SENDETERMIN So., 12.01.20 | 23:35 Uhr

Immer abgründig und immer eigen

Die Schauspielerin Nina Hoss

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Immer abgründig und immer eigen – Nina Hoss | Video verfügbar bis 12.01.2021 | Bild: ARD

Wenn es in Deutschland einen richtigen weiblichen Schauspielerstar gibt, dann ist sie es: Nina Hoss. Dabei lässt sie sich schwer fassen – als Person schon gar nicht, als Künstlerin schon eher. Sie ist eine Meisterin darin, mit ganz wenig Mimik unglaublich große Wirkung zu erzielen. Ihr Spiel ist ganz reduziert – egal ob auf der Leinwand oder der Bühne. Immer abgründig und immer eigen. Wie sie diese Eigenheit für ihre jüngste Rolle entwickelt hat, beschreibt sie im Gespräch mit "ttt": In "Das Vorspiel" spielt sie die Geigenlehrerin Anna, die ihre eigenen Ängste und Hoffnungen auf einen Schüler überträgt – eine Gratwanderung zwischen Kontrolle und Hingabe in der Musik.

FILMTIPP
"Das Vorspiel"
Regie: Ina Weisse
FSK: 12 Jahre
Deutschland, 2019
Starttermin: 23. Januar 2020

Anna hat einen Mann, der sie liebt. Mit ihm hat sie einen Sohn, der sie braucht. Und einen Beruf, der sie erfüllt. Und doch ist da diese Sehnsucht, eine unerklärliche Lücke. "Im Leben fasert das im Moment so an den Rändern aus. Und sie sucht nach Kontrolle", beschreibt Nina Hoss ihre Rolle. "Und gleichzeitig im Leben vielleicht nach einer Weichheit, nach einer Verrücktheit. Oder nach einem Abenteuer. Das konnte ich alles nachvollziehen. Das hat mich interessiert an ihr."

Nina Hoss lernte für ihre Rolle Geige

Nina Hoss in einer Szene des Films "Das Vorspiel"
Szene aus dem Film "Das Vorspiel" | Bild: Port au Prince Picture

Ihr Abenteuer: ein Liebhaber. Er bestärkt sie in der ersehnten Befreiung: selbst aufzutreten, statt nur zu unterrichten. Um Anna zu fassen, hat Nina Hoss Geige gelernt: "Ich habe nicht erwartet, dass es ein so intimes Gefühl geben wird zu diesem Instrument. Weil es durch einen ja durchgeht. Es ist an der Schulter angelegt. Und ich wusste nicht, dass es so etwas Intuitives ist. Dass ich die Töne nicht sehen kann, weil ich keine Tasten habe. Ich weiß nur ungefähr, wo es ist. Ich muss riskieren. Und das fand ich aufregend."

Filmfigur Anna wiederum droht, am Risiko zu scheitern. Sie probt, ist ihrem Anspruch sich selbst gegenüber aber nicht gewachsen. Hält ihrem eigenen Druck, perfekt zu sein, nicht Stand. "Und dann, wenn etwas nicht funktioniert, plötzlich diesen Druck, den man sich selber macht, weiterzugeben", beschreibt Nina Hoss die Situation von Anna. Diese lässt ihre Verbissenheit an Alexander aus. Sie wird seine Lehrerin, nachdem er sein Talent in einem Vorspiel vor dem Kollegium unter Beweis stellen muss.

Nina Hoss lernte als Kind Klavier: "Ich kann das so nachvollziehen. Allein diese Vorstellung: Aha! Ich habe jetzt ein ganzes Stück vor mir und ich darf keinen Ton falsch spielen, weil man den sofort hört! Ich hab' das auch erlebt. Dass es mich rausgehauen hat, weil meine Hände so schwitzig waren. Ich bin abgerutscht und konnte nicht wieder einsetzen und dieses peinliche Schweigen, das dann auf einen niederkommt. Die Lehrerin ist ein bisschen peinlich berührt. Die Eltern tun immer so: Das macht ja nichts, fang' einfach noch mal neu an. Aber diese Angst: Geht's gleich wieder schief. Man spürt das ja alles! Das ist entsetzlich!"

Wenn man sich Druck nicht entziehen kann

Bei Anna wird jede Begegnung zum Vorspiel. Sie erlaubt sich keine Fehler und lässt auch die Fehler der anderen nicht zu. Unerbittlich treibt sie ihren Schüler und ihren eigenen Sohn zur Perfektion. "Das erzählt etwas für mich über Generationen, über Gewalt und wie Gewalt weitergegeben wird", so die Schauspielerin. "Es erzählt etwas für mich über den Druck in der Musik, dem die Musiker ausgesetzt sind, dem man sich auch nicht wirklich entziehen kann."

Nina Hoss treibt Anna ins Scheitern – erbarmungslos und gewaltig!

(Beitrag: Katharina Ricard)

Stand: 12.01.2020 19:06 Uhr

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So., 12.01.20 | 23:35 Uhr

Produktion

Norddeutscher Rundfunk
für
DasErste