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Ein Boot, acht Menschen, eine Frage: Wie wollen wir leben?

Ein Gedankenexperiment auf dem Main

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Wie wollen wir leben? – Ein Gedankenexperiment auf dem Main | Video verfügbar bis 24.10.2022 | Bild: ARTE

Kann dieses Experiment gelingen?

Wie wollen wir leben? Kurz vor Beginn der Buchmesse schickt eine ARTE Aktion acht Autoren und Künstler:innen auf ein Boot. Eingeschlossen mit dieser Frage.

"Ist ein bisschen wie Big Brother", sagt Mithu Sanyal
"Ich fänd‘s mega, wenn wir konkret werden würden" sagt Raul Krauthausen.

8 Stunden haben sie Zeit.

"Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, dann an jeder Ecke, an der ich mich bewege", bemerkt Mithu Sanyal. "Dann bin ich damit konfrontiert, dass ich eigentlich gezwungen werde, nicht nachhaltig zu leben. Ich gehe im Supermarkt ein, alles ist in Plastik verpackt."
"Also da muss ein Paradigmenwechsel in den Köpfen stattfinden. Sogar radikal", sagt Francis Keré.
"Ich hätte auch total Bock, mit euch eine Liste von Verboten zu schreiben. Also was müssten wir eigentlich ab morgen verbieten?", meint Van Bo Le-Mentzel.
"Gefängnisse verbieten!", sagt Mithu Sanyal.
"Vielleicht einfach mal eine utopische Liste von Verboten", sagt Van Bo Le-Mentzel.
"Ich finde die ganze Verpackungsproblematik unheimlich gut, die könnte man sofort ändern", erwidert Katharina Grosse.
"Ja, ich komme aus einer Kultur von Verboten und Manipulation. Mit Verboten fangen die schlechten Sachen an!", sagt Dmitry Glukhovsky.

Kann dieses Experiment gelingen? Ohne Spielregeln, ohne Form und Moderation – eingepfercht in einem blauen Dieseltank sind sie sich einander ausgeliefert. Eine radikale Bedingung für das Entwerfen einer Zukunftsvision.

Ein Gamechanger muss her

Doch eine Nachricht dreht plötzlich die Diskussion: Eine Schwarze Autorin sagt ihren Auftritt auf der Buchmesse ab. Denn auch rechte Verlage dürfen ausstellen.

"Wieviel Toleranz haben wir gegenüber Intoleranten, die die Meinungsfreiheit ausnutzen?", fragt Raul Krauthausen.
"Ich möchte mir das nicht anhören. Wenn jemand sagt: 'Ich möchte keine Schwarzen in meiner Umgebung haben, das ist eine Sorge, die ich habe.' Das möchte ich mir einfach nicht anhören", sagt Van Bo Le-Mentzel.
"Ich möchte nicht die ganze Zeit darüber reden, dass Menschen, die offen ihren Hass ausleben, dass Menschen, die andere Menschen verfolgen, die in Chemnitz Leute jagen, dass wir deren Handlungen entschuldigen und sagen, sie haben Abstiegsangst", bemerkt Daniel Schreiber.
"Im Moment ist unsere Idee irgendwie: Wir müssen rausfinden, wer sind die Bösen und dann müssen wir gegen die Bösen kämpfen", sagt Mithu Sanyal. "Ich glaube, das funktioniert als Narrativ nicht. Natürlich brauchst du persönlich kein Verständnis für Nazis zu haben. Na klar, natürlich nicht. Das ist ja irgendwie Quatsch. Aber einfach zu sagen, das sind die bösen Menschen, als Analyse hilft uns das nicht weiter."

Ein Gamechanger muss her.

Auf der Tischdecke werden sie manifestiert: die Notizen für die Zukunft.

Daniel Schreiber kapert die Küche. Er war früher in New York hochklassiger Koch. "Du sollst nicht naschen."
Ein simpler Trick, der funktioniert. Zusammen kochen, essen und gestalten.
"Wir brauchen ja so ein paar Ergebnisse. Und ich finde, wir sollten tatsächlich jeder Sätze aufschreiben", meint Daniel Schreiber.
"Ich habe gerade gedacht, wir wollen zusammen leben", sagt Katharina Grosse.
"Was mich immer noch umtreibt, ist dieses, wie unterschiedliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden, wie können wir uns gegenseitig unterstützen?" sagt Mithu Sanyal.
"Da ist auch der Gedanke drin, dass wir nicht auf Kosten eines anderen Gesellschaftsteils Entscheidungen treffen dürfen, die uns selbst betreffen", erwidert Katharina Grosse.
"Wenn wir sagen Vielfalt ist normal, dann müssen wir Orte der Begegnung von Vielfalt ausbauen", sagt Raul Krauthausen.
"Um fortzusetzen, ich würde sagen, unsere Unterschiede sind nicht so wichtig, als unsere Ähnlichkeiten", meint Dmitry Glukhovsky.

Auf der Tischdecke werden sie manifestiert: die Notizen für die Zukunft. Und von dort zur Buchmesse getragen. Mit ihnen aber auch die Diskussion um den Umgang der Messe mit rechtsextremen Positionen.

"Der Elefant im Raum, den wir natürlich auch mitbekommen haben, war, dass auch auf dieser Messe Raum gegeben wird für Menschen mit rechten Gesinnungsgut und dass das dazu führt, dass es Menschen gibt, die sich nicht auf die Messe trauen. Und wir wollten uns hiermit solidarisch bekennen, zu den Menschen die Angst haben", sagt Raul Krauthausen.


Bericht: Mariska Lief

Stand: 24.10.2021 20:00 Uhr

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