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"Myanmar Diaries"

PlayFilmszene aus "Myanmar Diaries"
"Myanmar Diaries" | Video verfügbar bis 13.02.2023 | Bild: The Myanmar Film Collective

Manchmal ist ein Film wie eine Flaschenpost. Abgeschickt von Menschen, die sich vergessen fühlen und sich der Welt in Erinnerung rufen: Wir sind noch da. So eine Flaschenpost haben einige Filmemacher aus Myanmar auf den Weg geschickt. Ein aus dem Land geschmuggelter Film, mit dem sie der Welt berichten, was in ihrer Heimat gerade geschieht: Denn seit dem Putsch vor gut einem Jahr herrscht dort abermals eine Militärjunta. Von mehr als 1500 getöteten Demonstranten, von Folter und Terror berichtet die UN. Davon, was das für die Menschen heißt, davon berichten die "Myanmar Diaries".

Ein außergewöhnlicher Film

Eine Aerobic-Tänzerin in der Hauptstadt von Myanmar. Im Hintergrund die Militärjunta, die das Land mit Gewalt abriegelt. "Ich empfinde es als unsere Pflicht, auf die Situation aufmerksam zu machen, in der Sprache, die wir am besten beherrschen, nämlich: Kino", so ein Mitglied des Myanmar Filmkollektivs. Mit dieser Aufnahme beginnt der Film "Myanmar Diaries", eine Szene, die signalisiert – hier gibt es einen anderen Blick auf die Protestbewegung. Das anonyme "Myanmar Filmkollektiv" hat den Dokumentarfilm gemacht. Einer von ihnen ist nach Berlin gereist, mit Hilfe seiner holländischen Produzenten. Der außergewöhnliche Film wird auf der Berlinale im Panorama uraufgeführt, auf die Premiere setzen die Macher große Hoffnungen. Sein Gesicht kann er nicht zeigen, seinen Namen nicht preisgeben, nicht einmal sagen, wo er lebt. Die Gefahr ist zu groß. "Wir haben den Film zu zehnt gemacht. Egal, was man derzeit in Burma tut: die Militärs können jederzeit zuhause an die Tür klopfen und einen verhaften, nur weil man etwas auf Facebook postet", erzählt das Mitglied des Filmkollektivs.

Kampf der einzelnen gegen das totalitäre Regime

Anonymes Mitglied des Myanmar Filmkollektivs
Anonymes Mitglied des Myanmar Filmkollektivs | Bild: Das Erste

Seit genau einem Jahr regiert die Militärjunta das Land mit Terror. Der Film zeigt den Kampf der einzelnen gegen das totalitäre Regime. "Soldaten können jedes Handy völlig willkürlich nach Filmaufnahmen prüfen, auch wenn man einfach nur die Straße langgeht. Vor einigen Tagen hat ein Typ seine Hochzeitseinladung verschickt. Ein Soldat verlangte sein Handy. Da war ein Foto, was ihm nicht gefiel. Er gab ihm das Handy zurück, sagte, wir überwachen dich jetzt, du kannst gehen. Und dann erschossen sie ihn einfach von hinten", so das anonyme Mitglied des Myanmar Filmkollektivs.

Die Botschaft des Films

Was die totalitäre Willkür im Privaten anrichtet, ist die eigentliche Botschaft des Films. Obwohl keiner der Protagonisten von vorn zu sehen ist, erleben wir anhand symbolischer Szenen und angedeuteter Dialoge, welche Risse und Trennungen durch Familien und Beziehungen gehen. "Ich selbst lebe natürlich auch von einigen Familienmitgliedern und Freunden getrennt. Aber manche erleben viel Schlimmeres. Wenn die Soldaten der Junta jemanden festnehmen wollen und ihn nicht finden können, verhaften sie die Eltern. Konfiszieren das Eigentum und versiegeln das Haus. Um das zu verhindern, bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als ihre eigenen Kinder zu verleugnen und zu verstoßen", so das Mitglied des Myanmar Filmkollektivs.

Die Berlinale-Uraufführung – ein bewegender Moment

Filmszene in "Myanmar Diaries"
Filmszene in "Myanmar Diaries" | Bild: The Myanmar Film Collective

Auch das sehen wir zum ersten Mal: Trainingscamps der Widerständler. Es sind Bilder, die neben der Verzweiflung der Menschen ihre Entschlossenheit zeigen, ihren Glauben, dass sie das Regime irgendwann stürzen können. "Viele junge Leute sind in den Dschungel gegangen und haben sich den bewaffneten Widerstandsgruppen angeschlossen. Wenn die Revolution Erfolg hat, können wir die Demokratie neu aufbauen und beim Versöhnungsprozess allen ethnischen Minderheiten eine Stimme geben", so das Mitglied des Myanmar Kollektivs. Die Berlinale-Uraufführung für ihn ein bewegender Moment: "Es gibt immer Widerstand und Schönheit, mit der Kunst und Kultur kämpfen, egal wie schlimm die Lage ist. Wenn dieser Film Mitgefühl weckt, bin ich sehr glücklich", so das Myanmar Filmkollektiv Mitglied.

Autor: Norbert Kron

Stand: 14.02.2022 15:10 Uhr

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Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
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