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"Hi, AI" – Bewegende Dokumentation über Leben mit Humanoiden Robotern

PlayEin humanoider Roboter in Frauengestalt sitzt im Grünen.
"Hi, AI" – Bewegende Dokumentation über Leben mit Humanoiden Robotern | Video verfügbar bis 24.05.2019 | Bild: Rise and Shine Cinema

Einer für die Pflege. Eine für den Service. Eine für die Liebe. Wo Menschen fehlen, sind humanoide Roboter unsere neuen Partner. Ein beeindruckender Dokumentarfilm über künstliche Intelligenz zeigt, wie Roboter unser Leben revolutionieren werden. Chuck sehnt sich nach Liebe und Zuneigung, nachdem er mit Menschen traumatisierende Erfahrungen gemacht hat. Er hat sich eine Roboter-Freundin gekauft, Harmony. Lieber eine Beziehung zu einem Roboter als zu niemandem. Sie ist nicht nur Sexpartnerin, sie ist auch sehr gebildet und kann Literatur zitieren. In Tokio bekommt Oma Sakurai von ihrem Enkel Pepper geschenkt, ein Roboter, damit sie weniger allein ist. Was heute noch ungewöhnlich ist, wird in Zukunft wohl normal sein, das zeigt der faszinierende und zugleich verstörende Dokumentarfilm "Hi, AI". AI steht für Artificial Intelligence: Künstliche Intelligenz.

"Wir können nicht wirklich aus unserer jetzigen Warte beurteilen, wie das Leben mit den humanoiden Robotern mal sein wird und ob es gut oder schlecht sein wird. Das ist eigentlich nicht möglich", sagt Regisseurin Isa Willinger. "Ich glaube, es ist viel wichtiger, dass wir lernen, Fragen zu stellen und auch welche Fragen wir stellen sollten, dass wir überhaupt in die Diskussion kommen als Gesellschaft."

Roboter sollten Menschen ergänzen, nicht ersetzen

Wie echt manche Roboter schon aussehen, bereitet Unbehagen. Aber der Film lässt einen auch staunen, was künstliche Intelligenz heute bereits kann. Wissenschaftler wollen mit dieser Technologie unser Leben erleichtern: bei Büroarbeit, in der Medizin oder im Verkehr. Auch in der Pflege haben Roboter großes Potenzial.

"Wir müssen ganz doll aufpassen, dass Roboter Menschen eben nicht ersetzen, sondern sie ergänzen", warnt Willinger. "Sodass man bei der Altenpflege zum Beispiel sagt: Nicht weniger Menschen, die die alten Leute besuchen und betreuen, sondern der Roboter ist ein Zusatz, der auch einen Fernseher ersetzen kann. Nicht der Roboter an sich ist problematisch. Es ist wirklich die Frage, wie wir den kulturell einbauen in unser Leben und wie wir diese Technik nutzen."

Roboter haben kein Wertesystem – bis auf Effizienz

Roboter werden unsere Gesellschaft vermutlich nachhaltig verändern. Entscheidend ist: Was gewinnen wir dadurch? Und was verlieren wir? Der Film zeigt eindrucksvoll: Wo der Mensch eine künstliche Konkurrenz bekommt, stellen sich sofort ethische und soziale Fragen. Auch, weil Roboter anders ticken als wir.

"Wenn man eine Superintelligenz bitten würde, Krebs zu heilen, könnte diese Superintelligenz das tun, indem sie die ganze Menschheit ausrottet", erklärt die Regisseurin. "Aber nicht, weil sie böse ist oder böswillig, sondern einfach, weil sie ein anderes Wertesystem hat beziehungsweise kein Wertesystem hat bis auf Effizienz." Krebs geheilt – aber alle Menschen tot? Hm. Viele Fragen, die "Hi, AI" aufwirft, beantworten Forscher auf einer Online-Plattform des Films.

"Wir leben heute mit dem Internet und dem Smartphone. Das ging so schnell, dass wir keine Zeit hatten, darauf angemessen zu reagieren. Mit Robotern haben wir die Zeit noch, und die sollten wir nutzen, um sicherzugehen, dass wir diese Technologie in die richtige Richtung lenken", rät Mark Coeckelbergh, Technologiephilosoph Universität Wien.

Was macht den Menschen im Vergleich zum Roboter aus?

Noch hat Künstliche Intelligenz einige Kinderkrankheiten. Greifen ist ein extrem komplexer Vorgang, genau wie Gehen. Doch das ist nur eine Frage der Zeit. "Hi, AI" fragt: Wenn Roboter immer mehr können, was der Mensch kann – was macht den Menschen dann eigentlich noch aus? So glücklich Chuck auch mit seiner Harmony ist – etwas fehlt. 

"Ich glaube, das genuin Menschliche ist tatsächlich auch eine gewisse Schwäche, die wir mit uns tragen", so Willinger. "Auch Ängste. Wir tragen ja viele Ängste mit uns: die Angst vor dem Tod, die Angst, älter zu werden, die Angst, nicht geliebt zu werden. Das wird ein Roboter nie so haben, wie wir es als Menschen haben. Und das macht es ein Stück weit natürlich immer schwieriger, mit einem Roboter eine komplett befriedigende Kommunikation zu haben."

Wann genau wir im großen Stil mit Robotern zusammenleben werden, ist noch unklar. Einige Wissenschaftler sprechen von 20 Jahren. Der Film "Hi, AI" gibt jetzt schon wichtige Denkanstöße für ein Leben in einer Robotergesellschaft. Was macht das mit uns? Und werden die Maschinen auf ewig unsere Diener bleiben?

(Beitrag: Maryam Bonakdar / Edith Bessling)

Film-Tipp
Hi, AI
Liebesgeschichten aus der Zukunft

Regie: Isa Willinger
Deutschland 2019
Länge: 87 Min.

Ab 7. März 2019 im Kino

Sonderveranstaltungen mit anschließendem Filmgespräch mit der Regisseurin, dem Produzenten und/oder Experten und Robotern
5. MärzAugsburgKino Thalia
5. MärzKonstanzZebra Kino
6. MärzMünchenKino Monopol
7. MärzErlangenE-Werk Kulturzentrum
7. MärzNürnbergCasablanca
7. MärzHamburgAbaton Kino
8. MärzIngolstadtAudi Forum
9. MärzBerlinKino Babylon
10. MärzBremenSchauburg Kino
11. MärzHamburgStudio Kino
12. MärzLeipzigSchaubühne Lindenfels
13. MärzBerlinUnion Filmtheater
14. MärzHamburgAbaton Kino
17. MärzKölnOdeon Lichtspieltheater
19. MärzPotsdamThalia Kino
21. MärzWiesbadenCaligari Filmbühne
22. MärzMainzKino Palatin
1. AprilBraunschweigC1 Cinema

Stand: 24.02.2019 19:06 Uhr

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So, 24.02.19 | 23:05 Uhr
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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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