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"Untold Stories"

Peter Lindbergh im Museum Kunstpalast Düsseldorf

PlayUma Thurman, New York 2016
"Untold Stories" - Peter Lindbergh | Video verfügbar bis 02.02.2021 | Bild: Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris)

Er hat die Ausstellung selbst kuratiert: Peter Lindbergh, einer der berühmtesten deutschen Modefotografen. Zwei Jahre hat er an der Präsentation gearbeitet. "Als ich meine Fotos das erste Mal an der Wand im Ausstellungsmodell gesehen habe, habe ich mich erschreckt, aber auch positiv. Es war überwältigend, auf diese Art vor Augen geführt zu bekommen, wer ich bin", hat er in einem Interview im Juni 2019 gesagt. Die Fertigstellung hat er nicht mehr erlebt. Am 3. September 2019 ist er im Alter von 74 Jahren in Paris gestorben. Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf zeigt jetzt 140 Arbeiten aus den frühen 80er Jahren bis heute, von denen viele noch nie in einer Werkschau zu sehen waren.

Mehr als nur Mode

Ausstellung von Peter Lindbergh
Die Vorbereitungen sind in vollem Gange | Bild: WDR

Kate Moss, Linda Evangelista, Naomi Campbell – Peter Lindbergh hat sie alle vor der Kamera gehabt. In den 90er-Jahren prägte er die Ära der "Supermodels" und wurde weltweit zum führenden Fotografen. Dabei hatte er seine ganz eigene Vorstellung von Schönheit. Die Models sollten bei den Shootings vor allem eins sein: ganz sie selbst. Wie kein anderer schaffte er es, nahe an sie heranzukommen und ein Stück ihrer Seele sichtbar zu machen. Möglich sei das nur mit gegenseitigem Vertrauen, hat er immer wieder betont. Peter Lindbergh, der mit seinen Bildern die Schönheitsstandards in der Modefotografie neu definierte, war davon überzeugt, dass die Modefotografie mehr ist als die Präsentation von Mode. "Sie ist Bestandteil der Gegenwartskultur."

Auf der Suche nach dem "besonderen Wahrheitsfaktor"

Peter Lindbergh
Der große Fotograf Peter Lindbergh | Bild: Stefan Rappo

In seinen Porträts inszenierte er Persönlichkeiten und spielte, von der Filmsprache beeinflusst, mit dem Typ der starken, selbstbewussten Frau. Namhafte Designer buchten ihn für ihre Kampagnen. Rockstars wie Tina Turner, Mick Jagger und Madonna zählten genauso zu seiner Kundschaft wie Uma Thurman, Sharon Stone und Catherine Deneuve. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen bestimmten die Modefotografie seit den frühen 80er-Jahren. "Die Schwarz-Weiß-Fotografie hat immer einen besonderen Wahrheitsfaktor", hat er einmal gesagt. Vom Retuschieren hielt er nichts. Seine Fotos zeigen jede Pore, jedes Haar, jede Falte und jede Sommersprosse. Sie erzählen Geschichten, die weit über die Glamourwelt der Mode hinausweisen.

Das ist auch das Ziel der aktuellen Werkschau: "die Fotos zu öffnen für andere Lesarten und Perspektiven", so Lindbergh im Juni 2019. Die Ausstellung umfasst drei Teile mit zwei großen Installationen. Die Filminstallation "Testament" aus dem Jahr 2014 zeigt eine fast völlig unbekannte Seite von Lindberghs Werk. Sie ist Teil einer Serie, in der er zum Tode verurteilte Häftlinge porträtierte – wie den Mörder Elmer Carroll, den er 30 Minuten lang mit seiner Kamera durch einen Einwegspiegel beobachtete.

Ein Kind des Ruhrgebiets

Peter Lindbergh, bürgerlich Peter Brodbeck, wurde 1944 in Lissa in Polen geboren. Nach dem Krieg wuchs er in Rheinhausen mitten im Pott auf, einer Landschaft, die seine frühen Schwarz-Weiß-Bilder prägten. Eigentlich wollte er Künstler werden. Zur Fotografie kam er eher zufällig. Sein Bruder bat ihn, sich eine Kamera zu kaufen und seine Kinder zu fotografieren. Eine Aufgabe, die den damals 27-Jährigen begeisterte und nie wieder losließ. Er studierte zunächst Malerei und wurde später Assistent eines Werbefotografen.

Peter Lindbergh, "White Shirts"
"White Shirts" von Peter Lindbergh | Bild: WDR, dpa


Sein Durchbruch als Modefotograf gelang ihm 1978 mit einer Serie im "Stern". Danach folgten Engagements bei allen namhaften internationalen Modemagazinen und Hochglanzgazetten. Innerhalb weniger Jahre galt er als der Starfotograf der internationalen Modewelt. Im November 1988 fotografierte Lindbergh das Cover für Anna Wintours erste Ausgabe der amerikanischen "Vogue". Die Bilder brachen jede Regel der Branche: junge Frauen am Strand, inszeniert in übergroßen weißen Hemden – natürlich, schön und revolutionär. Sein Bild von Linda Evangelista, Karen Alexander, Christy Turlington, Estelle Lefébure, Tatjana Patitz und Rachel Williams am Strand gilt als Ikone in der Modefotografie. Gearbeitet hat Peter Lindbergh bis zu seinem Tod. Sich zur Ruhe zu setzen, war für ihn keine Option. Ab 1985 gingen seine Werke in großen Ausstellungen rund um die Welt. "Untold Stories", die erste von ihm selbst kuratierte, ist bis zum 1. Juni 2020 in Düsseldorf zu sehen.


Autorin des TV-Beitrags: Susanna Schürmanns

Stand: 03.02.2020 08:59 Uhr

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