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Siegfried Lenz Roman "Der Überläufer" wird verfilmt

PlayJannis Niewöhner ist der Überläufer.
Siegfried Lenz Roman "Der Überläufer" wird verfilmt | Video verfügbar bis 29.03.2021 | Bild: Dreamtool Entertainment / NDR

In seinem Roman "Der Überläufer" erzählt Siegfried Lenz von der Liebe zwischen einem deutschen Wehrmachtssoldat und einer polnischen Partisanin. Es ist der zweite Roman des damals erst 26-Jährigen. Kurz nach dem Krieg darf er nicht erscheinen und verschwindet in der Schublade des Schriftstellers. Erst nach dem Tod von Siegfried Lenz 2014 wird er in seinem Nachlass entdeckt und 2016 zu einem Bestseller. 

Nun hat die ARD den Roman in einem Zweiteiler adaptiert. Regisseur ist Oscar-Preisträger Florian Gallenberger. Was zählen Freundschaft und Liebe, Pflicht und Gewissen in einer Welt aus den Fugen? 

"Der Überläufer" ein ARD-Zweiteiler

Kriegssommer 1944. Wehrmachtssoldat Walter Proska kehrt nach kurzem Urlaub pflichtbewusst an die Ostfront zurück. Und trifft auf die Frau seines Lebens. Wanda, eine Polin. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber es ist eine Liebe von und zwischen Feinden. "Der Überläufer" ein ARD-Zweiteiler nach dem Roman von Siegfried Lenz. Ein Roman der Zeit seines Lebens nicht veröffentlicht wurde.

Walter kämpft mit einer Handvoll versprengter Soldaten im Niemandsland der polnischen Wälder gegen Partisanen. Und plötzlich stehen sich Walter und Wanda wieder gegenüber. Ist Liebe stärker als Feindschaft, als ein Krieg? Für einen Moment ist sie das pure Glück.

Der Roman wird zum Bestseller

Siegfried Lenz schreibt seinen Roman Anfang der fünfziger Jahre, der Kalte Krieg steuert gerade auf seinen Höhepunkt zu. Die Liebe zwischen einem deutschen Soldaten und einer polnischen Partisanin – was für eine ungeheuerliche Provokation! Vaterlandsverrat! Der Verlagslektor warnt: "Ich halte es für äußerst gefährlich, diesen Roman zu publizieren. Er würde, was seine Gesinnung betrifft, scharf unter die Lupe genommen werden."

Literaturagent Günter Berg
Literaturagent Günter Berg | Bild: Das Erste

"Der junge Lenz war sich ganz sicher, dass er ein richtiges Buch geschrieben hat. Aber den Verlag zu bewegen, dass schaffte ein 26-Jähriger nicht. Der junge Autor hat dem Verlag einen langen Brief geschrieben. Tenor: Ja Gott, ich kann keinen anderen Roman schreiben, außer den, den ich euch geliefert habe. Und wenn ihr ihn nicht wollt, dann tun wir ihn weg. Genau das hat er gemacht. Er hat den Roman in einen Schnellhefter gepackt und in die Kiste gesteckt.", erzählt Literaturagent Günter Berg. Als Verleger bei Hoffmann und Campe hat Günter Berg das spätere Werk von Siegfried Lenz betreut. Von dem Roman wusste er nichts, bis er ihn nach dem Tod des Schriftstellers 2014 in seinem Nachlass entdeckt. 2016 wird "Der Überläufer" ein Bestseller.

Die Geschichte von Walter und Wanda

Bestsellerautor Siegfried Lenz
Bestsellerautor Siegfried Lenz | Bild: Das Erste

Die Liebe zu einer Partisanin ist nicht die einzige Ungeheuerlichkeit des Romans. Walter Proska gerät in russische Gefangenschaft. Und kann sein Leben nur retten, indem er an der Seite der Roten Armee gegen seine Landsleute kämpft. Aus eigener Erfahrung wusste Siegfried Lenz, was dieser Walter Proska durchmacht. Er selbst war als standhafter Soldat in den Krieg gezogen. Erst 1944 kamen dem Achtzehnjährigen Zweifel. Kurz vor Kriegsende desertierte Siegfied Lenz und geriet in britische Gefangenschaft. "Da gingen mir die Augen auf, in der Gefangenschaft, was in meinem Land geschehen war. Wer die Opfer waren, wessen Deutschlands sich schuldig gemacht hat.", so Siegfried Lenz. Im Roman verliert sich die Beziehung zwischen Walter und Wanda. Der Film erzählt sie weiter. Noch einmal begegnen sich die beiden. Doch der Krieg ist stärker als ihre Liebe.

Walter der Überläufer

Regisseur Florian Gallenberger
Regisseur Florian Gallenberger | Bild: Das Erste

Wie soll man leben, wo kann man Leben? Der Frieden führt Walter in den Osten Deutschlands. Er wird zum Verwalter eines neuen Systems, das für ihn auf andere Art nur das Alte ist. Ein System, das sich nur selbst schützt und Menschen dafür benutzt. Walter bleibt ein prekärer Mensch in einer zerrissenen Welt. "In einer Zeit, wo einfache Antworten auf komplexe Fragen, anscheinend das ist, was die Leute suchen. Wo man nach einfachem Rezept wieder Gut und Böse verteilt. Wo man nach einfachem Rezept mit Überzeugung glaubt, der Komplexität der Welt begegnen zu können. Ist es sehr wertvoll eine Figur zu beleuchten, die sich nicht auf die Einfachheit zurückziehen möchte.", so Regisseur Florian Gallenberger.

Walter wird noch einmal zum Überläufer – vom Osten in den Westen Deutschlands. Mit einer neuen Frau, die nun seine Lebensgefährtin ist. Bald erlebt Westdeutschland sein Wirtschaftswunder. Man schaut nicht mehr zurück, sondern nach vorn. Aber Walter wird seine Vergangenheit nicht los: Wanda.

Autor: Lutz Pehnert

Stand: 29.03.2020 19:32 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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