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Ein Kunstkrimi

Dokumentarfilm über das teuerste Gemälde der Welt

PlayDas Gemälde "Salvator Mundi" von Leonardo da Vinci wird von Besuchern des Auktionshauses Christie's begutachtet.
"Salvator Mundi": Das teuerste Gemälde der Welt | Video verfügbar bis 12.12.2022 | Bild: picture alliance/Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

1.175 Dollar – das war der ursprüngliche Preis. Später wechselte es für 127,5 Millionen Dollar und schließlich für sagenhafte 450,3 Millionen Dollar den Besitzer. Damit ist "Salvator Mundi" das teuerste Gemälde der Welt. Dabei ist bis heute nicht gesichert, dass es sich wirklich um ein Werk von Leonardo da Vinci handelt.

Der Dokumentarfilm "The Lost Leonardo" ist eine spannende Spurensuche, die Geschichte einer Verwandlung. Kunstjäger entdecken 2005 auf einer Auktion ein altes Jesus-Gemälde mit unklarer Herkunft: Salvator Mundi, der "Retter der Welt", angeblich die Kopie eines vermissten da Vincis. Sie kaufen es und lassen es aufwändig restaurieren. Vier Jahre lang.

Ist "Salvator Mundi" wirklich ein da Vinci?

Das Bild bei der Retauration. Es hat einen großen Riss und wird mit mehreren Halterungen zusammengehalten.
Vier Jahre lang wurde das Bild restauriert. | Bild: Screenshot

"Einerseits wurde die Restauratorin sehr gelobt: für eine fantastische Arbeit. Aber es gab auch Kritik: sie habe das Bild mit ihren Korrekturen förmlich erst zu einen Leonardo gemacht. Gewissermaßen wurde sie die Mutter des Gemäldes," so Andreas Koefoed, Regisseur von "The Lost Leonardo".

Die Besitzer glaubten, sie hätten das verschollene Original freigelegt, den echten da Vinci. 2008 treffen sich in der National Gallery in London die weltweit renommiertesten Leonardo da Vinci-Experten, um sich das Bild anzusehen. Ohne formelles Gutachten stellt das Museum in einer Blockbuster-Ausstellung das Gemälde 2011 als Originalgemälde von da Vinci aus und löst damit eine der aberwitzigsten Geschichten in der Kunstwelt aus. Damit wurde er institutionell geadelt: zum Heiligtum von Meisters Händen.

"Ohne dass die Herkunft wirklich geklärt war"

"Damit war es dann in der obersten Liga der Gemälde. Ohne dass die Herkunft wirklich geklärt war," erzählt Koefoed. "Viele der namhaftesten Museen der Welt hatten das Gemälde damals angeboten bekommen – aber sie wollten es nicht anrühren. Es gab einfach zu viele offene Fragen." Aber mit dieser Museums-Adelung wurde das Gemälde zum Goldenen Kalb. Für die 127 Millionen ging es an einen russischen Oligarchen, gehandelt über einen Freeport in Genf. Ein Verwahrungs- und Handelsplatz für Kunst: ohne Steuern, ohne Kontrolle.

"Ich halte das für ein schreckliches System. Eine Menge der fantastischsten Kunst der Welt ist dort weggesperrt, niemand kann sie sehen," so Koefoed. "Das ist doch absurd, gegen die Ur-Idee der Kunst: Gefühle und Gedanken auszudrücken und sie mit einem Publikum zu teilen." Bevor der "Retter der Welt" ganz verschwindet, taucht er kurz auf: als er bei Christie’s versteigert wird. Für sagenhafte 450,3 Millionen Euro. Käufer unbekannt, aber vieles spricht für den Kronprinz von Saudi-Arabien – Bin Salman. Der neuerdings viel in Kunst und Kultur macht.

Verkauft für 450,3 Millionen Euro, aber an wen?

Blick auf die National Gallery London. Viele Menschen wandeln auf dem Platz davor.
Ohne formelles Gutachten stellt die National Gallery in London das Gemälde 2011 als Originalgemälde von da Vinci aus. | Bild: Screenshot

Ob Bin Salman es gekauft hat, um sein Image aufzupolieren? "Er versucht, sich ein freundliches Gesicht zu geben, während er ja für schreckliche Dinge steht: er heizt den Krieg im Jemen an, lässt einen Journalisten ermorden," meint Koefoed.

Profaner Ölschinken oder heiliger da Vinci – der spannende Doku-Film "The Lost Leonardo" lässt das offen. Offenbart aber viel vom Manipulationssystem Kunst. Wie aus einem Auktionsfund ein Heiligtum wird, wie es bei Kunst oft nicht um Kunst, sondern um Geld, um Politik, um Ruhm geht. Ansehen – wichtiger als Authentizität. Wie im kitschigen Verkaufsvideo von Christie’s – damit auch ja niemand auf die Idee kommt, dass DIESER Retter der Welt vielleicht nur ein Götze ist.

The Lost Leonardo
Von Andreas Koefoed
Kinostart am 23.Dezember 2021

Beitrag: Thorsten Mack

Stand: 12.12.2021 21:00 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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