SENDETERMIN Mo, 15.10.18 | 04:43 Uhr | Das Erste

"Bad Bank"

Dirk Laabs über Aufstieg und Fall der Deutschen Bank

PlayDirk Laabs
"Bad Bank": Dirk Laabs über Aufstieg und Fall der Deutschen Bank | Video verfügbar bis 14.10.2019 | Bild: hr

Dirk Laabs, Journalist und Filmemacher enthüllt in seinem Buch "Bad Bank" Unfassbares: die Deutsche Bank als Hauptverursacher der Finanzkrise. Gier und Narzismus bringen ein ganzes System zu Fall: "Das ist so ein irres Thema", sagt Laabs. "So eine mächtige Bank auf dem Weg nach unten. Das hat man nicht so oft. Wann kann man schon mal so einen mächtigen Konzern sozusagen wie so ein Pathologe sich angucken?"

"Wenn es eng wird, dann kommen die Anwälte"

Laabs hatte interne Dokumente. Man bat ihn, seine Ergebnisse nicht zu veröffentlichen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland brauche doch eine starke Deutsche Bank. Dann wurde gedroht, man würde ihn mit Klagen überziehen! "Permanent! Wo man auch ein bisschen sieht, wie die früher gespielt haben, sehr hart, sehr dreckig, wo man ein bisschen ein Gefühl dafür kriegt, was die so gewohnt waren, die Strippenzieher innerhalb der Deutschen Bank und mit was die so durchkommen. Also, wenn es eng wird, dann kommen die Anwälte, dann kommen die PR-Agenturen, dann wird Druck gemacht, dann darf man sich halt nicht einschüchtern lassen", so Laabs.

"Die Deutsche Bank war mit treibende Kraft"

Das hat er nicht. Er zerlegt den Mythos: Die Bank sei gut durch die Krise gekommen, sie hätte kein Geld vom Staat genommen, sie hätte gerade mit ihrem besonderen Sachverstand die Finanzkrise bewältigt. Auch wegen des Drucks auf Journalisten wurde diese Erzählung bis heute verbreitet. Laabs deckt auf: alles Lüge! Die Deutsche Bank war nicht nur betroffen, sie hat die Krise wesentlich verursacht. Sie ist eine "Bad Bank".

"Die Deutsche Bank", sagt Laabs", war mit treibende Kraft im Vorfeld der Finanzkrise, die haben diese Schrottpapiere in der ganzen Welt verteilt, bis es dann irgendwann zusammenbrach. Und trotzdem hat es die deutsche Bank geschafft, nach der Finanzkrise diese Narration durchzusetzen, durch den Chef Josef Ackermann, einfach immer dreist weiterlügen, einfach weiter zu sagen, uns ging's immer gut, wir waren die einzigen, die professionell gehandelt haben – auch wenn die Zahlen etwas völlig anderes sagten. Das ist schon faszinierend, wie man mit dieser Geschichte überhaupt durchgekommen ist, dass die Leute nicht in Gelächter ausgebrochen sind."

Zocken bis es crasht

Auch die Politiker glaubten dem Märchen, fasziniert von den Bankprofis, die ihnen erklärten, dass das Derivate- Modell die Wirtschaft stärken würde. In Labs Film "Geheimakte Finanzkrise (2018)" sagt Ex-Finanzminister Hans Eichel: "Und dann kommt ein Warren Buffett, der dann mal darüber redet, was da wirklich passiert und dass die Derivate so etwas wie finanzielle Massenvernichtungswaffen sind. Das hätten uns auch hochbezahlte, hoch verantwortliche deutsche Banker sagen können und wir hätten andere Gesetze vielleicht dann gemacht."

Vielleicht! Haben sie aber nicht! Deutschbanker vor allem in London und den USA zockten mit Milliardenbeträgen ohne Rücksicht auf Verluste - bis es crashte. Im gleichen Film sagt Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble: "Früher hieß es ja immer, wenn wir die Banken möglichst wenig regulieren, dann läuft das alles viel besser. Irgendwann hatten wir sie so dereguliert, dass sie sich selbst zerstören konnten. Und dann musste natürlich der Steuerzahler, also die dumme Politik einschreiten, um das Überleben zu sichern."

"Der deutsche Staat wird am Ende schon bezahlen"

Im Oktober 2008 bürgen der Finanzminister und die Kanzlerin für die Spareinlagen der Deutschen. Der Staat übernimmt die Rechnung, die deutsche Bank profitiert. "Das hat mir jetzt ja ein aktiver Deutsch-Banker, der Chefökonom gesagt, das war unser Geschäftsmodell", berichtete Laabs. "Wir haben das Geld am Markt billiger gekriegt, weil die Geschäftspartner davon ausgegangen sind, im Endeffekt haut uns eh der deutsche Staat raus. Werden die Zinsen ja auch niedriger, ist ja klar. Man darf nicht vergessen, auch die Deutsche Bank war hochverschuldet. Es gibt ja dieses Wort des Hebels Leverage, das klingt dann immer ganz toll, Leverage Hebel, das ist die Verschuldungsquote, die war gigantisch bei der Deutschen Bank, d.h. die hatten einen Euro oder einen Dollar genommen und den bis zu 48 mal beliehen. So, und warum ging das? Weil die Geschäftspartner dachten, na ja, der deutsche Staat wird am Ende schon bezahlen und so war's ja auch! Und das hat man eingepreist, damit hat man sozusagen dieses Imperium aufgebaut."

Der Aufstieg zur Weltbank gelang mit zwiespältigen Mitteln, Laabs recherchierte über Jahre. Er erzählt auch von den handelnden Personen – von einem Selbstmord, von Intrigen und Charakterschwächen. Eiskalt haben die Banker Anleger betrogen und am Ende den Absturz der Bank herbeigeführt.

"Irgendwann crasht es, die Frage ist nur wann"

Im Film "Geheimakte Finanzkrise", sagt Schäuble: "Wenn Sie sich denn die aktuelle Situation der Deutschen Bank anschauen, na ja, ganz übern Berg – um es höflich zu sagen, sind sie immer noch nicht."

Späte Schadenfreude - ohne Wirkung! Die Regierung hat die Gelegenheit nicht ergriffen, mit dem Geld, das man in die Banken steckte, auch endlich die so dramatisch fehlenden Regulierungen einzuführen. Heute werden mehr Derivate gehandelt als vor der Krise – nominell sind es 442 Billionen!

"Dieses System, dass die Banken aus dem Nichts Geld schöpfen und Werte schaffen, dass die Verschuldung darüber immer weiter steigt, was nicht immer unbedingt zusammenhängt, aber das ist momentan gekoppelt, aber das fiktive Geld wird immer größer, die Kugel wächst an und der kleine Teil des realen Teils bleibt so groß, das kann auf Dauer nicht funktionieren, haben mir auch alle gesagt , eigentlich sagt die Logik, irgendwann crasht es, die Frage ist nur wann", so Laabs.

Im Film "Geheimakte Finanzkrise", sagt Folkerts Landau: "Ich wäre überrascht, wenn wir in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht wieder eine sehr schwere Krise erleben würden. Ich glaube, da kommen eine Reihe von Elementen zusammen, die mich buchstäblich nachts wach halten."

"Bad Bank" ist ein erschütterndes Buch. Leider ist es keine Fiktion.

Bericht: Uli Bremer

"Bad Bank -Aufstieg und Fall der Deutschen Bank" von Dirk Laabs, DVA

Stand: 28.08.2019 13:23 Uhr

3 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

Mo, 15.10.18 | 04:43 Uhr
Das Erste

Produktion

Hessischer Rundfunk
für
DasErste