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Europäische Geschichte aus arabischer Sicht – Der ägyptische Künstler Wael Shawky

Szenen aus dem Werk des ägyptischen Künstlers Wael Shawky
Szenen aus dem Werk des ägyptischen Künstlers Wael Shawky | Bild: Wael Shawky / Sfeir-Semler Gallery, Beirut / Hamburg

Sein bekanntestes Werk kommt harmlos daher, als Puppentheater und hat es in sich: In seinem Zyklus "Cabaret Crusades" (2010 – 2015) erzählt der ägyptische Künstler Wael Shawky mit Marionetten die Geschichte der Kreuzzüge aus arabischer Sicht, martialisch, als brutalen Kampf der Christen um wirtschaftliche und politische Interessen, während die arabischen Machthaber in ihre eigenen Machtintrigen verstrickt sind. Spätestens seit der Präsentation des ersten Teils dieser Trilogie auf der documenta 13 gilt Wael Shawky als der Star der arabischen Kunstwelt – seine Arbeiten waren unter anderem in Einzelausstellungen in London, New York, Doha und Berlin zu sehen.

Die Geschichte der Kreuzzüge aus arabischer Sicht

Szenen aus dem Werk des ägyptischen Künstlers Wael Shawky
Szenen aus dem Werk des ägyptischen Künstlers Wael Shawky | Bild: Wael Shawky / Sfeir-Semler Gallery, Beirut / Hamburg

Über 200 Jahre dauerte diese in Europa verdrängte Ära des Mordens und Plünderns. Angefangen mit Papst Urban dem zweiten, der 1095 zum ersten von insgesamt sieben Kreuzzügen aufrief: Danach brannten Jerusalem, Damaskus und Aleppo genau wie Konstantinopel, wo das grausame Massaker der Kreuzritter blanke Fassungslosigkeit hinterließ. Die ersten Kreuzzügler kamen aus der Gegend von Köln und Düsseldorf. Sie hatten keine Pferde, nichts zu essen, waren völlig verarmt. Die Hälfte von ihnen starb unterwegs. Trotzdem: Dem Aufruf von Pabst Urban II wurde blindlings gefolgt. Instrumentalisiert im Namen der Religion: Man kann gar nicht anders, als an die islamistischen Fundamentalisten von heute zu denken.

Wael Shawky über Marionetten und Manipulation:

»Marionetten werden von einer Hand gelenkt, das ist offensichtlich – und darum geht es mir: diese Manipulation zu zeigen. Man braucht nur die historischen Quellen zu lesen … Ich meine: Wie stiftet man Menschen an zu einem solchen Fußmarsch von Kontinent zu Kontinent? Besessen von der Idee, dort Jesus Christus befreien zu müssen?«

Szenen aus dem Werk des ägyptischen Künstlers Wael Shawky
Eine Figur aus dem Werk des ägyptischen Künstlers Wael Shawky | Bild: Wael Shawky / Sfeir-Semler Gallery, Beirut / Hamburg

Ob Jesus oder Allah: Ins Fabelhafte entrückt und doch explizit erzählt Shawky von menschlicher Größe und Niedertracht – in Europa wie im Orient. Es gab jede Menge Lügen, Verschwörungen und bittersten Verrat. Um ihren eigenen Kopf zu retten, verbündeten sich beispielsweise einige muslimische Führer mit den Kreuzfahrern, manchmal sogar gegen den eigenen Bruder. Brudermord und Korruption. Sie beschleunigten den Niedergang. Wael Shawky erzählt Geschichte in Geschichten, wie sie vor 1. 000 Jahren war. Parallelen zu heute drängen sich natürlich auf.

Eine Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte

Jetzt wagt er sich im Rahmen des Festivals "Theater der Welt" an eine große Musiktheaterinstallation: "The Song Of Roland: The Arabic Version". Darin bringt er eine der Märtyrergeschichte des christlichen Abendlandes im Kampf gegen die Sarazenen im Mittelalter auf die Bühne und führt seine Auseinandersetzung der europäischen Geschichte weiter. ttt trifft Wael Shawky bei den Vorbereitungen für die Inszenierung.

"The Song of Roland" von Wael Shawky
Uraufführung am 26. Mai 2017 in Hamburg
Spielort: Kampnagel, K2
Jarrestraße 20
22303 Hamburg
Weitere Termine für "The Song of Roland"
10. und 11. Juni 2017, Holland, Festival Amsterdam
August 2017, Zürcher Theater Spektakel
Dezember 2017, Onassis Cultural Centre, Athen
Frühjahr 2018, Sharjah Art Foundation

(Beitrag: Susan Loehr)

Stand: 23.05.2017 10:15 Uhr

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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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