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Hollywoodstar Matthew McConaughey exklusiv

In seinem Buch "Greenlights" erzählt er von den Abenteuern seines Lebens

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Hollywoodstar Matthew McConaughey über sein Buch "Greenlights" | Video verfügbar bis 28.03.2022 | Bild: IMAGO / AAP / Dan Himbrechts

Er ist an einen Ort gefahren, wo er alleine sein kann, hat seine alten Tagebücher dabei, will Rückschau auf 50 Jahre Leben halten. Am Ende ist daraus ein Buch geworden. Er ist Schauspieler, ein Star, Oscarpreisträger, bekannt durch Meisterwerke wie "Interstellar": Matthew McConaughey.

"Es brauchte 15 Jahre um den Mut zu fassen, all meine Tagebücher zu schnappen", sagt er, "um mich dem zu stellen, was da drin stand. Ich befürchtete Unangenehmes, Scham und Schuldgefühle und genauso wars dann auch."

Die ungeschönten Wahrheiten seiner Familiengeschichte

Und er hat es zu Literatur gemacht. Da wäre die "Liebes"-Geschichte seiner Eltern, die schon vor seiner Geburt zum zweiten Mal miteinander verheiratet waren und sich noch einmal scheiden ließen um sich dann zum dritten Mal zu heiraten. Sie sind eine texanische Arbeiterfamilie, irischer Abstammung, drei Kinder. McConaughey erzählt von einem Mittwochabend 1974: Seine Mutter serviert dem Vater das Abendessen, er will Nachschlag, sie schimpft ihn Fettwanst.

»Das war's. Dad warf den Esstisch um, ich wusste was jetzt kam.«

Die Mutter schlägt ihrem Mann die Nase blutig, geht mit dem Küchenmesser auf ihn los, er überschüttet sie mit Ketchup. Dann plötzlich eine tierische Umarmung.

»Sie fielen auf die Knie und dann auf den blutigen, ketchupbedeckten Linoleumboden der Küche… und liebten sich.«

"Wenn ich darüber nicht die Wahrheit schreiben würde, dann wäre ich ja nur mit dem halben Arsch dabei und würde eben nicht 'meine' Geschichte erzählen. Die Leute sagen: 'Oh, das ist aber so ungeschützt, so gewalttätig!' Ja, aber das gehört eben alles zu dieser 'Lovestory'", sagt Matthew McConaughey.

In der Familie gibt es Werte, Erwartungen, Konsequenzen. Nicht hassen, niemals lügen, immer für seine Überzeugungen einstehen. Die Methoden sind rau. Den Vater müssen sie so lange "Sir" nennen, bis sie sich gegen ihn behaupten können. Dafür provoziert er auch mal einen Kampf. Mit einer Holzlatte schlägt der Älteste ihn bewusstlos, als der Vater zu sich kommt, ist er… gerührt! "Er wollte, dass seine drei Jungs buchstäblich in der Lage sind, für ihre Überzeugungen zu kämpfen", erzählt Matthew McConaughey. "Es war ein Übergangsritual und das schöne Ende dieser Geschichte ist, wie mein Vater meinen Bruder umarmt und weint. Bei mir war es, als ich Dad anrief und sagte, ich will nicht mehr Jura studieren, sondern Film. Er fragte: 'Das willst du wirklich?' Ich sagte: 'Yes, Sir!'"

Die Ampelphasen des Lebens

In Austin, Texas, studiert er Filmregie. Als Regisseur Richard Linklater in der Stadt einen Film dreht, bekommt er mit anderen Amateuren eine Mini-Nebenrolle und spielt sich in den Vordergrund. Jetzt will er Schauspieler sein, packt seinen Pickup, fährt zum allerersten Mal nach Hollywood, schläft auf der Couch seines Bekannten und erreicht: nichts. Keinen einzigen Vorsprechtermin, seine Ampel steht auf Rot. McConaughey sagt: "Eine rote Ampel bremst uns aus, wir mögen das nicht auf unserer Lebensautobahn, auch wenn es eine Zeit der Selbstreflexion ist, aber wir brauchen sie. Manchmal ist sie ein erzwungener Winter in unserem Leben."

Er ordnet seine Geschichten ein: War es eine grüne, gelbe oder rote Lebensphase? Die verstörenden Erlebnisse, das Hässliche und das Dunkle spart er nicht aus. Im Rückspiegel sieht er, dass auch diese Phasen zu grün wurden, weil sie ihn weiterbrachten.

Ein Leben voll Stoff für Schriftstellerhände

"Greenlights" nennt er sein Buch. In Hollywood schaltet der Zufall die Ampel auf Grün, der völlig Unbekannte kriegt die Hauptrolle. "Die Jury" ist für den jungen Texaner der Durchbruch. "Ich hatte ein wenig diesen "Nicht-verdient-Komplex" so ein Hochstaplersyndrom", erzählt McConaughey. "Als hätte ich Zeit übersprungen. Warum ich? Ich bin doch dieses Kleinstadtkind aus Uvalde in Texas, 8.000 Einwohner. Warum kriege ich das alles? Warum kommen die Leute zu mir mit Champagner und Kaviar, der rote Teppich, die Backstagepässe. Ich dachte: Habe ich das wirklich verdient?"

Sein Weg führt Richtung Ruhm, aber er biegt lieber ab. Er kauft sich einen Karavan, lebt in Trailerparks. Da sind die Leute geerdeter, man lässt ihn in Ruhe. Eine Zeit der Freiheit, des Reisens. In trockener schmuckloser Sprache wunderbare, verrückte Geschichten: auf dem Amazonas spirituelle Erlebnisse, Boxkämpfe bei einem Stamm in Mali, anrührend, humorvoll. Stoff für Schriftstellerhände – und die hat er. Er beschreibt, wie er sich für eine Rolle 20 Kilo herunterhungert und sich mit jedem verlorenen Kilo immer geistreicher fühlte. Ein Film über Aids: "Dallas Buyers Club". Der Stoff galt als Kinokassengift, doch Matthew McConaughey verdient mit seinem Spiel den Oscar.

Ein Leben ohne Schauspielerei?

Längst wohnt er wieder in Texas. Nach dem Kälteeinbruch vor Kurzem gab es Todesfälle, kein Strom, kein Wasser, Notunterkünfte. McConaughey sammelt Spenden. Er hat ein Benefizkonzert organisiert, Musiker wie Post Malone und Kelly Clarkson eingespannt und seit letztem Sonntag schon acht Millionen Dollar zusammengebracht.

McConaughey kann sich ein Leben ohne Schauspielerei vorstellen. Er sagt: "Ich kann mir vorstellen, Dirigent zu sein, oder ein Naturführer. Und ich habe darüber nachgedacht, Prediger zu werden."

Prediger? Er scheint es ja ziemlich ernst zu meinen. Aber: es gibt auch Gerüchte, er würde sich für ein politisches Amt warmlaufen.

Beitrag: Ulrike Bremer

Matthew McConaughey "Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen"
304 Seiten, 22 Euro
Ullstein Hardcover, März 2021

Stand: 28.03.2021 23:05 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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