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Musik in Corona-Zeiten

Sting und Melody Gardot im Duett

PlaySting und Melody Gardot bei Dreharbeiten zum Musikvideo von "Little Something"
Musik in Corona-Zeiten: Sting und Melody Gardot im Duett | Video verfügbar bis 01.11.2025 | Bild: rbb

Es ist auch ein Promotion-Event, das da – kurz vor der zweiten Corona-Welle – in einer Villa bei Florenz stattfindet: Sting und Melody Gardot nehmen zusammen ein Musikvideo auf. Der ehemalige "Police"-Star, der inzwischen zum Weltmusiker avancierte und die gefeierte amerikanische Jazz-Chanteuse haben im November neue Alben am Start. Aber "Little Something", so heißt das in Florenz verfilmte, gemeinsam vorgetragene Lied, ist auch der Versuch, der von COVID 19 gebeutelten Musikbranche ein Hoffnungslicht aufzustecken. Denn selbst Superstars, ihrer Auftrittsmöglichkeiten und ihres Live-Publikums beraubt, können einsam sein. Im "ttt"-Interview, am Ende eines langen Tages, sprechen Sting und Melody Gardot über das, was sie groß gemacht hat.

Songs voll wunderbarer Geschichten

Melody Gardot beim Musikvideo-Dreh
Die weltweit gefeierte Jazz-Chanteuse Melody Gardot veröffentlicht ihr neues Album "Sunset In The Blue" | Bild: rbb

"Don't call me lover, stop thinking about it, I'm not like the others..." – Ein Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder los wird. Melody und Sting sehen sich zum ersten Mal, gewissermaßen ungeschützt – das Lied haben sie wegen der Pandemie an verschiedenen Orten eingespielt. Am Set: Coronatest für alle. Florenz und damit auch Stings nahegelegener Weinberg ist Risikogebiet. Aber reden wir von Musik!

"Sting ist in seiner Karriere über die Grenzen der musikalischen Genres gegangen. Und er erzählt in seinen Songs immer wieder wunderbare Geschichten", sagt Melody Gardot. Die erfolgreichste Story hieß: "Police". Von den drei New-Wave-Rockern hatte ER jedenfalls das größte Ego. Weshalb selbst "Police" nur Episode blieb. "Na ja, ist doch klar: Eine Band ist wie eine Teenager-Gang, und wenn du ein Teenager bist, ist das super. Aber wenn du reifer, erwachsen werden willst, kannst du dich nicht mehr auf die Gang verlassen. Du musst auf deinen eigenen Füßen stehen", sagt Sting dazu. "Für mich geht es in der Musik um Entdeckungen. Das ist wie bei einer spirituellen Reise: Du kommst niemals ans Ende, du kommst niemals an."

Musik als Therapie

Für Melody Gardot, die in Paris lebende, weltweit gefeierte Jazz-Chanteuse, begann der Weg zum Ruhm mit einem – um ein Haar tödlichen – Fahrradunfall, nach dem sie zeitweise ihr Gedächtnis verlor. Zu singen half ihr über das psychische Trauma. "Das hat eine fundamentale Rolle bei meiner Genesung gespielt. Der Musik und überhaupt: dieser schrecklichen Erfahrung verdanke ich meinen Erfolg, und damit meine ich eigentlich: mein Leben." Auch für Sting hat Musik therapeutische Wirkung: "Melody‘s Geschichte ist extrem, aber viele von uns kennen das Geschenk, das die Musik uns macht: Sie kann Therapie sein – auch für mich war sie das."

Kämpft seit 30 Jahren für den Regenwald in Brasilien: Der ehemalige "Police"-Star Sting
Kämpft seit 30 Jahren für den Regenwald in Brasilien: Der ehemalige "Police"-Star Sting  | Bild: rbb

In den 80ern wird Sting belächelt, weil er als Popstar im Regenwald die Welt retten will. Damals gründet er seine Rainforest Foundation und redet uns auf Deutsch ins Gewissen: "Hier sehen Sie den Urwald um 1900. Heute. Und hier, wie er in 30 Jahren aussehen wird. Wenn die Abholzung so weitergeht, wird die Lunge unserer Erde zerstört." Corona hat auch die Tragödie am Amazonas aus dem Bewusstsein verdrängt. Sting liegt die Rettung immer noch am Herzen: "Was jetzt gerade in Brasilien geschieht ist entsetzlich. Dreißig Jahre meiner Arbeit sind im Grunde gescheitert. Aber deshalb darf ich doch nicht die Hoffnung aufgeben. Wir brauchen den strategischen Optimismus, dass der politische Wille sich wieder ändert. Ich lebe in Hoffnung!"

Zuversicht und Vernetzung in Corona-Zeiten

"From Paris with love": Für dieses Lied vernetzte Melody Gardot im April, mitten im ersten Lockdown, Jazzmusiker aus aller Welt zu einer Online-Produktion. Global auch der Dank der Fans: Gemeinsam gegen das Alleinsein. "Alles stand still. Also kontaktierte ich Musikerkollegen, die nicht mehr auftreten konnten, die für die Musik lebten  – und dann plötzlich diese totale Stille. Ich tat es aus Solidarität, aus Brüderlichkeit mit denen, die Corona zeitweise zum Verstummen gebracht hat", sagt Melody Gardot. Sting geht es ähnlich: "Es ist auch bei mir eine Weile her, dass ich zuletzt vor großem Publikum gespielt habe. Natürlich will ich wieder auf die Bühne, aber wir brauchen Geduld. So schnell wird das nichts werden. Es sind seltsame Zeiten. Wir wissen nicht, was kommt."

Es sind nur ein paar Blicke und Gesten, ein herzwärmendes Lied. A Little Something, ein kleines bisschen, nennen wir’s ruhig: Zuversicht in diesen Corona-Zeiten. 

Autor: Andreas Lueg

Stand: 01.11.2020 18:29 Uhr

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So., 01.11.20 | 23:05 Uhr

Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
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