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Die Retter von Notre Dame

PlayDie römisch-katholische Kirche Notre Dame de Paris
Notre Dame | Video verfügbar bis 05.04.2021 | Bild: NDR

Notre Dame. Hundertausende Steine. Jeder ist wichtig. Ein einziger falscher Handgriff könnte eine Kettenreaktion auslösen. "Wir Kletterer müssen heute direkt an den Rand des großen Lochs, das durch die Flammen entstanden ist", sagt Grégory Vacheron, der stellvertretende Leiter der Kletterer. "Eine besondere Aufgabe. Das Ganze ist sehr instabil." Eine schwierige Mission. Mancher Stein wiegt 25 Kilo.

Arbeiten am Äußeren der Kirche
Arbeiten am Äußeren der Kirche | Bild: NDR

15. April 2019. Notre Dame. Wahrzeichen von Paris. Herzstück der Franzosen, Teil des kollektiven Gedächtnisses und Erbe der Menschheit. Als sich nach vielen Stunden das Feuer legt, werden die Ausmaße des Schadens deutlich. "Am nächsten Morgen habe ich so geweint, als wenn ein Familienmitglied verstorben wäre", erinnert sich der Archäologe Marc Viré.

Wo Langhaus und Querschiff sich treffen, ist die Decke eingestürzt. Die berühmteste Kathedrale Frankreichs könnte zusammenfallen wie ein Kartenhaus. "Ich glaube, dass das wie eine OP am offenen Herzen wird", sagt der Architekt Rémi Fromont. "Wir müssen alles stabilisieren!" 

Atemberaubende Beobachtungen zur Rettung von Notre Dame

Auch die prächtigen Figuren wurden beschädigt.
Auch die prächtigen Figuren wurden beschädigt. | Bild: NDR

Die Giebel müssen sofort gestützt werden. Sie wurden bislang durch den Dachstuhl stabilisiert – aber der ist verbrannt. Umgehend müssen die Statuen abgesägt werden. Diese wiegen 1,3 Tonnen. "Man beginnt zu sägen und sagt sich angesichts der Staubwolke: 'Die Statue könnte herunterfallen! Sie kann uns in der Gondel töten!'", sagt Steinmetz Nicolas Desnoe.

Die Dokumentation zeigt  die gefahrenreiche Rettung der Kathedrale.
Die Dokumentation zeigt die gefahrenreiche Rettung der Kathedrale. | Bild: NDR

In atemberaubenden Beobachtungen zeigt der Film die mühsame Rettung von Notre Dame. Nicht nur der Giebel ist instabil, sondern auch das Baugerüst auf der anderen Seite. "Das Gerüst hat auch gebrannt und keiner weiß, ob es nicht in sich zusammenstürzt", sagt der Zimmerer Yann Meusnier. "Und dann der Giebel. Da arbeitet man zentimetergenau." In nur zwei Tagen stützen sie die Giebel. 

Das verkohlte Gerüst überragt die Kathedrale. Es wurde erst kurz vor dem Brand um den Spitzturm hochgezogen. Ein Netz muss gespannt werden. Die Metallstruktur wiegt mehr als 300 Tonnen. "Man spürt, dass dieses Bauwerk mehr hat als andere. Ist es das Spirituelle? Sein Material? Jedenfalls hält irgendetwas anderes es zusammen", sagt der Architekt Rémi Fromont.

Arbeiter müssen Schutzkleidung tragen

Hochgiftiges Blei, 400 Tonnen des geschmolzenen Daches. Die Arbeiter müssen Schutzkleidung tragen. Alle paar Tage zum Bluttest. Der Film zeigt das Aussichtslose. Und wie Teil um Teil eine Rettung gelingen kann. "Die Handwerker sorgen dafür, dass die Steine halten", sagt Monseigneur Patrick Chauvet, der Domdekan von Notre Dame. "Ich muss die Seele erhalten und das ist schwierig."

Von oben wird das Ausmaß der Zerstörung deutlich.
Von oben wird das Ausmaß der Zerstörung deutlich. | Bild: NDR

Die Rettung hinterlässt Gezeichnete. "Seit sechs Monaten fühle ich mich immer wieder wie in einem Alptraum", sagt der Chefarchitekt Philippe Villeneuve. "Ich laufe und laufe und komme nicht voran. Manchmal weine ich deshalb sogar. Es ist ganz und gar nicht toll, die Verantwortung für Notre Dame zu tragen." 

Ein Jahr nach dem Brand. Jetzt kann die Kathedrale nicht mehr einstürzen. "Ich bin sehr stolz. Ich werde noch meinen Kindern und Enkeln erzählen, dass ich hier beteiligt war", freut sich Grégory Vacheron.

Nichts ist verloren, solange man kämpft.

Autor: Andreas Krieger

Die Doku im Ersten (am 13. April 2020):

Stand: 05.04.2020 19:35 Uhr

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