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Der Finanzgigant "BlackRock"

Einflussreicher als jedes Unternehmen der Welt

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Der Finanzgigant "BlackRock" | Bild: hr

Die Zentrale eines Imperiums: BlackRock in Manhattan – niemand auf der Welt beherrscht so viel Kapital: Aktien, Anleihen, Devisen – der Gigant saugt Geld rund um den Globus auf, um es gewinnbringend anzulegen.

Die Journalistin und New-York-Korrespondentin Heike Buchter kennt die internationale Finanzwelt seit 20 Jahren. In ihrem Buch "BlackRock" legt sie die Dimension dieses Giganten offen, dessen Größe und Macht selbst sie überrascht hat: "Wie, wenn die Titanic auf den Eisberg aufläuft und dann stellt man fest, wie tief der eigentlich nach unten geht. Das hat es in der Form noch nicht gegeben. Daneben verblassen eben auch Institutionen wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank."

Die "heimliche Weltmacht"

Eine gewaltige Geldmaschinerie, die wie ein Krake die Arme überall ausstreckt. Auch in Deutschland gibt es kaum ein Unternehmen, an dem BlackRock nicht irgendwie beteiligt ist. "Morgens wenn Sie ihre Margarine aufs Brötchen schmieren, dann sind das Produkte von Unternehmen, an denen BlackRock beteiligt ist", so Buchter. "Wenn Sie in einer Wohnung von Vonovia leben, dann ist dahinter als Investor ebenfalls BlackRock. Sie steigen in ihren Smart – auch da ist BlackRock beteiligt."

In alle Dax-notierten Unternehmen hat "BlackRock" investiert - und durchdringt damit auch die deutsche Wirtschaft mit weitreichendem Einfluss. Doch die meisten haben hierzulande keine Ahnung von "BlackRock". Auch nicht vom Mann an seiner Spitze.

Insider sagen, Unternehmensgründer und CEO Larry Fink sei mächtiger als der amerikanische Präsident. Der große Aufstieg gelang ihm mit dem weltweit größten Analyseprogramm, das alle denkbaren Marktrisiken erfasst: "Aladdin", ein Elektronik-Superhirn, das "BlackRock" im Imagefilm und auf seiner Website vorstellt. "Aladdin" beobachtet Zinsbewegungen, Rohstoffpreise, Ereignisse auf der ganzen Welt. Und errechnet im Sekundentakt die besten Anlagestrategien. Ein Wissensvorsprung, der zusammen mit der Vernetzung in die internationalen Führungsetagen "BlackRock" zur "heimlichen Weltmacht" werden ließ, wie Heike Buchter in ihrem Buch analysiert. 

"Dadurch, dass BlackRock eben zum Beispiel Regierungen berät, bei Notenbanken ein- und ausgeht, an jeder Ecke des Finanzmarkts mitspielt, haben die eine Möglichkeit, Information anzusaugen, wie sonst kein Finanzkonzern der Welt." Wie lässt sich solch ein Konzern kontrollieren? Es gibt keine Institution, die all seine Tätigkeiten multinational beaufsichtigen könnte. "Und es ist zum Teil eben auch gelungen, durch massives Lobbying hier in den Vereinigten Staaten, aber auch in Brüssel und anderswo, Gesetze zu verhindern, die eine striktere Regulierung von solchen Vermögensverwaltern wie es BlackRock ist, einzuführen."

Finanzwirtschaftliche Ideologie in der Politik

"BlackRock" verwischt die Grenzen zwischen Wirtschaft und Politik. Ein Beispiel: der CDU-Politiker Friedrich Merz, bis vor kurzem Aufsichtsratschef von "BlackRock" Deutschland – der mit steuerlich geförderten Aktien die Altersversorgung aufstocken wollte. "Friedrich Merz ist aus meiner Sicht ein besonders schöner Fang für BlackRock. Denn der Mann ist nicht nur aus der Politik zu BlackRock gegangen, sondern er geht jetzt durch die Drehtür hindurch wieder zurück in die Politik. Dabei hat er – und das kann man an seinen Aussagen über Aktiensparen erkennen – ein Stück weit die Denke, die Mentalität von BlackRock mitgenommen."

Für Heike Buchter ein Beispiel für einen grundlegenden Wandel der Politik, die sich in den letzten Jahren der Ideologie der Finanzwirtschaft angepasst hat. Im Vordergrund steht immer der maximale Gewinn.

"BlackRock" höhlt die Idee der sozialen Gerechtigkeit aus

Heike Buchter entlarvt das soziale und umweltfreundliche Image, das sich "BlackRock" neuerdings gibt, wenn Larry Fink weltweit Konzernchefs zum Öko-Denken ermahnt, aber gleichzeitig "BlackRock" zu den größten Besitzern von Aktien der Öl- und Gasriesen gehört und immer wieder in der Kritik für Investitionen steht, die Raubbau zur Folge haben.

Und: "BlackRock" höhlt die Idee der sozialen Gerechtigkeit aus, wenn sie in New York, aber auch in Deutschland Geringverdiener aus ihren Wohnungsprojekten vertreiben. Weil sie die Mieten massiv erhöhen – während die Wohnqualität rapide sinkt.

Larry Fink fordert im eigenen Konzern immer wieder auch ethisch verantwortungsvolles Handeln ein. Aber auf Geschäfte zum Beispiel mit Saudi-Arabien wird keineswegs verzichtet. So auch, als die ganze Welt entsetzt auf den Mord am Journalisten Khashoggi reagierte, für den wohl der saudi-arabische Kronprinz verantwortlich ist. "Kurz darauf hat Larry Fink, der Gründer von BlackRock, zwar den Investment-Gipfel in Saudi-Arabien boykottiert", erzählt Buchter, "aber es hat nicht lange gedauert: Wenige Monate später hat BlackRock eine Filiale in Saudi-Arabien eröffnet." Um beim Börsengang des Ölkonzerns Aramco, dem größten aller Zeiten, einen Fuß in die Tür zu kriegen.

Ein Appell, genauer hinzuschauen

Heike Buchter will mit ihrem Buch BlackRock nicht verdammen – aber sie appelliert an alle, auch an kleine Anleger, genauer hinzuschauen. Sie sagt: "Sie lesen bei jedem Joghurtbecher die Zutatenliste durch rauf und runter und stellen sicher, dass da nichts drin ist, was unverträglich wäre. Wenn wir aber unser Geld irgendwo weggeben, an einen Vermögensverwalter, sei es BlackRock oder irgendein anderer, dann fragen wir nicht ganz so oft nach, wo das Geld denn landet und was mit dem Geld passiert und was dieses Geld anrichtet womöglich."

BlackRock verwaltet aktuell sieben Billionen Dollar. Es ist letztlich unser Geld, mit dem das Unternehmen arbeitet. Ein Finanzsystem im Finanzsystem selbst – nahezu unreguliert. Es wird Zeit, dass der große Tanker BlackRock nicht mehr unter dem Radar segelt.

Beitrag: Alexander C. Stenzel

Heike Buchter "BlackRock: Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld"
320 Seiten, 29,95 Euro
Campus Verlag, 16. September 2020

Stand: 13.09.2020 23:05 Uhr

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