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Sebastião Salgado

Ein "Humanist des Blicks"

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Sebastião Salgado. Er ist der Friedenspreisträger dieser Buchmesse. Der brasilianische Fotograf hält seit mehr als 30 Jahren die Schönheit, das Leid und die schreiende Ungerechtigkeit dieser Welt in seinen Fotos fest – immer Schwarz-Weiß.

Salgado, der "Humanist des Blickes"

Eine Höllenszenario, 50.000 Männer getrieben und geschunden durch die Gier nach Gold: Es ist Salgados erstes großes Foto-Projekt. Eine Dokumentation über Minenarbeiter in Brasilien. Fotografiert 1986. "Ich habe 35 Tage mit diesen Bergleuten verbracht. Ich hatte kein Hotel. Ich habe mit ihnen gelebt, gegessen… das ist ein Teil meines Lebens und wenn ich die Bilder sehe, bin ich so glücklich, weil ich all diese Menschen kenne", erzählt Salgado.

Salgado, der "Humanist des Blickes" – auf der Buchmesse wurde niemand häufiger fotografiert als er. 1969 flüchtete er das erste Mal vor der brasilianischen Militärdiktatur nach Paris. Seitdem hat er 120 Länder bereist. "Eines Tages – ich weiß nicht warum – begann ich die Welt so zu fotografieren, wie ich sie sehe, meine Geschichten zu erzählen, die mir ein großes Anliegen sind."

Menschen  in verzweifelten Situationen, Salgados Fotos haben etwas zutiefest menschliches, grundsätzliches. 1991: die brennenden Ölquellen in Kuweit. 1994: das Grauen des Völkermordes in Ruanda. Bilder, an denen Salgado selbst zerbrach. "Der Völkermord hat mich tief getroffen. Ich wurde total krank und ging zum Arzt: 'Helfen sie mir!' Doch der sagte: Sebastião, Du bist nicht krank! Du stirbst. Medizinisch bist du gesund, aber wenn Du nicht aufhörst diese Geschichten zu fotografieren… stirbst du." Es ist der Wendepunkt in seinem Leben. Salgado geht mit seiner Frau zurück nach Brasilien. Gründet das "Instituto Terra" und forstet das brache Farmland seiner Familie wieder auf – 2,5 Millionen Bäume wurden dort bisher gepflanzt. Ein paar Jahre später findet er zurück zur Fotografie. Sein bekanntestes Werk "Genesis" ist eine Hommage an die Erhabenheit der Natur.

"Ich bin kein Aktivist"

Wim Wenders, der die Laudatio auf den Friedenspreisträger hielt – würdigte bereits 2014 das Lebenswerk Salgados mit seinem Oscar nominierten Film "Salz der Erde". "Man merkt es den Bildern an", so Wenders, "dass da eine andere Beziehung ist und dass da einer ist, der auch diese Beziehung will, der nicht nur das Bild will sondern auch erzählen will, was es mit diesen Leuten auf sich hat – der sich einlässt. Ich habe erst langsam überhaupt begriffen, was für ein Lebenswerk dahintersteht und das hinter dem Leben als Fotografen nochmal ein ganz anderes Leben steht, nämlich als Umweltschützer und als Pionier – weil das wusste niemand, dass man Regenwald neu pflanzen kann. Und allein dafür hätte er ja heute schon allein den Friedenspreis verdient."

Salgado hat die zukünftige Generation, eine Gruppe Schüler, zur Diskussion seiner Arbeit eingeladen. "Sehen Sie sich selbst als  Aktivist?", fragt eine Schülerin. Und Salgado antwortet: "Nein, ich bin kein Aktivist. Weißt Du, über mich wurde schon gesagt: Ich sei ein Aktivisten-Fotograf, ein Wirtschaftsfotograf, Fotoreporter, aber all das bin ich nicht. Fotografie ist eine Art zu leben, es ist mein Leben."

Der Erhalt der Schöpfung ist unser aller Auftrag

Aktuell kämpft er für den Regenwald und gegen den autoritären brasilianischen Präsidenten, den er mit verantwortlich macht für die Brände am Amazonas. "Um den feuchten Regenwald in Brand zu setzen", so Salgado, "musst du ihn vorher töten. Als Bolsonaro ins Amt kam, ist genau das passiert. Die Farmer begannen, die Bäume zu töten."

Die Zukunft der Menschheit liegt in unseren Händen, sagt Salgado. Er sieht es als Auftrag, uns für den Erhalt der Schöpfung einzusetzen, aufzuwachen und unseren Lebensstil radikal zu ändern.

Autor: Sven Waskönig

Stand: 21.10.2019 09:02 Uhr

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