmenge rief: "No Rain. No Rain. No Rain."

Diese Szenen kann man jetzt in der Dokumentation "Woodstock: Three Days That Defined a Generation" miterleben – Regie führte Barak Goodman: "Zum großen Teil war das Festival eine Serie von Pannen und schlecht geplanter Dinge. Und es war wirklich hart an der Grenze zum Desaster." Das bestätigen auch Festivalbesucher wie Laureen Starobin: "Die Außenwelt hielt es für ein Katastrophengebiet. Das fanden wir nicht."

Ein Mann mit Koteletten und langen Haaren vor einer großen Menschenmenge
Joe Cocker beim Woodstock-Festival 1969, fotografiert von Elliott Landy. | Bild: Elliott Landy / Elliott Landy

Woodstock – irgendwie waren wir ja alle mit dabei. Der Film, der wenig später ins Kino kam, hat dafür gesorgt. Und die einzigartigen Fotos von Elliott Landy, die ihn weltbekannt machten. Er war Mitte 20, als er Woodstock erlebte: "Woodstock war ein kosmischer Unfall mit positiven Folgen. Es war ein magischer Moment."

Ein Festival, von dem man noch seinen Enkeln erzählt

Joe Cocker, The Who, Santana: Erweckungen, von denen man später seinen Enkelkindern würde berichten können. Dabei ist das Wetter grob, der Sound Schrott, die Bühne, so zusammengestückelt wie bei einem Dorffest unter Freunden. 400.000 Menschen kommen schließlich. Und erleben etwas Unvorhergesehenes. "Es war nicht als politische Veranstaltung geplant oder gedacht. Politik wurde zum Großteil sogar ausgeklammert. Am Ende aber wurde es ein politisches Ereignis", sagt Regisseur Goodman.

Nackte Festivalbesucherinnen baden im Wasser, Woodstock 1969
Nackte Festivalbesucherinnen baden im Wasser, Woodstock 1969 | Bild: NDR/Jason Laure

Das Beste aus 100 Stunden original Filmmaterial

Barak Goodman hatte für seine exzellente Dokumentation Zugriff auf 100 Stunden Material. Es ist rührend zu sehen, wie herzlich die eher konservativen Dorfbewohner vor Ort die Hippies empfangen. Die ersten Fans reisen schon zwei Wochen vorher an. Kurz vor Beginn ist der Stau 27 Kilometer lang – ein friedlicher, fröhlicher Kollaps.

Ein Mann sitzt vor einer holzvertäfelten Wand
Filmregisseur Barak Goodman im "ttt"-Interview | Bild: ARD / ttt

"Davon haben so viele Menschen erzählt, mit denen wir gesprochen haben: von diesem umwerfenden Moment, als sie über den höchsten Punkt bei Yasgurs Farm kommen und auf der anderen Seite hinab sehen, auf diese Unmenge an Menschen, die genauso angezogen sind wie sie, fühlen wie sie, genauso aussehen wie sie", sagt Goodman. "Viele von diesen Leuten wurden in ihren eigenen Städten und Gemeinden marginalisiert. Sie fühlten sich allein. Aber all die anderen in solcher Zahl zu sehen, die genauso fühlten und aussahen wie sie selbst, war ein absolut kathartisches Erlebnis für alle." 

"Für mich war Woodstock ein spirituelles Ereignis", so Fotograf Landy. "Es war ein utopischer Augenblick in der Geschichte der Menschheit, in dem alles harmonisch war."

In einer Zeit zwischen Vietnamkrieg, Mondlandung und Verzweiflung

Jimi Hendrix zersägte die amerikanische Nationalhymne aus Protest gegen den Vietnamkrieg. Die USA steckten 1969 in einer tiefen Krise. Ein Jahr zuvor waren Bürgerrechtler Martin Luther King und Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy ermordet worden. Die Mondlandung fand nur einen Monat vor Woodstock statt. Doch wie eine große Depression überlagerte der Vietnamkrieg Amerika. Wut, Verzweiflung, Resignation – die Jugend in Todesangst.

