SENDETERMIN So, 17.11.19 | 23:05 Uhr | Das Erste

Cool, feministisch, umwerfend

Die Musikerin Alli Neumann macht ihr Ding

PlayAlli Neumann

Ein süßes Pop-Sternchen? Alli Neumann bricht lieber mit Klischees. Nicht nur in ihren Videos spielt und kämpft sie mit so manchem Monster. Sie findet, es ist Zeit für neue Popmusik in Deutschland. Ihr Endgegner: Die Musikindustrie, in der noch immer eher Männer den Ton angeben. "Da muss einfach wieder Popmusik hin, die Denkanstöße liefert", so Neumann. "Dafür sind wir eigentlich da, die Kultur. Es kann ja nicht sein, dass wir hinterher ziehen."

Drastische Texten gegen drastische Ungleichheit

Alli Neumann ist nichts für schwache Nerven. In ihren Texten und Videos müssen schon mal Männer dran glauben. Warum mit solcher Drastik? Weil die gewachsenen Machtstrukturen eben auch erdrückend sein können. "Sich einfach auch in die körperlich starke Position zu stellen und die emotional unabhängige Position und das einmal komplett durchzuziehen", sagt Neumann. "Natürlich ist das alles metaphorisch. Ich hab' noch nie 'nem Exfreund eine reingeschlagen und noch keinen zerstückelt – you never know, could happen – aber bis jetzt: gewaltfrei durchs Leben. Es geht einfach um das Bild, die Message, mit der ich in die Musikindustrie gehen möchte. Das war 'ne Warnung!"

Alli Neumann hat schon immer Musik gemacht, auch kurz mal die Schule abgebrochen, um Sängerin zu werden. Aber es hat gedauert, bis sie sich befreit hat von dem, wie andere sie gerne sehen wollen. Ihre Vision von einer besseren Welt: "Unabhängig davon – nicht nur, ob du Mann oder Frau bist, sondern auch, welche Religion du hast, Herkunft, egal was, welche Körpergröße du hast – grundsätzlich sollte es 'ne Gleichstellung geben. All diese Dinge, die man selbst gar nicht bestimmen kann sollten niemals entscheiden, wo deine Möglichkeiten anfangen und aufhören. Und deshalb bin ich auch Feministin."

Dass Neumann lange nicht auf Deutsch singen wollte, lag nicht nur an ihrer Liebe zum Blues, sondern auch daran, dass ihr der deutsche Wohlfühlpop widerstrebt. "Wir haben ja die große Schlagerkultur. Es ist ja so 'ne Theorie, an die ich auch ein bisschen glaube, dass nach dem Krieg alles so grauenhaft war, dass man dachte: Wie können wir uns jetzt beschallern, betäuben, verstrahlen mit einfacher Musik und müssen uns nicht mit der Schuld, mit der Last, mit der Vergangenheit konfrontieren? Und das hat sich, glaube ich, leider einfach getragen."

Der Weg zur eigenen Identität

Alli Neumann liebt es zu "spielen" – auch im Film. Das Drama "WACH" war im letzten Jahr für den Grimmepreis nominiert. Darin versuchen zwei Freundinnen so lange wie möglich nicht zu schlafen. Ein krasser Trip durch zwei Teenager-Seelen.

Sie war nicht immer so selbstbewusst. Sie ist in Nordfriesland aufgewachsen, doch die ersten sechs Jahre lebte sie in Polen. Ihre Mutter ist Polin. Dann kaufte ihr Vater, ein Antiquitätenhändler und Architekt, einen alten Bauernhof in der Nähe von Flensburg. Sie wächst mit ihren Schwestern zwischen Schafen und Skulpturen auf. Und fühlt sich schnell fremd. "Damals war es die direkte Konfrontation mit den Polenklischees. Wenn was gefehlt hat, wurde in meinem Rucksack nachgeguckt oder solche komischen Sachen. Es war mir auch damals unangenehm, ich wollte damals, dass meine Mutter nicht ans Telefon geht, weil man gehört hat, dass sie aus Polen ist. Das war unangenehm, ist aber immer besser geworden."

Seit Alli Neumann erlebt, wie selbstbewusst andere Communities zu ihrer Herkunft stehen, hat sie ihre Haltung geändert. Klischees? Kein Endgegner für sie. "An 'nem gewissen Punkt hat mein Verstand mir gesagt: Schau dich mal in deinem Haus um, du wirst niemals normal sein, und die Anpassung, das ist 'ne Mission Impossible in meinem Fall."

Bericht: Grete Götze

Tourdaten:

28.11.19 Leipzig, Naumanns
29.11.19 Münster, Gleis 22
30.11.19 Frankfurt, Brotfabrik
01.12.19 München, Milla
05.12.19 Köln, Helios 37
06.12.19 Berlin, Berghain Kantine

Stand: 17.11.2019 23:05 Uhr

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So, 17.11.19 | 23:05 Uhr
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Produktion

Hessischer Rundfunk
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