SENDETERMIN So, 16.06.19 | 23:05 Uhr | Das Erste

Madonna

Kämpferisch und politisch wie nie zuvor

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Madonna | Video verfügbar bis 16.06.2020 | Bild: ttt

Wir treffen die Legende Madonna und fragen erst mal nach dem neuen Album, "Madame X". Darauf zu hören: viel Latin Music – sie singt auch spanisch und portugiesisch. Die Augenklappe trägt sie jetzt wohl immer, auch beim Interview. Seit ein paar Jahren lebt sie in Portugal, dort ist auch das Album entstanden.
"In Lissabon Musik zu machen ist eine magische Erfahrung", erzählt sie uns. "Um klar zu machen, was das heißt: es gibt nur ein einziges Tonstudio in Lissabon. Und da gibt es noch nicht mal eine Türklinke. Die Tür zum Studio hat noch nicht mal eine Klinke. Das Leben ist sehr einfach dort. Es gibt Einschränkungen aber diese Einschränkungen animieren dich tatsächlich, viel kreativer zu sein."

Madonnas Mission

Diesmal hat sie sich eine besondere Rolle ausgedacht, ein multiples Alter-Ego: Sie ist Agentin der Gerechtigkeit, Heilige, Hure, Mutter, Freiheitskämpferin. Und diese "Madame X" hat eine Mission: "Es passieren eine Menge verrückte Dinge in der Welt. Wenn man das sieht, wenn man sich kümmert, dann muss man doch darüber sprechen."
Madonna packt ihre Überzeugungen in kurze Textzeilen. Ihr geht‘s um LGBT, Gerechtigkeit, Ausgrenzung, Unterdrückung. In "Dark Ballet" erzählt sie die Geschichte von Johanna von Orleans, die für ihre Überzeugungen auf dem Scheiterhaufen landet – dargestellt vom Transgender-Künstler Mykki Blanco. "Der Grund, warum ich Mykki Blanco gewählt habe, um Johanna von Orleans zu spielen", sagt Madonna, "war, dass ich das Gefühl habe, er steht für Menschen, die irgendwie eine moderne Johanna von Orleans sind. Die immer noch für das kämpfen müssen, woran sie glauben, die sich Sorgen machen müssen, die ständig ihre Entscheidungen und ihren Lebensstil verteidigen müssen und die einfach diskriminiert und verfolgt werden."

Madonna, der Name ist Programm. Seit über 30 Jahren arbeitet sie sich ab an Kreuz und Katholizmus. Provozierte den Papst, die Kirche. Religionskritik war das aber nie, vielmehr Stilmittel und vor allem Inspiration. "Meine Mutter war eine sehr devote Katholikin und das hat mich fasziniert", erzählt sie. "Sie war von der Idee begeistert, das Leben so zu leben wie Jesus. Sie hat stundenlang auf rohem Reis gekniet und gebetet oder auf Kleiderbügeln geschlafen und Dinge getan, um sich körperlich zu bestrafen, damit sie die Leiden Jesu verstehen konnte. Das faszinierte mich und hat mir etwas klargemacht: diese Perversität von Religion und die Idee, sich zu opfern."

Sexistische Angriffe

Mit ihrem Live-Gesang zu "Like A Prayer" wurde Madonna vor ein paar Wochen selbst zum Opfer: Die "Queen of Pop" habe sich beim ESC entthront, hieß es hämisch. Mit 60 gehörten Frauen nicht mehr auf die Bühne, sollten sie in "Würde altern" schrieben die Männer in Tagesspiegel, Zeit und Welt. Altersrassismus und Sexismus – das muss so wohl nur eine Frau ertragen. Madonna sagt dazu: "So war es doch schon immer für Frauen, wir wurden immer als zweitklassig wahrgenommen. Das ist ein andauernder, lebenslanger Jahrhundertkampf."

"Madame X" will die Welt einen

Madonna, das ist Pop, das ist Pathos, das ist Verkleidung, das kann man gut oder schlecht finden, sie könnte am laufenden Band Liebeschnulzen produzieren, aber Madonna hat was zu sagen und nutzt ihre Popularität. Schon vor Jahren zeigte sie bei einem ihrer Auftritte ein Video, in dem Marine Le Pen mit einem auf die Stirn gemalten Hakenkreuz zu sehen war. Längst sind es nicht mehr nur sexuelle Befreiung, Feminismus und Kirche, die Madonna antreiben. "Der Faschismus in der rechtskonservativen Politik wird immer stärker, aber es gibt auch viele Menschen, die sich dagegen wehren", sagt sie. "Leute, die sich für die Freiheit einsetzen und an den Dingen festhalten wollen, die wir so hart erkämpft haben, wie zum Beispiel die Homo-Ehe oder das Recht einer Frau, selbst zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper macht. Ich meine, das sind Rechte, für die wir viele Jahre gekämpft haben. Es findet gerade eine Revolution zwischen zwei Seiten statt. Aber wir müssen auf dieser Seite hier lauter werden und härter zurückschlagen."

Die meiste Stücke auf ihrem neuen Album haben eine politische Botschaft, die Musik ist ein Mix aus vielen Kontinenten. "Madame X" will die Welt einen. Sie sagt: "Angst erzeugt Ignoranz, Ignoranz erzeugt Angst, und das sind meine Feinde. Für mich geht es also darum, Menschen zu bilden und zu inspirieren. Und die Leute dazu zu bringen, zu sehen: Wir haben alle mehr gemeinsam, als wir denken."

Bericht: Tom Klecker

Madonna "Madame X"
Audio-CD: 12,99 Euro
Universal Music, 14.06.2019

Stand: 17.06.2019 09:05 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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