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Musik voll Klang und Stille

Rebecca Saunders erhält den Ernst von Siemens Musikpreis

PlayRebecca Saunders bei Proben
Ernst von Siemens Musikpreis für Rebecca Saunders | Video verfügbar bis 02.06.2020 | Bild: NDR

Ihre Musik ist vielschichtig und brachial, voller Energie und zugleich voller Stille: Rebecca Saunders gilt als eine der wichtigsten Komponistinnen unserer Gegenwart. Jetzt bekommt sie den "Ernst von Siemens Musikpreis" und steht damit in einer Reihe mit Musikern wie Karlheinz Stockhausen oder György Ligeti, Herbert von Karajan oder Anne-Sophie Mutter. Saunders lebt in Berlin und ist Professorin für Komposition in Hannover. Für sie bilden einzelne Klänge die Grundlage der Komposition, und dazu gehört auch die Art, wie ein Klang entsteht, die Stille davor und danach sowie die Geräusche dabei. Deshalb schafft Saunders oft Kammermusik, denn die Art, wie die Instrumente gespielt werden oder die Aufteilung der Musiker im Raum, sind Teile der Kompositionen.

Komponieren, sagt sie, ist Forschen. Der Ausgangspunkt sei immer der Klang. "Das Material ist der Klang, aber es ist auch alles dazwischen. Der Moment zwischen dem Klang, bevor der Klang eigentlich klingt", erklärt Saunders. Beim Komponieren denkt Saunders immer mit, dass es ein Körper ist, der den Klang hervorbringt. "Ich habe das lange nicht so benannt, aber ich habe schon als Kind komponiert. Mich selber auf Kassetten aufgenommen oder mit Klavier und Gitarre komponiert. Oder bekannte Lieder umgeschrieben... Ich wusste nicht, dass das Komponieren ist – ich hab es einfach so gemacht. Wie Kinder das so machen. Man experimentiert, man forscht, man probiert aus."

Eine Klanginstallation im Raum

Gerade wurde bei den Kunstfestspielen Herrenhausen in Hannover das Stück "Yes" aufgeführt, für das sie den Monolog der Molly Bloom aus "Ulysses" von James Joyce zur Grundlage genommen hat. Ein Text, der sie seit Jahren beschäftigt hat. "Yes" steht am Anfang und am Ende von Mollys schier endlosem Gedankenstrom. "Yes" ist eine Klanginstallation im Raum. Die Musiker sind überall. Klänge verbinden sich zu Motiven, die auf- und abtauchen wie die Gedanken der Molly Bloom kurz vorm Einschlafen.

Rebecca Saunders: "Insgesamt habe ich 28 Module, das sind 28 getrennt geschrieben Stücke, von Solo bis auf Okttett. Diese Module sind überlagert, es entsteht nicht nur eine musikalische, sondern auch eine räumliche Polyphonie. das finde ich extrem spannend, eine fast theatralische Arbeit zu entwerfen!" Der arbeitende Mund, das Atmen - Saunders vertont den Monolog nicht eins zu eins, sie verwandelt ihn in faszinierende Körpermusik. "Yes" dauert 85 Minuten und ist zugleich hypnotisch und hellwach. Ganz ans Ende setzt Rebecca Saunders das Wort, mit dem in der Musik alles beginnt: Ich! Ich denke, komponiere, singe - atme.

Die Verleihung des "Ernst von Siemens Musikpreis" ist am 7. Juni in München.

(Bericht: Lennart Herberhold)

Stand: 02.06.2019 22:23 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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