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"Crazy – Leben mit psychischen Erkrankungen"

Fotoausstellung in Berlin

PlaySibylle Fendt: Gärtners Reise
"Crazy – Leben mit psychischen Erkrankungen" | Video verfügbar bis 03.02.2020 | Bild: Sibylle Fendt/Ostkreuz

Mehr als jeder vierte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Knapp 18 Millionen Menschen sind akut davon betroffen – mit Auswirkungen auf ihr soziales Umfeld, auf ihre Familien und Freunde. Obwohl Angstzustände, Depressionen und andere psychische Leiden so weit verbreitet sind, bleiben ihre Symptome rätselhaft und für viele schwer zu begreifen.

Fünf international renommierte Fotografinnen und Fotografen haben sich damit auseinandergesetzt und zeigen ihre Werke jetzt in der Ausstellung "CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen" im Berliner "f³ – freiraum für fotografie".

Das Unsichtbare zeigen

Nora Klein
Die Fotografin Nora Klein | Bild: WDR

Eine von ihnen ist Nora Klein. Die Fotografin aus Erfurt beschäftigt sich seit Jahren mit Depressionen. "Ich hatte Menschen in meinem Bekanntenkreis, die daran erkrankt sind, und ich konnte mir schwer vorstellen: Was geht in diesen Menschen vor? Wie fühlt sich das an? Und habe auf dem Weg mitbekommen, dass es ja wirklich sehr schwerwiegende Folgen für die Menschen haben kann. Dem wollte ich nachgehen."

Unterstützt von der Deutschen Depressionsliga fand sie Betroffene, die bereit waren, sich ihr zu öffnen und bei ihrem Fotoprojekt mitzumachen. Anderthalb Jahre stand sie mit ihnen im Austausch. So ist es ihr gelungen, sich ihren Innenwelten anzunähern und das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Aus den Erzählungen der Betroffenen, aus Porträts und Bildwelten, die Stimmungen wie Angst, Leere, Verlorensein wiedergeben, ist ihr Fotoband "Mal gut, mehr schlecht" entstanden. Er ist 2017 im Hatje Cantz Verlag erschienen. Gemeinsam mit Sabine Fröhlich, einer Projektteilnehmerin, hält Nora Klein Vorträge, die auf dem Buch basieren.

"Gärtners Reise"

Menschen, die anders sind, die nicht funktionieren, die um ihr inneres Gleichgewicht kämpfen und in einer immer komplexer werdenden Welt um Orientierung ringen – das ist das große Thema der Berliner Fotografin Sibylle Fendt, die Mitglied der renommierten Ostkreuz-Agentur ist. Für ihre Serie "Gärtners Reise" hat sie die letzte Reise des Ehepaars Lothar und Elke Gärtner begleitet.

Die beiden erfahrenden Camper machten sich 2008 mit ihrem Wohnmobil auf den Weg aus ihrer badischen Heimat bis nach Sankt Petersburg. Zwei Jahre zuvor war bei Frau Gärtner eine Demenz diagnostiziert worden. Die Krankheit war bereits so weit fortgeschritten, dass sie, obwohl körperlich noch einigermaßen fit, nicht mehr sprechen konnte.

Sibylle Fendts Fotoserie ist keine Reportage über die Erkrankung. Stattdessen erzählen ihre Bilder von angstvoller Einsamkeit, von der besonderen Liebe eines ungleich gewordenen Paares, aber auch von der Entfremdung im Alltag und dem allmählichen Verschwinden.

Behutsame Annäherungen

Laia Abril: The Epilogue
Laia Abril: The Epilogue | Bild: Laia Abril

In der Ausstellung ist auch die international ausgezeichnete Serie "The Epilogue" der spanischen Fotografin Laia Abril zu sehen. Sie widmet sich der Familie Robinson, die ihre jüngste Tochter durch Bulimie verlor.

Der Brite Louis Quail nähert sich in seiner Serie "Big Brother" dem Leben seines Bruders an, der an Schizophrenie erkrankt ist.  

Philipp Toledano, britischer Fotograf, der in New York lebt, lässt uns mit seinem Tagebuch-Projekt "Days with my Father" an den letzten Monaten im Leben seines demenzkranken Vaters teilhaben.

Melissa Spitz: You Have Nothing to Worry About
Melissa Spitz: You Have Nothing to Worry About | Bild: Melissa Spitz, 2016

Und die New Yorker Fotografin Melissa Sitz zeichnet in ihrer Arbeit "You Have Nothing to Worry About" behutsam das Gefühlsleben ihrer psychisch erkrankten Mutter nach.

Die Ausstellung "CRAZY – Leben mit psychischen Erkrankungen" ist vom 15. Februar bis zum 21. April 2019 zu sehen.

Buchtipps

Sonja Hartwig, Nora Klein (Fotografien): Mal gut, mehr schlecht.
Hatje Cantz Verlag 2017, Preis: 40 Euro

Sibylle Fendt: Gärtners Reise.
Fotos von Sybille Fendt. Text von Zoltán Jókay
Kehrer Verlag 2012, Preis: 30 Euro

Autorin des TV-Beitrags: Uta Angenvoort

Stand: 18.05.2019 16:21 Uhr

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