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Judi Dench spielt die "Spion-Oma" nach einer wahren Geschichte

Judi Densch als Spionin in dem Film "Geheimnis eines Lebens"
Judi Densch spielt in dem Film "Geheimnis eines Lebens" eine britische Spionin. | Bild: eOne Germany

Die Engländerin Melita Norwood ist 87 Jahre alt, als sie 1999 in ihrem Haus im Süden Londons als Spionin des KGB enttarnt wird. Sie sagte damals, sie habe das neue russische Gesellschaftsexperiment schützen wollen, das ganz gewöhnlichen Menschen genug zu essen gegeben hat, Bildungschancen und ein ordentliches Gesundheitssystem. "Ich dachte, die Informationen, zu denen ich Zugang hatte, könnten Russland ebenbürtig zu England, Amerika und Deutschland stellen." Der neue Kinofilm "Geheimnisse eines Lebens" von Regisseur Trevor Nunn ist angelehnt an diese wahre Spionage-Geschichte. Die "Großmutter-Spionin" im Film wird von der wunderbaren Judi Dench gespielt.

Die Geschichte beginnt im Zweiten Weltkrieg. Bereits als Physikstudentin in Cambridge sympathisiert die junge Joan mit einer kommunistischen Gruppe, die schon damals für den KGB spioniert.

Eine Frage des Gewissens?

Sophie Cookson spielt in "Geheimnis eines Lebens" Joan als junge Frau.
Sophie Cookson spielt in "Geheimnis eines Lebens" Joan als junge Frau. | Bild: eOne Germany

Sie wird Sekretärin im Geheimprojekt der Briten, das den Bau der Atombombe vorantreibt. Als in Hiroshima die erste Atombombe abgeworfen wird, ist die junge Frau erschüttert. Sie folgt ihrem Gewissen: Wenn die Russen den gleichen Wissensstand wie der Westen haben, kann keiner zuschlagen, glaubt sie. Judi Dench kann sich noch gut an die Atombomenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki erinnern: "Alle waren geschockt. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, dass sie dachte: ich sitze an einer Stelle, wo ich vielleicht was daran ändern kann, damit nicht die eine Seite mehr weiß, als die andere."

Während des Kalten Kriegs füttert die Spionin den KGB - fast 40 Jahre lang, bis sie auffliegt. Ihre Familie ist fassungslos. Judi Dench meint: "Stellen Sie sich vor, ihr Sohn erfährt nach so vielen Jahren plötzlich, was sie gemacht haben. Jemand, von dem man ein völlig anderes Bild hatte, dem man voll und ganz vertraute, und dann hat der spioniert! Faszinierend."

Die BBC interviewt die echte Spionin, Melitta Norwood, 1999. Ihre Tat spielt sie immer noch herunter: "Der Westen wollte Russland niederzwingen. Das wollte ich nicht. Aber was ich getan habe, konnte da nichts gegen ausrichten. Also wirklich nicht."

Eine Geschichte adaptiert für die große Leinwand

Für Regisseur Trevor Nunn ist das eine "kleine Geschichte vor einem gigantischen Hintergrund: Diese jungen Spione waren in etwas verwickelt, das den Lauf der Weltgeschichte veränderte. Oder sagen wir, was sie jedenfalls davor bewahrte, in die völlige Katastrophe zu führen."

Weil es ein Kinofilm ist, kommt diese unglaubliche Geschichte freilich nicht ohne Lovestory aus. Ein kommunistischer Student zieht die junge Frau immer weiter hinein in die Spionage für den KGB. Sophie Cookson, die die junge Spionin spielt, erklärt jedoch: "Es ist aber viel zu billig zu glauben, dass sie die geheimen Informationen nur an die Russen weitergibt, weil sie total in diesen Typen verknallt ist. Sie ist keine überzeugte Kommunistin wie er. Sie tut es, weil sie die Welt besser machen will. Frauen waren damals unterschätzt. Das hat sie angespornt. Nicht blinde Liebe, es ist ihre eigene ethische Grundauffassung, der sie folgt."

Judi Dench kann sich vorstellen, dass "gerade junge Zuschauer überrascht sein werden, dass so etwas damals passiert ist".

(Bericht: Ralf Dörwang)

Filmtipp
Geheimnis eines Lebens
Dokumentation | Großbritannien 2019
Regie: Trevor Nunn
FSK: 6 Jahre

Ab 4. Juli im Kino

Stand: 23.06.2019 18:06 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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