SENDETERMIN So, 11.11.18 | 23:05 Uhr | Das Erste

"Reise nach Jerusalem"

Eine filmische Metapher zur modernen Arbeitswelt

PlaySzene aus "Reise nach Jerusalem"
"Reise nach Jerusalem" | Video verfügbar bis 23.12.2018 | Bild: Filmperlen

Bei Alice läuft es beruflich nicht so gut. Sie ist arbeitslos, versucht unbedingt eine Festanstellung zu bekommen. Heute hat sie ein Bewerbungsgespräch – per Skype. Die Italienerin Lucia Chiarla hat den Film gemacht. "Wir leben in einer Gesellschaft, die sich über die Arbeit definiert", sagt sie.

Seit mehr als zehn Jahren lebt die ausgebildete Schauspielerin in Berlin, beobachtet die Widersprüche in unserer Gesellschaft. Und das mit dem besonderen Blick einer Außenstehenden: "Was mich auch sehr interessiert hat ist, dass ich gemerkt habe, es gibt immer weniger Arbeit. Es gibt viel Arbeit, die verschwindet. Und es gibt viele Menschen, die etwas studiert haben und merken, ich muss mich immer anpassen, weil der Markt sich verändert", so Chiarla.

Jobsuche mit Abwärtsspirale

Flexibel, belastbar, stressresistent. Der Film zeigt die Absurditäten der Jobsuche. Wie anstrengend es ist, so zu tun, als sei man gut drauf, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Alice versucht allen etwas vorzumachen, auch ihren Freunden. Sie beugt sich dem Druck des Jobcenters, doch das Bewerbungstraining ist eine Farce. Sie bricht ab, ihre Bezüge werden gekürzt, das Geld wird knapp. Die Abwärtsspirale beginnt. Mit allen Mitteln kämpft Alice um ihre Existenz, versucht das Gesicht zu wahren. Doch langsam verliert sie den Halt.

"Das ist, was bei ihr passiert: Sie wird immer einsamer, weil sie sich schämt zu erzählen, wo sie steht. Weil sie weiß, die anderen können auch nicht viel helfen. Sie findet keine Arbeit. Und man lebt auch in einer Gesellschaft, wo man weiß, jeder erzählt gerne Erfolg, was man bekommen hat, und nicht, was nicht bekommen hat", so die Regisseurin.

"Mit Filmen kann man auch eine politische Aussage geben"

Am Tiefpunkt angekommen betäubt sich Alice mit Alkohol. Sogar in diesem Zustand schreibt sie eine Bewerbung, erfindet dabei ein Praktikum in China. Der Film lebt von der grandiosen Leistung der Hauptdarstellerin Eva Löbau und ist, trotz mancher Längen, eine gelungene Tragikomödie über ein gesellschaftliches Tabu-Thema: "Das ist der Grund, warum ich Filme mache: Mit Filmen kann man auch eine politische Aussage geben, Leute aktiv machen und Menschen thematisch sensibilisieren", findet Chiarla.

Im Leben von Alice gibt es endlich einen Wendepunkt: Auf ihre vom Rausch inspirierte Bewerbung wird sie zu einem Gespräch eingeladen. Wie das ausgeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Bericht: Carola Wittrock

"Reise nach Jerusalem" läuft ab dem 15.11.2018 im Kino

Stand: 12.11.2018 12:18 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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