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Superman und seine Erfinder – Die tragische Geschichte hinter einem Welterfolg

PlayZeichnung: Ein Mann in Anzug fliegt wie Superman.
Superman und seine Erfinder – Die tragische Geschichte hinter einem Welterfolg | Video verfügbar bis 15.07.2019 | Bild: Carlsen Verlag Hamburg

Jedes Kind kennt Superman – aber wer kennt die Geschichte seiner Erfinder? Vor 80 Jahren, im Sommer 1938, veröffentlichten Joe Shuster und Jerry Siegel in den USA den ersten Superman-Comic und begründeten damit ein ganzes Genre: Superhelden sind seitdem die verlässlichsten Weltretter der Popkultur. Die jungen Männer bekamen 130 Dollar, ihr Verleger schnappte sich alle Rechte und wurde steinreich. Vom lebenslangen Kampf der beiden um Geld und Anerkennung erzählt jetzt die Graphic Novel "Joe Shuster – Vater der Superhelden" von Julian Voloj (Text) und Thomas Campi (Zeichnungen).

Eine tragische Figur der Popkultur

Buchcover: Joe Shuster. Vater der Superhelden.
"Joe Shuster – Vater der Superhelden" erzählt die Geschichte der Erfinder von Superman. | Bild: Carlsen Verlag Hamburg

Supermans eigentlicher Erschaffer, Joe Shuster, ist eine traurige Gestalt, die auf einer Parkbank schläft. "Er ist einer der tragischen Figuren der Popkultur", sagt Julian Voloj. "Er erblindete zu dem Zeitpunkt, lebte bei seiner Mutter und seinem Bruder und wollte halt keinem zur Last fallen und beschloss wegzurennen und lebte auf einer Parkbank."

Julian Voloj verfasste in New York seine einfühlsame Biografie über Shuster. Der schuf Superman nach Ideen seines Freundes Jerry Siegel. Die Zeichnungen Thomas Campis dazu sind so behutsam wie kraftvoll, passend zu seinem stillen Helden. Denn der lange vergessene Shuster führte alles, nur kein Superleben.

"Superman war in aller Munde und er lebte in tiefster Armut"

Am Sunnyside Arch beginnt Volojs Erzählung: "Das ist ungefähr 1972/73 herum. Und in der Zeit waren die Vorbereitungen für den Superman-Film mit Christopher Reeves. Superman war in aller Munde und er lebte hier in tiefster Armut." Fünf Jahre später kam der Film in die Kinos – und Joe Shuster zurück ins öffentliche Bewusstsein. Die überlebensgroße Figur und ihr Schöpfer: "Superman ist ein Symbol. Wir erfanden den ersten Superhelden, alle späteren Superhelden gründeten auf Superman."

Verleger kaufte die Story für 130 Dollar

Shuster liebte Comics und Science Fiction – so wie Jerry Siegel. Jüdische Kinder von Einwanderern, Brillenträger, schmächtig – Underdogs. Pubertäre Träume von Kraft und Unverwundbarkeit. Ein Verleger kaufte die Story für 130 Dollar – mit allen Rechten. Voloj zeigt uns einen Scheck hinter Glas: "Das hier ist der originale Scheck, oder eine Kopie des Schecks, den die überschrieben haben." Fünf Jahre Recherche, voller Fundstücke, etwa Briefe aus Shusters Nachlass. Für eine Ehrenrettung. "Dadurch, dass er immer im Schatten von Jerry Siegel und Superman stand, ist das das erste Mal, das Joe Shuster ins Rampenlicht gerückt wird", sagt er.

Die Idee war neu und verkaufte sich 1938 phänomenal

Ein Außerirdischer mit Riesenkräften, nahezu unverwundbar – ihre Idee war völlig neu und verkaufte sich 1938 phänomenal. Die jugendlichen Begründer des Superheldengenres glaubten abzuheben. Doch nach der Coverstory in dem ersten Action-Comic-Magazin wurden sie nur kleine Verlagsangestellte, während Superman Millionen einbrachte. "Ihr habt ihn uns verkauft. Ein Deal ist ein Deal", bekommen sie zu hören. "Es grenzt eigentlich an ein Verbrechen, wie sie behandelt worden sind", sagt Julia Voloj.

Eine Grundrente als kleines Happy-End

Superman brillierte selbst im Disco-Stil, da waren seine Erfinder längst rausgeflogen, weil sie versucht hatten, ihre Rechte einzuklagen. So viel zu Supermans Motto "Wahrheit und Gerechtigkeit". Heute beherrscht das Milliardengeschäft Gut gegen Böse das Kino. Weil Warner Brothers 1978 wohl schlechte Presse verhindern wollten, bekamen Shuster und Siegel doch noch eine Grundrente. Ein kleines Happy-End.

Voloj erzählt nichts weniger als die vergessene Entstehung des amerikanischen Mythos vom Superman. Und die Moral der Geschichte am letzten Wohnort von Joe Shuster in Queens: "Da ist eine ganz große Ironie, dass sie einerseits eben Superman kreiert hatten, aber andererseits keinen Superman hatten, der ihnen geholfen hat", sagt der Autor.

(Beitrag: Thorsten Mack)

Buch-Tipp
Joe Shuster – Vater der Superhelden
Von Julian Voloj und Thomas Campi
Carlsen Verlag Hamburg, 2018
ISBN: 978-3-551-76920-6
Preis 19,99 Euro

Stand: 18.05.2019 03:52 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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