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Ólafur Eliasson

Atemberaubende neue Ausstellung in London

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Ólafur Elíasson ist ein Künstler-Star. Er brachte die Sonne ins Museum. Es kamen zwei Millionen Menschen. Trotzdem ein poetisches Erlebnis. Er ist der Meister des Lichts – und der Elemente: 2008 schuf er Wasserfälle in New York. Ein magisches Naturschauspiel mitten in der Metropole. Gerade hat er seine bislang größte Schau in der Tate Modern eröffnet.

Was sehen wir in seiner Kunst? Was ist wirklich? Was ist Wahrnehmung und was ist wirklich an der Wahrnehmung? Wir sind es, die diese Fragen beantworten sollen. Elíasson sagt: "Beim Angucken schaffe ich ja die Geschichte in dieses Bild. Ich gucke mir das Bild an und dann projiziere ich meine Gefühle, meine Träume, meine Ideen, meine Gedanken in das Bild hinein. Und so ist es manchmal auch ein bisschen Arbeit ins Museum zu gehen. Das ist nicht wie in den Supermarkt zu gehen und zu sagen: 'Jetzt geht es mir aber gut.' Wir sind hier, um uns selber zu hinterfragen. Um uns selber zu untersuchen und uns selber auch im Kontext von der großen Welt zu sehen."

Die Natur als Inspirationsquelle

Genau darum ging es ihm schon 2014, als er Gletschereis  aus Grönland geholt hat– bis nach Europa. Ein gemeinsames Projekt mit Geologen. Er möchte die Schönheit des Eises erfahrbar machen – und die große Dramatik des Klimawandels:  in nur wenigen Wochen wird es verschwunden sein. Denn ein positives Erlebnis kann dazu führen, dass wir unser Verhalten ändern. Auch das ein Impuls, diesmal aus der Neurowissenschaft. "Ganz grundsätzlich fragt ja die Wissenschaft: Wie? Wie ist die Welt zustande gekommen?", so Elíasson. "Und ganz fundamental fragt ja eher die Kunst: Warum? Warum ist die Welt zustande gekommen? Wir sollten auch nicht so tun als wäre das das Gleiche. Das sind einfach verschiedene Sprachen und verschiedene Modelle.

In seiner Arbeit finden sie zusammen. Ólafur Elíasson hat viele Inspirationsquellen, eine wichtige ist die Natur in Island: "Island heißt für mich arktische Landschaft, welche extrem langsam ist und sehr fragil – ja auch deswegen. Meine Eltern sind ja isländisch. Von daher war ich auch als Kind extrem viel in der Natur unterwegs. Und mein Vater war Künstler und ist als Maler eher konventionell in der Natur herumgelaufen und ich, als kleines Kind, war dabei."

Dokumentationen des Klimawandels

Bis heute zieht es ihn immer wieder hin. Viele seiner Ideen entstehen hier. Bereits vor 20 Jahren hat er eine Fotoserie zu Gletschern gemacht. Gerade dokumentiert er in einem neuen Projekt die Veränderungen, die der Klimawandel angerichtet hat. "Die erste Fotoserie habe ich ehrlich gesagt einfach gemacht, weil ich die Gletscher fantastisch und schön finde", erzählt der Künstler. "Ich habe im Jahr 1998 nicht gedacht, dass wir mit dem Klima da sein werden, wo wir heute sind."

Wasser – und Licht. Eine Installation, bei der ein Regenbogen entsteht. Sichtbar und unsichtbar, da oder gar nicht da? Wirklich, aber nur in unserer Wahrnehmung. Isländisches Moos – ein Werk von 1994. Fast prophetisch wirkt es heute. "Die Moos-Wand", erzählt Elíasson, "das war für mich so – man kann ja auch eine Architektur, aus Moos oder aus Natur oder aus Ökologie machen. Und heute wissen wir, da gibt es jetzt Hochhäuser die grün sind, Wände sind überall mittlerweile grün. Und das ist natürlich toll dass eine so alte Arbeit irgendwie total aktuell ist."

Licht, Wahrnehmung, Begegnung

Erfahren, erleben – Wissen, das durch Wahrnehmung entsteht. Körperlichkeit und Bewegung, die zu Erfahrung führt. Ólafur Elíasson spielt damit. Manchmal tanzt er Breakdance auf dem Dach seines Berliner Studios. Hier ist sein Labor und seine Denkfabrik. Eine Kunst–Maschine steht dort gerade. 120 Kreative – Handwerker, Wissenschaftler, Architekten arbeiten mit ihm zusammen. Nur so gelingen die großen Kooperationen mit Klimaaktivisten, der UN, dem Weltwirtschaftsform – und auch mit der Privatwirtschaft. Er arbeitet auch mit BMW, IKEA oder Louis Vuitton, ist Teil der Promi-Welt. Und trotzdem unabhängig? Er sagt: "Als Künstler bin ich schon, würde ich behaupten, sehr kritisch. Ich passe auch auf, mit wem ich arbeite. Und das ist ganz wichtig dass der private Sektor auch da mitgenommen wird, denn wir sollten nicht vergessen, es ist ja nicht so, dass der kulturelle Sektor und öffentliche Sektor nur noch progressiv sind. Manchmal ist ja der private Sektor auch sehr progressiv, das ist einfach so."

Die Tate Modern zeigt einen umfassenden Einblick in die Welt dieses Multi-Kommunikators. Ein besonderes Highlight: Der Nebelgang. Eine orientierungslose Raumerfahrung voller Licht, sie schafft Momente für Assoziationen. Und Begegnungen. "Auf einmal ist es so, als würde dir die Kunst zuhören", so Elíasson. "Und die Kunst sagt dir nicht, das musst du so oder so machen. Die Kunst redet nicht runter, sie hört dir zu." Und wenn wir auch zuhören, dann entsteht die Aufmerksamkeit, die wir brauchen für die Welt.

Bericht: Katja Deiß

Stand: 15.07.2019 03:26 Uhr

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