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Wer hat Angst vor Schwarz?

Der nigerianische Künstler Emeka Ogboh bringt Schärfe ins deutsche Bier…

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Wer hat Angst vor Schwarz? | Bild: hr

Warum muss Bier rein sein? Und warum ist es nachts in Berlin so unerträglich still? Der nigerianische Künstler Emeka Ogboh reibt sich an Gewissheiten und an Stereotypen: den Gegensätzen zwischen Afrika und Europa - und denen zwischen Schwarz und Weiß. Emeka Ogboh beschreibt Städte mit Sound- und Videoinstallationen, und auch Essen und Gerüche gehören zu den Erfahrungen, die er verarbeitet.

"Nein zum Bier-Faschismus!"

Eigens für die documenta 14 hat er "Sufferhead" brauen lassen, ein schwarzes Bier. Die Farbe ist Symbolik, der Geschmack eine Provokation! Emeka Ogboh beim "Testtrinken" mit den Fachleuten der Kasseler Brauerei Hütt. Sein documenta-Bier. Ein Angriff auf das deutsche Reinheitsgebot.

"Nein zum Bier-Faschismus!", proklamiert er. "Das Reinheitsgebot schreibt uns doch vor, was Bier ist – oder wie es zu sein hat!" Chili im Bier - das ist für den documenta-Künstler auch ein Statement für Toleranz. Insgesamt 140 Kilo scharfe Schoten kamen als afrikanische Note in 50.000 Flaschen Bier.

Chili und Honig

Ogboh, der auch sonst mit seiner Kunst immer die Sinne anspricht, erzählt, dass neben Chili auch Honig ein typisch afrikanisches Aroma ist. Und auch der ist in seinem Bier enthalten. In der traditionell deutschen Braustube hat er mit Braumeistern und documenta-Leuten nach der richtigen Mischung gesucht.

"Ich bin für das dritte Bier. Zum einen hat das mehr fruchtige Noten, als die anderen. Und es hat mehr Schärfe – ein bisschen mehr Feuer. Da stimmt alles", sagt er. "Chili scheint überall in Afrika das Essen zu bestimmen – Afrikaner, die hier leben, sagen immer: Das Essen ist nicht scharf genug."

Schwarzbier so rar wie Afrikaner in Deutschland

In Kassel – und in Berlin, wo er lebt, hat Obgoh beobachtet, welche Rolle Essen und Trinken bei Migranten spielt: Dabei zeige sich, wie viel man von den eigenen Wurzeln bewahrt. Er selbst sei durch deutsches Essen und die Sprache schon ein bisschen deutsch geworden. Dennoch zieht es ihn immer wieder auch zum afrikanischen Fast-Food-Laden.

Auf der Straße wird der Künstler oft für einen Flüchtling gehalten. Schwarz zu sein sei in Europa ist ein besonderer Zustand, sagt er: "Das ganze Konzept des schwarzen Biers richtet auch den Blick auf die dunkle Hautfarbe. Schwarzbier ist ja in Deutschland nicht so sehr verbreitet – genauso wie wir Afrikaner."

Kopfweh eingeplant?

Schwarz? Da gibt es viele Stereotypen. Seine Werbeplakate fürs documenta- Bier führen sie uns in Kassel vor Augen. Ogboh findet: So, wie der Chili dem Bier die richtige Würze verleiht, bereichern doch Immigraten auch unsere Gesellschaft. Das mahnen die 50.000 Flaschen an. Der Name "Sufferhead" –schmerzender Kopf – ist als Warnung zu verstehen: "Ein starkes Bier – mit mehr als acht Prozent Alkohol, da droht am nächsten Tag ein dicker Schädel!"

Vor allzu heftigem Konsum warnt also der Künstler und Brauer. Unseren Kopf will er trotzdem beanspruchen: Nämlich zum Nachdenken…

Bericht: Alexander C. Stenzel

Stand: 12.06.2017 09:05 Uhr

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