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Musiker, Revolutionär und Volksheld

Zum Tod von Mikis Theodorakis

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Zum Tod von Mikis Theodorakis | Video verfügbar bis 02.09.2022 | Bild: ARD

Er war einer der ganz großen Künstler Griechenlands. Legendär die Musik, die er für den Oscar-prämierten Kultfilm "Alexis Sorbas" komponierte. "Sorbas' Tanz" gilt bis heute als heimliche Nationalhymne und Inbegriff griechischer Lebenskunst. Unvergessen aber auch sein politisches Engagement gegen Barbarei und Unterdrückung. Jetzt ist Mikis Theodorakis im Alter von 96 Jahren gestorben.

Widerstandskampf und erste große Erfolge

Mikis Theodorakis
Unvergessen: Mikis Theodorakis | Bild: imago images/ANE Edition

Mikis Theodorakis hat über 1000 Werke geschrieben, darunter viele Lieder, die zum Volksgut geworden sind, Symphonien, Kantaten, Oratorien und Opern. Weltweit bekannt wurde seine Vertonung des Canto General, Pablo Nerudas Gedichtzyklus über den Kampf Lateinamerikas gegen den Kolonialismus.

 Am 29. Juli 1925 auf der Insel Chios im Ägäischen Meer geboren, träumte er schon als Kind von einer Musikerkarriere. Sein erstes Konzert gab er im Alter von 17 Jahren. Doch der Krieg machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Während der deutschen Besatzung kämpfte er im Widerstand. Im griechischen Bürgerkrieg von 1946 bis 1949 schloss er sich der linken Volksfront an, wurde mehrfach verhaftet und gefoltert.

In den 50er Jahren konnte er das geplante Musikstudium abschließen, ging nach Paris und feierte erste internationale Erfolge. 1960 kehrte er nach Athen zurück und widmete sich der griechischen Volksmusik. Mit seinen Um- und Neukompositionen wurde er für viele seiner Landsleute zur Leitfigur bei der Suche nach einer modernen griechischen Identität.

Im Exil

Nach dem Putsch der Militärjunta am 21. April 1967 ging Theodorakis in den Untergrund. Schon wenige Tage später veröffentlichte er den ersten Aufruf zum Widerstand. Seine Musik wurde verboten, er selbst mehrfach verhaftet und im Sommer 1968 in ein Konzentrationslager verbannt. Erst mit Unterstützung einer internationalen Solidaritätsbewegung, angeführt unter anderem von Leonard Bernstein, Dmitri Schostakowitsch, Arthur Miller, Yves Montand und Sir Laurence Olivier, kam er frei und wurde 1970 nach Frankreich abgeschoben.  Im Exil setzte er seinen Widerstand fort, trat weltweit bei großen Konzerten auf und begegnete Politikern wie Gamal Abdel Nasser, Josip Broz Tito, François Mitterand, Olof Palme und Willy Brandt.

Als Nationalheld gefeiert

Mikis Theodorakis
Mikis Theodorakis Mitte der 1980er Jahre | Bild: akg-images

1974, nach dem Sturz der Diktatur, kehrte er in seine Heimat zurück und wurde als Nationalheld gefeiert. Wie schon in den 60er Jahren wurde er Abgeordneter im griechischen Parlament, setzte sich für die griechisch-türkische Aussöhnung ein und war von 1990 bis 1992 sogar Staatsminister. Auch bei internationalen Konflikten meldete er sich zu Wort – so mit seinem Protest gegen die Nato-Bombardierung Jugoslawiens 1999 und 2003 gegen den Irak-Krieg. Während der Euro-Krise kritisierte er scharf die von der EU erzwungene griechische Sparpolitik.

Als Künstler hat er die griechische Kulturszene wie kaum ein anderer geprägt. Er war Generalmusikdirektor des Symphonie-Orchesters und Chores des griechischen Rundfunks und Fernsehens, trat als Dirigent seiner eigenen Werke auf und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt.

Auch wenn er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, war seine Meinung bis zuletzt gefragt. Seine Stimme wird nicht nur in Griechenland fehlen. 

Autor: Max Burk

Stand: 07.10.2021 13:58 Uhr

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