"Das Land war zerrissen vom Krieg in Vietnam", so Goodman. "Wir denken bei den Sechzigern immer an Liebe und Frieden. Es war alles andere als das. Wir bewegen uns gerade jetzt zurück zu einem Zustand, der sich der ähnlich anfühlt wie damals."

Menschenmassen von oben beim Woodstock-Festival 1969
Menschenmassen von oben beim Woodstock-Festival 1969 | Bild: NDR

Trotz fehlenden Zäunen und Ticketschalter nicht abgesagt

Aber das Woodstock-Festival wird eine Feier des Lebens. Eine halbe Million Menschen machen sich auf den Weg. Die Veranstalter werden mit dem Aufbau nicht fertig. Keine Zäune, keine Ticketschalter. "Woodstock war als kapitalistische Unternehmung geplant. Die Veranstalter wollten Geld machen. Aber als sie sahen, dass sie nicht nur kein Geld verdienen, sondern alles verlieren würden, entschieden sie, trotzdem weiterzumachen", erzählt Goodman. "Sie entschieden, dass hier etwas Bedeutsameres passiert und das ist ziemlich genau der Geist von Woodstock. Diese Entscheidung zu sagen: Wir haben die Zäune und Ticketschalter nicht fertig, was machen wir jetzt? Was können wir tun? Lasst sie alle rein. Um den Rest kümmern wir uns später." "Woodstock war Anarchie im besten Sinne – eine Erfahrung, die Menschen mal in Ruhe zu lassen, nicht zu kontrollieren, was sie tun", so Elliott Landy.

Ein Gitarrist auf einer Bühne vor einer großen Menschenmensche
Richie Havens bei seinem Auftritt auf dem Woodstock-Festival 1969, fotografiert von Elliott Landy. | Bild: Elliott Landy / Elliott Landy

Festival-Hymne dank Improvisation entstanden

Richie Havens muss als erster spielen, weil die anderen Bands im Stau feststecken. So lange bis ihm die Songs ausgehen und er spontan diesen einen improvisiert: "Freedom". Es wird die Hymne des Festivals. Woodstock war ein politisches Statement, vollkommen spontan, gewaltfrei und friedlich bis zum Schluss. Das wirkt heute allerdings wie eine romantische Utopie.

"Woodstock wurde ein grandioser Moment, der das Beste der Gegenkultur herauskristallisierte", fasst Goodman zusammen. "Es war nicht so, dass im ganzen Land plötzlich Friede und Liebe ausgebrochen wären. Es gab immer noch sehr viele Konflikte und Gewalt. Ein paar Monate später würde die Tragödie von Altamont geschehen. Watergate würde noch passieren. Aber immerhin hatte man dieses Beispiel, was möglich war und was das Beste der Gegenkultur wirklich bedeutete." "Es war ein Meilenstein unserer Zeit", findet Festivalbesucherin Katherine Daye. "Daran besteht kein Zweifel. Die Uhr stand drei Tage still."

Autor: Andreas Krieger

Die Doku "Woodstock: Three Days That Defined a Generation" von Barak Goodman wird am Mittwoch, 31. Juli 2019, 22:45 Uhr, im Ersten ausgestrahlt.

Die Fotografien von Elliott Landy sind als Bildband im Verlag Zweitausendeins erschienen: "Woodstock Vision – The Spirit of a Generation", 223 Seiten, 300 Fotografien. ISBN: 978-3-96318-033-0

Auch die Ausstellungsreihe "50 Years Woodstock – The Exhibition" zeigt die Fotografien von Elliot Landy.

Ausstellungsorte und -temine:
Papenburg, Zeitspeicher, 29. Juni bis 2. September 2019
Karlsruhe, Schlosslichtspiele, "The Evolution of Love", 8. August bis 15. September 2019
Nürnberg: St Egidien Kirche, 16. August bis 30. September 2019

Stand: 01.08.2019 11:57 Uhr

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So, 28.07.19 | 23:55 Uhr
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31.07.2019 | 22:45 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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