SENDETERMIN So, 20.10.19 | 23:05 Uhr | Das Erste

Wie mit rechten Kräften umgehen?

PlayRichard David Precht

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der Zeit:

"Ja ich glaube, dass wir, am Ende von verschiedenen Ären leben sozusagen. Am Ende der Ära Merkel, das ist evident. Wir leben auch am Ende der Dominanz des Westens und auch am Ende des Zusammenhaltes des Westens. Wir leben am Ende der fossilen Ära und das ist eine so große Aufgabe. Es sind so viele große Aufgaben, dass man sich gerne in Lethargie flüchtet in eine totale Ablehnung all dieser Probleme, in ein Leugnen der Herausforderungen, in denen wir stehen. Und dieses Leugnen nennt man, wenn es aggressiv wird, Rechtsextremismus."

Richard David Precht, Philosoph und Publizist:

"Ich glaube, das ist eine Folge des Identitätsverlustes und deswegen ist es auch im Osten besonders stark. Das heißt also, die Menschen, die Lebenswelt der Menschen verändert sich schneller als die Menschen des nachvollziehen können. Und die wollen viele dieser Veränderungen nicht. Sie machen es an zum Teil falschen Symptomen fest, indem sie sich auf bestimmte Sichtbarkeiten beziehen. Es ist erstaunlich, dass die Menschen mehr Angst vor Migranten haben, als vor dem was künstliche Intelligenz mit dieser Gesellschaft machen kann. Aber das gehört natürlich zur Tradition und zur Geschichte immer dazu, dass Menschen die Angst und nicht die Intelligenz und die Klugheit haben, wirklich zu erkennen, wer sie bedroht, sondern auf die Falschen einschlagen. Das haben wir so oft in der Geschichte erlebt und deswegen wundert es auch nicht, dass es gerade wieder passiert."

Claus Leggewie, Politikwissenschaftler:

"Warum glauben so viele Leute, es gäbe keinen Klimawandel? Das liegt daran, dass die Rechte es systematisch geschafft hat, die Institutionen in Verruf zu bringen. Das ging los mit dem Rechtsstaat. Das Volk steht über dem Recht sagen die. Es ging weiter mit den Medien, alles ‚Fake News‘. Das ging weiter mit der Wissenschaft, alles gekaufte, verlogene Studien. Das heißt, es ist der Rechten gelungen, ein Klima des generellen Verdachts zu erzeugen – gegenüber allen Institutionen. Und das ist das Wesen des Faschismus."

Sascha Lobo, Autor:

"Es kommt den Rechten nicht darauf an, an einer Debatte teilzunehmen. Sie möchten die Debatte zerstören. Ihnen ist die liberale Debatte, die Meinungsfindung, ein Dorn im Auge."

Sophie Passmann, Autorin:

"Ein Umgang ist auf jeden Fall, nicht jedem Nazi sofort ein Mikro unter die Nase zu halten und zu sagen: ‚Was, du hast menschenfeindliche Sachen gesagt? Sag‘s nochmal, wir drucken es!‘"

Saša Stanišić, Autor:

"Klammer sie aus! In den Neunzigern hast Du doch auch nicht die NPD jedes Mal in eine Talkshow gesetzt. Und dann sind sie eben gedümpelt bei vier Prozent. Du machst es sichtbar, Du machst ihre Positionen, die, die ja menschenverachtender nicht sein könnten, publik und normal. Also das ist einfach eine total falsche Strategie. Da gibt es nichts, was diskutabel ist."

Robert Habeck, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen:

"Björn Höcke schreibt in seinem Buch – das ich wirklich niemandem zur Lektüre empfehle, aber es gibt Leute die haben es gelesen, ich habe das jetzt getan: ‚Wenn wir uns nicht durchsetzen können in der politischen Mehrheit, dann ziehen wir uns in die Gebiete in Ostdeutschland zurück, bewaffnen uns und bleiben da in Deckung bis wir so viele sind, dass wir den Staat übernehmen können. Und wenn wir den Staat übernehmen‘, das schreibt er darin, dann machen wir kein Pardon mehr.‘ Dann kann man sich überlegen, was er damit wohl meint. Klar, es ist Björn Höcke und man denkt: ‚Ey, der schreibt da so ein komisches Buch‘. Aber die Dinge passieren ja. Also wir sind auf einer anderen Stufe der Eskalation."

Stand: 21.10.2019 09:13 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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