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Sound einer Widerspenstigen

Sophie Hungers neues Album "Molecules"

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Sound einer Widerspenstigen | Video verfügbar bis 05.08.2023 | Bild: dpa

Intelligente Texte, assoziative Lyrik und politisch scharfe Gedanken charakterisieren das neue Album "Molecules" der Schweizer Musikerin und Songwriterin Sophie Hunger. Seit "ttt" sie 2009 als Newcomerin entdeckte, hat die widerspenstige Poetin eine erstaunliche Karriere gemacht. Seit 2015 ist sie in den Top-Charts, schreibt Filmmusiken und findet mit jedem Album eine neue überraschende Seite ihrer selbst.

Jeder Song ist Abtauchen in eine andere Welt: "Es ist eine extrem große Machtdemonstration, Lieder zu schreiben. Man macht etwas Neues! Man sagt sich: Dieses Leben gefällt mir nicht, ich mache jetzt ein neues“, sagt Hunger.

Balladen fürs digitale Zeitalter

Wir treffen Sophie Hunger in Paris, bei den ersten Proben zur anstehenden Tour, mit fast komplett neuer Band – und frisch geschriebenen Songs. Einer davon ist "Tricks": Krautrock-Beat, Synthie-Klänge. Sophie Hunger hat die Folk-Instrumente in den Keller gepackt. Der neue "Hunger-Sound" ist elektro! "Molecules", Moleküle, heißt ihr neues Album. Es geht darin um eine Welt in Auflösung: politische Explosionen und persönliche Katastrophen. Balladen fürs digitale Zeitalter.

"Das Körperliche wird immer mehr ersetzt durch Strom, durch binäre, durch konzeptionelle Ideen. Also eigentlich die Auflösung des Menschen. Dass dann eben auch Poptexte andere Worte brauchen. Dass es passen muss in die Zeit. Man kann dann eben nicht mehr von 'birds' und so singen. Es müssen dann schon Raketen sein oder Plutonium", so Hunger.

Plutonium. Plastik. Nitroglycerin. Worte, die knallen – so wie die Wirklichkeit.

"Irgendwie ist es dieses 'ungestörte Scheitern'"

Berlin, wo Sophie Hunger inzwischen lebt, hat sie inspiriert: der Geist der elektronischen Musik. Sie lädt uns in ihr Studio ein – eine Elektro-Spielwiese!

Berlin ist für die 35-jährige Künstlerin aus der Schweiz ein Freiraum: "Irgendwie ist es dieses 'ungestörte Scheitern', was hier alle zusammen machen. Es ist so ein Trost, weil man überall sonst auf der Welt das Gefühl hat, dass alles immer besser, schneller wird. Berlin leistet aber noch immer diesen kleinen absurden, wichtigen Widerstand", erklärt sie ihr Faible für die Stadt.

Widerstand gegen die Welt, so wie sie ist. Hunger singt über Korruption, Ignoranz, fehlenden Feminismus. Aber nie explizit, sondern in lyrischen Bildern, minimalistisch. Und sie findet auch für sich selbst überraschende Bilder... selbstironisch – und voller Melancholie.

Elektronisch, aber hoch emotional: der Sound einer Widerspenstigen.

Bericht: Brigitte Kleine

Sophie Hunger "Molecules"
Caroline International/Universal Music
erscheint 31.8.2018

Stand: 06.08.2018 08:29 Uhr

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So, 05.08.18 | 23:55 Uhr

Produktion

Hessischer Rundfunk
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