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Zukunft ohne Hoffnung - "Cyberpunk 2077"

Das Videospiel "Cyberpunk 2077" ist eine Dystopie in Neonfarben

PlayCyberpunk 2077
Zukunft ohne Hoffnung | Video verfügbar bis 15.11.2021 | Bild: hr

Sie sind Spieler. Und Geschichtenerzähler.

"Was passiert, wenn die großen Konzerne noch mächtiger werden, wenn sie noch alle kleinen Firmen aufkaufen? Und was passiert, wenn der amerikanische Präsident, den wir gerade haben noch, zehnmal wiedergewählt wird? Wo geht die Reise hin?"

Angekommen im Endzeitkapitalismus

Die Reise geht nach Night City. Ein Moloch an der amerikanischen Westküste. Cyberpunk 2077 ist halb Film noir, halb pessimistische Science Fiction. Gangs verbreiten Chaos und Schrecken, genau wie die Privatmilizen riesiger Konzerne. Genre-typisch fragt das Spiel, wo Menschlichkeit beginnt, und wo sie endet. Körpermodifikation sind in Night City an der Tagesordnung.

"Unser Spiel spiegelt den Endzeitkapitalismus wider, wo die Welt letztendlich von riesigen Konzernen kontrolliert wird", sagt Miles Tost, Senior Level Designer des Spiels. "Und wenn wir uns zum Beispiel die Polizei in unserem Spiel angucken, das NCPD, das Night City Police Department, deren Zuständigkeitsbereich hört im Prinzip da auf, wo der der Konzerne anfängt."

Das Wichtigste: Immersion.

Die technischen Möglichkeiten: fast grenzenlos. Staatliche und moralische Strukturen: fast verschwunden. Miles Tost hat diese Dystopie mitentwickelt.  Etwa vier Jahre lang saß er daran, gemeinsam mit 500 Kolleg*innen. Ein Mammutprojekt des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt RED, bekannt geworden mit dem Blockbustergame "Witcher 3". Das Spiel um den Hexer Geralt von Riva war so erfolgreich, dass es zur Vorlage einer Netflix-Serie wurde, der erfolgreichsten im Jahr 2019.

"Als wir anfingen, an Cyberpunk zu arbeiten, ging es mir auch um einen technologischen Sprung", erzählt Paweł Sasko, Lead Quest Designer des Spiels. "Das wichtigste war die Immersion. Dass ich als Spieler in die Welt von Cyberpunk eintauchen kann. Wir haben viel daran gearbeitet, einen hohen Spielfluss herzustellen. Wenn ich mich als Spieler durch die Stadt bewege und neue Charaktere treffe, habe ich keinerlei Schnitte, keine Unterbrechungen. Als Spieler bin ich die ganze Zeit im Spiel und das führt dazu, dass die Erlebnisse in der Geschichte mich sehr berühren."

Das Studio positioniert sich

Der Spieler schlüpft in die Rolle von "V", einem Söldner. Es geht um die Überwindung einer letzten Grenze, unsere Endlichkeit. "V" ist auf der Suche nach einem Biochip, der ewiges Leben verspricht. So viel ist klar. Der Rest, den entscheiden die Spieler. Wo ist "V" aufgewachsen? Mit welchen Cyberimplantaten wird "V" ausgestattet? Auch bei Aussehen und Geschlecht verschwinden Grenzen. V kann männlich, weiblich oder auch transgender sein. Noch immer eine Provokation für viele. Und im katholisch geprägten Polen ein Reizthema.

Miles Tost sagt: "Ich denke schon, dass das nicht nur in Polen, aber da auch, relativ viel Kritik geerntet hat. Als Studio positionieren wir uns da aber sehr, sehr klar. Und ich als Individuum finde es auch sehr gut, dass wir das tun. Unser Studio wirbt damit, dass wir ein Umfeld für Kreativität aus allen Geistern und aus allen Lebensbereichen sind und wir da wirklich eine sehr offene Politik betreiben."

Das Studio positioniert sich klar. Als in Polen Frauen gegen das verschärfte Abtreibungsgesetz auf die Straße gehen, zeigte sich Ciri aus "Witcher 3" mit rotem Blitz – dem Symbol der Proteste. "Bei CD Projekt arbeiten sehr viele Frauen”, so Sasko. "Und für uns ist es wichtig, dass man wirklich jede Gruppe beachtet.” CD Projekt RED steht auch für dieses andere Polen – jenseits von katholischer Kirche und Pis-Partei. Das Land hat sich zum kreativ-Hotspot für Gaming entwickelt. Polen ist der viertgrößte Exporteur von Videospielen, vor Deutschland und den USA.

Ein düsterer, trauriger aber auch aufregender Spielplatz

Fabian Döhla, Pressesprecher von CD Projekt RED sagt: "Ich bin jetzt seit sieben Jahren dabei und was mir direkt am Anfang positiv aufgefallen ist, dass es generell wohl ein Teil der polnischen Natur ist, nicht ganz so viel zu reden und nicht ganz so eine große Klappe zu haben."

Es ist ein absolutes Mammutprojekt. Entstanden, spätestens seit der Pandemie, auch im Home Office, überall auf der Welt. Inklusive alter Bekannter: Keanu Reeves hat eine Hauptrolle übernommen.

Der Spieler wird in diese offene Welt hineingeworfen. Die Möglichkeiten, sich im Spiel zu bewegen, sind individuell – und beeindruckend. Ein düsterer, trauriger aber auch aufregender Spielplatz. "Anders als im Film ist es bei uns nicht so, dass eine Story komplett einfach von A nach B festgelegt zu Ende erzählt wird", so Tost. "Sondern der Spieler kann an einer Vielzahl an Möglichkeiten im Spiel Entscheidungen treffen. Und diese Entscheidungen sorgen dafür, dass die Story sich anpasst, verändert und eben unterschiedlich entwickelt." Was heißt es in dieser Welt Mensch zu sein? Wie reagieren die Spieler?

Kein schwarz-weiß, sondern alle Graustufen

"Was die Spieler so zu schätzen wissen", sagt Tost, "ist, dass sie ein bisschen mit ihrer eigenen Moral konfrontiert werden. Und dadurch entwickelt sich dann auch eine sehr, sehr persönliche Geschichte, weil sie eben sehr stark vom moralischen Kompass des eigenen Spielers jeweils abhängt."

Nichts im Spiel ist eindeutig schwarz-weiß. Wie ein guter Film Noir kennt auch Cyberpunk alle Graustufen. Und Neonlichter, die sich in Pfützen spiegeln.

Eine Welt, in der ein Happy End nicht vorgesehen ist.

Bericht: Wero Jägersberg

"Cyberpunk 2077"
CD Projekt Red, 58,19 Euro
10. Dezember 2020

Stand: 16.11.2020 11:22 Uhr

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Produktion

Hessischer Rundfunk
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